Einfach schön - trotz Regen und Wind

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Susi Donner

Die Gartentage Lindau sind mehr als eine Ausstellung von Blumen und Gartenzubehör. Wie wichtig sie sind, und welch gutes Zeichen das Interesse an ihnen sei, betont Ulrich Pfanner, der Vizepräsident des Bayerischen Landesverbands für Gartenbau und Landespflege. „In Zeiten von „Steingärten ist eine blühende Vielfalt wichtiger denn je“, sagt er, und fügt hinzu, dass er damit eher „Steinwüsten“ meine, und nicht das, was blühende Steingärten im eigentlichen Sinne sein sollten. „Wir müssen dafür sorgen, dass traditionelles Wissen um Natur und Kulturlandschaft nicht verloren geht, sondern es den jungen Leuten vermitteln.“ Die Gartentage Lindau mit ihrer blühenden Vielfalt und den lehrreichen Vorträgen seien hierfür ein Leuchtturm.

Dass es sich lohnt, auch weit für die Gartentage anzureisen, bestätigen Michaela Buchholz und ihre Tochter Celli. Sie kaufen bei Ulrike Herzgsell und Bernhard Vogg von der Gärtnerei Zeller eine Blaue Winde. „Es ist nicht irgendeine Blaue Winde. Es ist die schönste Blaue Winde der Welt. Und sie ist es wert, dass ich bei jedem Wetter aus Überlingen zu den Gartentagen nach Lindau fahre. Jedes Jahr, weil sie leider nicht winterfest ist“, erklärt sie. Es ist Samstagnachmittag. Nach einem sonnig-warmen Start am Freitag ist das Wetter jetzt schon eher etwas für Hartgesottene. Bernhard Vogg hat zwei Stunden lang den Schirm festgehalten, damit der Sturm ihn nicht umweht. Jetzt flaut der Sturm langsam ab, hat aber zuvor samt einigen Platzregen das Gelände der Gartentage ein wenig leergefegt. Die Besucher die dennoch unterwegs sind, sind wetterfest angezogen.

Gartentage sind auch gesellig

Im kleinen Zelt von Helmut Karrers Kaffee-Rädle versammeln sich einige der Aussteller und holen sich – schon wieder ein Superlativ – „den besten Cappuccino der Welt.“ Karrer ist ein großer Freund der Gartentage. „Sie sind einfach schön. Es gibt keinen attraktiveren Ort dafür, als die Hintere Insel. In den vergangenen Jahren war das Wetter sagenhaft, da habe ich auch schon mal meinen historisch größten Umsatz gemacht. Dieses Jahr sicher nicht“, erzählt er, lacht und lässt die geschäumte Milch für einen heißen, tröstlichen Kakao elegant und aus großer Höhe in die Tasse gleiten. Bei ihm trösten sich die anderen Aussteller aber nicht nur mit Kakao oder cremigem Cappuccino, sie erzählen auch, wie es bei ihnen läuft – und das ist in diesem Jahr allgemein und wetterabhängig nicht so gut.

Auch Besucher der Gartentage lassen sich vom Kaffeeentertainer unterhalten. Der bindet ihnen gerade verschmitzt einen Bären auf und fragt sie, warum der Bodensee ein Süßwassersee ist. Damit verbindet er die Gartentage auf der Hinteren Insel mit dem Trajektjubiläum am Hafen: Da sei nämlich vor 150 Jahren ein Güterwaggon in dem Zucker transportiert wurde, von einer Trajektfähre bei Sturm ins Wasser gefallen. Und seitdem sei das Schwäbische Meer nicht mehr salzig sondern süß. Karrer erntet mit seinem Seemannsgarn erst skeptische Blicke und dann, „ja, klar“, fröhliches Lachen.

Blasen aus Seife und Glas

Über die Wiese schweben Seifenblasen. Riesige, große, kleine, schillernd bunt. „Jetzt gibt es eine Seifenblasendusche“ ruft Otto Weizenegger, der sich als Seifenblasendompteur „ Dacapo“ nennt, den Kindern zu, die voller Freude versuchen, die bunten Blasen einzufangen. Oder platzen zu lassen. „Ihr braucht euch danach eine Woche lang nicht zu waschen“, behauptet der Künstler und erzählt, dass der bewölke Himmel für seine Seifenblasen gut sei. „Wenn es zu warm ist, platzen sie viel früher, weil die Oberflächenspannung sich schneller auflöst.“ Jaja, des einen Freud …

Ganz andere Blasen gibt es bei Adalbert Emser. Sie sind aus Glas und er hat seine Schätze zur Sicherheit in sein Zelt gestellt. Nicht auszudenken, wenn der Sturm eines seiner Miniaturkunstwerke zerstören würde. Der Lindauer arbeitet ungezählte Stunden mit großer Sorgfalt, Geduld und Präzision an seinem „Museum in der Glühbirne.“ Es sind historische Schiffe, Flugzeuge, Fahrzeuge und Jahrmarktsfahrgeschäfte die er in Glühbirnen mit großer Liebe zum Detail ins Rampenlicht rückt. Die zerbrechlichen Kunstwerke sind so filigran gebaut, dass man sich gar nicht vorstellen kann, wie die großen Männerhände des früheren Maschinenkonstrukteurs sie im Inneren der Glühbirne zusammen bauen konnten. Auch er ist gern auf den Gartentagen: „Hier lernen mich Leute kennen, die sonst nie von mir gehört hätten.“

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