Ein Zeichen für den Frieden setzen

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Am Feiertag Maria Himmelfahrt fahren ab den Häfen Lindau, Bregenz und Rorschach wieder mehr als 3000 Pilger auf fünf Schiffen de
Am Feiertag Maria Himmelfahrt fahren ab den Häfen Lindau, Bregenz und Rorschach wieder mehr als 3000 Pilger auf fünf Schiffen der Weißen Flotte auf den abendlichen Bodensee hinaus. (Foto: Susi Donner)
Susi Donner

Lindau/Bregenz/Rorschach - Am Feiertag Mariä Himmelfahrt, Donnerstag, 15. August, pilgern aus ganz Europa Gläubige an den Bodensee, um an der 38. Fatima-Schiffsprozession teilzunehmen. Seit 1981 feiert die katholische Kirche im Dreilän-dereck Deutschland, Österreich und der Schweiz damit ein großes Fest mit gemeinsamen Gebeten, Musik und bischöflichem Segen für ein christliches, friedliches und vereintes Europa.

Die Tradition der Schiffsprozessionen auf dem Bodensee reicht bis ins Jahr 1970 zurück. Wallfahrten haben üblicherweise Gnadenorte zum Ziel. Damit aus dem Bodensee ein solcher wurde, half der aus Norditalien stammende und in Bludenz lebende Tischler Ferdinand Andreatta etwas nach. Er versenkte eine kleine Fatima-Statue in den Fluten zum Schutz für das Dreiländereck, so wie auf den Berggipfeln Kreuze angebracht werden. Andreatta (2002 ist er gestorben) war ein glühender Marienverehrer.

1979 initiierte er schließlich die erste kleine Prozession zu der Statue und hob so die Fatima-Schiffsprozession aus der Taufe. Seit 1981 gehört sie fest zum Erscheinungsbild der katholischen Kirche im Dreiländereck. Die Prozessionen wurden im Laufe der Jahre immer größer – bis zu 4500 Pilger auf sechs Schiffen waren es in manchen Jahren schon. In letzter Zeit hat sich die Pilgerzahl auf mehr als 3000 auf fünf Schiffen eingependelt.

Zum sechsten Mal gibt es ein Schiff nur für Jugendliche, das an der Schiffsprozession teilnimmt. Pater Johann Fenninger aus dem Bregenzer Kloster Thalbach und die Projektlobpreisband begleiten die Jugendlichen. Wobei der Begriff Jugendliche großzügig ausgelegt wird: zwischen 13 und 35 Jahren dürfen die Pilger sein.

Um 20 Uhr fahren die Schiffe der Weißen Flotte auf den abendlichen See hinaus. Ab Bregenz das Sakramentsschiff und die „MS Austria“ sowie das Jugendschiff „MS Alpenstadt Bludenz“. Ab Rorschach die „MS St. Gallen“ und ab dem Lindauer Hafen die „MS Vorarlberg“. Das Schiff aus Lindau wird von Pfarrer Georg Alois Oblinger (Rektor der Gebetsstätte Marienfried) geleitet, der bis vergangenes Jahr Stadtpfarrer in Lindau war. Wer ihn gern wiedersehen möchte, hat dort die Gelegenheit.

Auf jedem der teilnehmenden Schiffe spielt eine Musikkapelle. Während der feierlichen Fahrt in den Sonnenuntergang beten und singen die Pilger. Bei Einbruch der Dunkelheit versammeln sich die Schiffe mitten auf dem Bodensee, auf der von Andreatta gedachten Linie, an der sich die drei Länder begegnen, zu einem Stern und setzen mit dieser symbolischen Grenzüberschreitung ein deutliches Zeichen für ein vereintes Europa.

Ehrengast der diesjährigen Schiffswallfahrt ist Weihbischof. Anton Losinger aus dem Bistum Augsburg. Er hält um 16 Uhr zudem das Pontifikalamt in der Gebetsstätte in Wigratzbad. Als einer der Höhepunkte der Schiffsprozession auf dem Bodensee beten die mitfahrenden Geistlichen ein Weihegebet von Papst Franziskus an das unbefleckte Herz Mariens, und Weihbischof Losinger spricht den eucharistischen Segen für die Länder Europas, um sie dem Schutz des Himmels anzuempfehlen.

Alle Pilger sind eingeladen, diese Weihe des Kontinents mitzuerleben. Krönender Abschluss ist in jedem Jahr ein festliches Feuerwerk, bevor die Schiffe in ihre Häfen zurückkehren. Veranstaltet wird die Schiffsprozession von der Gebetsstätte Wigratzbad und ihrem Direktor Nikolaus Maier. In der dortigen Sühnekirche finden den ganzen Feiertag über Messen und Rosenkranzgebete statt.

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