Ein Zuschauermagnet: die Villa Henneberg

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Eugen Baumann führte die Besucher der Villa Henneberg auch zu den ehemaligen Pferdestallungen.
Eugen Baumann führte die Besucher der Villa Henneberg auch zu den ehemaligen Pferdestallungen. (Foto: isa)

Direkt an der Schachener Strasse, aber wegen der Bäume trotzdem ein bisschen versteckt, steht die Villa Henneberg. Wohl mit ein Grund, warum die Villa im spätklassizistischen Stil zu jenen Villen zählt, die bei den Lindauern nicht allzu sehr bekannt sind. Umso größer war dafür das Interesse der Besucher am Tag des offenen Denkmals. „25 waren angemeldet, hundert sind gekommen“, sagte Eugen Baumann.

Weil die Villa in Privatbesitz ist und sie nur von außen besichtigt werden konnte, hatte Baumann jede Menge Pläne mitgebracht, mithilfe derer sich die Besucher ein Bild von dem einst weitläufigen Grundstück samt der Nebengebäude und Gartenanlagen machen konnten. Denn ist das Grundstück, auf dem der zweigeschossige Kreuzgiebelbau mit seinem dreigeschossigen Mittelbau steht, heute nur noch handtuchartig groß, so war es um 1875, als es der aus Görlitz stammende und in Zürich lebende Seidenfabrikant Karl Gustav Henneberg erworben hatte, begrenzt von der Schachener Strasse, dem Oeschländerweg und der Badstraße. „Das Gelände wurde nach dem Krieg (gemeint ist der Zweite Weltkrieg) in 13 Einzelparzellen aufgeteilt“, sagte Baumann und erklärte, dass das Areal bis dahin mit Wegen und unterschiedlichen Park- und Gartenflächen durchzogen war. An der Schachener Strasse, kurz vor der Abzweigung zum Oeschländerweg hatte Henneberg 1886 vom Lindauer Baugeschäft Julius Haug ein prächtiges Glashaus im Stil des Londoner Kristallpalasts errichten lassen, in dessen beheizbarem Salon Teegesellschaften stattfanden. Die Reste des „Minikristallpalästchens“ wurden jedoch in den 1950er-Jahren abgerissen. „Schade, dass die Lindauer dafür nichts übrig hatten“, bedauerte Baumann, lobte jedoch auch die Weitsicht der Stadt, die das ganze Gebiet unter Ensembleschutz gestellt und mit einem Bebauungsplan überzogen hat, der das Aussehen des Schachener Villengürtels vor architektonischen Auswüchsen schützt.

Nach dem Tod Hennebergs übernahm 1918 Major Bruno Neumann-Henneberg das Anwesen. Seiner Tochter baute er 1922 auf dem dazu gehörenden Grundstück am See die Villa Tannfried samt Badehaus im germanischen Stil. Erbaut wurde sie vom Lindauer Architekturbüro Kanzler & Sesselmann, während die Villa Henneberg 1875 von Jakob Götzger, ebenfalls einem Lindauer, gebaut wurde. „Die Crème de la Crème der Architekten baute in Lindau“, so Baumann. Davon, dass Henneberg nicht nur bei der Auswahl seines Architekten Geschmack zeigte, sondern auch bei der Innenausstattung der Villa Kunstverständnis bewies, konnten sich die Besucher beim Gang durch das Treppenhaus überzeugen. Das riesige, über zwei Stockwerke reichende Glasfenster, stammt vom königlich-bayerischen Hofglasmaler Franz Xaver Zettler.

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