Eltern und Schule kämpfen gegen Cybermobbing

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Cybermobbing wird an den Schulen immer mehr zum Problem. 28 Prozent der Zwölf- bis 13-Jährigen und 41 Prozent der 14- bis 15-Jäh
Cybermobbing wird an den Schulen immer mehr zum Problem. 28 Prozent der Zwölf- bis 13-Jährigen und 41 Prozent der 14- bis 15-Jährigen geben in einer Umfrage an, selbst schon einmal im digitalen Raum gemobbt worden zu sein. (Foto: Carmen Jaspersen)
Lindauer Zeitung

Großen Zuspruch von Elternseite hat das BOGY beim Informationsabend zum Thema „Cybermobbing“ erlebt. Zu der von Mittelstufenbetreuerin Birgit Müller-Kaufmann organisierten Veranstaltung begrüßte Schulleiterin Jutta Merwald Referent Marcus Zahnleiter von der Stiftung Medienpädagogik Bayern. Sie bildet im Auftrag des Bayerischen Kultusministeriums Referenten aus und vermittelt sie an Bildungseinrichtungen in Bayern.

In ihrer Einführung ließ Oberstudiendirektorin Merwald keinen Zweifel an der medialen Durchdringung des Alltags der Kinder und Jugendlichen, die Fakt sei und für Elternhaus und Schule gleichermaßen eine pädagogische Herausforderung darstelle, der man sich gemeinsam stellen müsse, heißt es in einer Pressemitteilung der Schule. Oberstes Ziel sei es, die Heranwachsenden an einen verantwortungsvollen Umgang mit den digitalen Medien heranzuführen. Smartphones und Tablets müssten als wertvolle Kommunikations-, aber auch Lernwerkzeuge vermittelt werden.

Gravierende psychologische Verletzungen als Folge

Ein bedrückendes Thema sei in diesem Zusammenhang Cybermobbing, das nicht etwa als eine harmlose Form von Hänselei untereinander einzustufen sei. Digitales Mobbing verursache unendlich viel Leid bei den Opfern und rufe gravierende psychische Verletzungen hervor.

Das absichtliche Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Belästigen und Schikanieren anderer mithilfe von Internet und Smartphonediensten, wie schließlich Referent Zahnleiter „Cybermobbing“ definierte, geschieht demnach anonym über einen längeren Zeitraum hinweg und hat eine große, unkontrollierbare Reichweite. 28 Prozent der Zwölf- bis 13-Jährigen und 41 Prozent der 14- bis 15-Jährigen gaben in einer Umfrage an, selbst schon einmal im digitalen Raum „fertig gemacht“ worden zu sein. Der Leidensdruck der Mobbingopfer ist immens, die Selbstmordrate steigt. Das Opfer verändere seine Selbstwahrnehmung, übernehme häufig die unberechtigten Vorwürfe und Beleidigungen durch den oder die Täter in sein Selbstbild, schäme sich dafür und fühle sich minderwertig, führte Referent Marcus Zahnleiter. Deshalb falle es ihm auch schwer, selbst mit einer Vertrauensperson über die Anfeindungen zu sprechen.

Grundsätzlich sei es wichtig, so Zahnleiter weiter, mit Kindern über das Thema zu sprechen, bevor sich ein solcher Fall ereigne. Eltern sollten sich immer dafür interessieren, was ihr Kind im Netz tue und mit ihm über mögliche Gefahren und auch strafbare Handlungen sprechen. Sie müssten ihm deutlich machen, dass sie für das Kind da seien und es in diesen besonderen Situationen stützen und stärken. Nur so könnten sie erreichen, dass sich das Kind in Mobbing-Situationen den Eltern öffnet. Zögen sich Kinder zurück, würden zunehmend den Kontakt zu Gleichaltrigen abbrechen, psychosomatische Symptome zeigen, sei das ein Alarmsignal.

Der Referent warnte weiter vor Kurzschlussreaktionen und schnellen, unüberlegten Maßnahmen, wenn der Mobbing-Fall beim eigenen Kind eintritt. Nicht nur das betroffene Kind, sondern auch die Eltern müssen sich in diesem Fall Hilfe von außen holen, da sie mit der Situation überfordert sind.

Dem Täter selbst gehe es in erster Linie darum, Macht gegenüber einem meist schwächeren Opfer auszuüben, seinen Geltungsdrang innerhalb einer Gruppe zu befriedigen und Anerkennung durch sein Verhalten zu erhalten. Auch hier müsse man den persönlichen und sozialen Defiziten nachgehen. Die große Zahl der sogenannten Bystander, also derjenigen, die den Täter unterstützen und dem Opfer keine Hilfe zukommen lassen, selbst wenn sie Mitleid mit dem Opfer empfinden, ist zurückzuführen auf die Angst, dadurch selbst zum Mobbing-Opfer zu werden.

Erziehungspartnerschaft gewinnt an Bedeutung

Oberstudiendirektorin Merwald betonte in diesem Zusammenhang die große Bedeutung der Erziehungspartnerschaft zwischen Schule und Elternhaus hin und appellierte an die Eltern, diese als Chance zu begreifen und auf Lehrkräfte, Schulleitung und Schulpsychologin zuzugehen und das Gespräch zu suchen. Das Thema müsse offensiv angegangen werden, um die Opfer zu stärken. Nur gemeinsam könne der Kampf gegen Cybermobbing bestanden werden.

Referent Zahnleiter wies abschließend in seinem Vortrag auf Beratungsstellen der Caritas oder anderer Organisationen auf das Jugendamt hin, die Hilfe in Mobbing-Situationen anbieten können.

In diesem Zusammenhang wurde auch auf den Projekttag „Sicherheit im Internet“ der sechsten Jahrgangsstufe des Bodensee-Gymnasiums am 11. April verwiesen, bei dem ebenfalls das Thema Cyber-Mobbing im Mittelpunkt stehen wird.

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