Energieteam wischt Fußabdruck weg

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So sichtbar wie diese Fußspuren im Sand ist der ökologische Fußabdruck eines Menschen nicht. Und trotzdem gibt es ihn, vor allem (Foto: Archiv: Kurverwaltung Juist)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Jeder Mensch hinterlässt mit seinem Leben einen sogenannten ökologischen Fußabdruck. Darin ist vor allem der Ausstoß von Kohlendioxid gemeint, für den der Einzelne verantwortlich ist. Im Lindauer Energieteam hat jetzt jeder Einzelne das für sich ausgerechnet - und dann haben alle ihre Spuren verwischt, indem sie sich CO2-frei gekauft haben.

Seit gut einem Jahr begleitet das Lindauer Energieteam die Umsetzung des „Klimaschutzkonzeptes Lindau 2020“. Dazu gehören Markus Anselment (IHK Schwaben), Jan Coenen (Kreishandwerkerschaft Heizung und Sanitär), Cord Erber (Architekt), Uli Gebhard (Stadtrat), Julia Genth (Stadtbauamt), Alexander Mayer (GWG), Rico Müller (Kaminkehrermeister), Roland Sommer (Stadtwerke Lindau), Georg Speth (Stadtbaudirektor) und Peter Triloff (Stadtrat). Beim CO2-Rechner des Bayerischen Landesamtes für Umwelt haben sie Daten zum persönlichen Energieverbrauch, zum Mobilitätsverhalten und zum Lebensstil eingegeben. Dann ermittelt der Online-Rechner, wie viele Tonnen Kohlendioxid der Einzelne verursacht hat.

Energieteam liegt unterm Durchschnittswert

Während der Durchschnitt in Deutschland im Jahr 2012 bei 11,1Tonnen lag, lag der Durchschnitt beim Energieteam mit 10,1 Tonnen darunter. Die einzelnen Ergebnisse waren aber ganz unterschiedlich und lagen zwischen 7,6 und 16,6 Tonnen. Insgesamt hat das Energieteam den Ausstoß von 100,6 Tonnen CO2 verursacht. Um das auszugleichen hat das Energieteam das Angebot von „TheCompensators" genutzt und sogenannte Emissionszertifikate gekauft. Der Verein setzt sich für Änderungen im EU-Emissionshandel ein und kauft als politisches Zeichen Zertifikate aus dem EU-Emissionshandel, die er danach löschen lässt.

Jedes Energieteam-Mitglied hat die Menge an Zertifikaten gekauft, die seinem privaten CO2-Fußabdruck entspricht. Diese Zertifikate stehen Industrieunternehmen nicht mehr zur Verfügung. Zugespitzt könnte man sagen, dass das Energieteam den CO2-Ausstoß in alten Kohlekraftwerken irgendwo in Europa drosselt. Mit den 100,6 Tonnen CO2 des Energieteams könnte man übrigens mehr als 20,5 Millionen Luftballons füllen. Das macht deutlich, welche Menge an CO2 diese Aktion dem Emissionshandel entzogen hat.

Als einen billigen Ablasshandel möchte das Energieteam das Löschen der Emissionszertifikate ausdrücklich nicht verstanden wissen. „Das Kompensieren kann nur an die Seite des Einsparens treten, dieses aber nicht ersetzen. Energiesparen ist und bleibt das eigentliche Ziel“ sagt Energieteamleiterin Julia Genth. „Dennoch ist für uns jede gelöschte Tonne CO2 ein deutliches Signal für den Klimaschutz und auch für ein besseres Emissionshandelssystem.“

Energieteam wünscht sich viele Nachahmer

Nun wünschen sich die Energieteam-Mitglieder viele Nachahmer. „Am meisten würde uns freuen, wenn jetzt viele nicht nur ihren CO2-Fußabdruck ausrechnen, sondern wenn sie die CO2-Emissionen auch kompensieren“, sagt Roland Sommer. „Momentan ist es nämlich ein großes Problem des Emissionshandels, dass der Preis für die Zertifikate so niedrig ist. Wenn aber in großem Maße Emissionszertifikate gelöscht werden, würden die Preise wieder steigen und die Investition in klimafreundliche Technologien wäre für Unternehmen lohnender.“

Den CO2-Rechner findet man unter der Adresse

Informationen über den Verein Compensators gibt es unter: http://thecompensators.org/de/

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