Einzimmerwohnungen plötzlich billiger

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 Einzimmerwohnungen sind in Lindau zuletzt günstiger vermietet worden als noch bis 2017.
Einzimmerwohnungen sind in Lindau zuletzt günstiger vermietet worden als noch bis 2017. (Foto: Armin Weigel)
Olaf Winkler

Empfänger von Arbeitslosengeld II (Hartz 4) oder Sozialhilfe bekommen im Rahmen der Grundsicherung die Miete für ihre Wohnung bezahlt – allerdings nur, wenn sie angemessen, also nicht übertrieben groß und teuer ist. Das hat der Gesetzgeber so festgelegt.

Vor diesem Hintergrund befasste sich der Ausschuss für Bildung, Soziales und Sport des Kreistages mit den Obergrenzen für Mietzahlungen. Dabei stieß er auf ein unerwartetes Ergebnis: In Lindau und den angrenzenden Gemeinden am Bodensee sind. Einzimmerwohnungen zuletzt günstiger vermietet worden als bis 2017.

Der Landkreis hat mit der Analyse der Mieten wie schon in den Vorjahren die Firma Empirica beauftragt. Deren Vertreter Lukas Weiden erläuterte dem Ausschuss das Ergebnis der Untersuchung von über 2000 Vermietungsangeboten im Landkreis. Wenig überraschend: Fast ausnahmslos lagen die Mieten höher als im zuletzt betrachteten Zeitraum bis 2017. Deutlicher noch als in den Bodensee-Kommunen stiegen die Mietpreise im Westallgäu. Zwar hat sich am grundsätzlichen Mietgefälle zwischen unterem und oberem Landkreis nichts geändert. Doch der Abstand verringere sich insbesondere bei kleineren Wohnungen, sagte Weiden.

Als Obergrenze dessen, was angemessen ist, wird dabei entsprechend einem früheren Beschluss des Kreistagsausschusses die Miete an der Spitze des unteren Viertels aller Neuvermietungen festgelegt. Konkret: Für Einzelpersonen sieht der Gesetzgeber eine Ein-Zimmer-Wohnung als angemessen an. Und im unteren Landkreis darf sie künftig maximal 480 Euro kosten, im oberen Landkreis 400 Euro. Für einen Zwei-Personen-Haushalt liegen die Grenzen bei 630 beziehungsweise 480 Euro, für eine Familie mit vier Personen bei 890 beziehungsweise 670 Euro. Dabei handelt es sich um die Miete inklusive der „kalten Nebenkosten“ beispielsweise für Müll, Allgemeinstrom und Wasser. Nicht enthalten sind die Heizkosten, die separat bezahlt werden. Die Methoden zweifelte Ausschuss-Mitglied Ulrike Lorenz-Meyer nicht an, wohl aber, dass es insbesondere in Lindau entsprechende Angebote gibt: „Die praktische Erfahrung zeigt, dass für unter 500 Euro keine Wohnung zu haben ist.“

Dem widersprach Tobias Walch vom Landratsamt: Es handle sich um Zahlen konkreter und tatsächlich in den letzten beiden Jahren abgeschlossener Mietverträge: „25 Prozent der Wohnungen sind in diesem Bereich vermietet worden.“ Klaus Adams fiel auf: Bei der letzten Erhebung vor zwei Jahren lag die Obergrenze für Ein-Personen-Haushalte im unteren Landkreis noch bei 501 Euro – nun bei 480 Euro. Das widerspreche in der Tat dem allgemeinen Trend, so Weiden. Allerdings verzeichnete Empirica ein gestiegenes Angebot an kleineren Wohnungen.

Bestandsschutz für Altmieter

Grundsätzlich sei der Wohnungsmarkt im Landkreis „dynamisch“, sagte Tobias Walch – sprich: die Mieten steigen. Vor diesem Hintergrund sei es sinnvoll, die Obergrenze für angemessene Mieten nur anhand von aktuellen Mietverträgen zu ermitteln. Für Mieter, die zu den alten Obergrenzen eine Wohnung bezogen haben, gilt ein Bestandsschutz.

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