Ein rotes Keramikherz soll gegen das Heimweh helfen

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Der Spätsommer hat dem Töpfer- und Kunsthandwerkermarkt in Lindau ein Wochenende beschert, wie es schöner nicht sein könnte. Zwei Tage lang herrschte bei sanftem Sonnenschein und blauem Himmel reges und fröhliches Markttreiben in der schönen Kulisse rund um das historische Ensemble Pulverturm und Peterskirche, über den Schrannenplatz bis hinunter zum Zeughaus.

Mike Ognjenovic und Dominic Frey bewundern die Keramikarbeiten der Lindauer Künstlerin Irmgard Reichwein. Fliegenpilze, garantiert nicht giftig, Blumen, die nie welken, Katzen, Enten oder dicke Hennen drehen sie in den Händen. Der Fliegenpilz hat es Dominic angetan. Er ist eigentlich Lindauer, wohnt jetzt aber im Elsass. Er erzählt, dass er Mike stolz Lindau zeigt, und dabei selbst überwältigt ist von der Schönheit seiner Heimat: Die Atmosphäre auf dem kleinen feinen Markt, die Stimmung am See, die schmalen Gassen und schönen Bauwerke. „Ich war schon lange nicht mehr in Lindau, aber dieser Tag heute ist dazu gemacht, dass ich wieder Heimweh bekomme. Das weiß ich jetzt schon“, sagt er.

Bunte Häuschen ziehen gute Energien an

Ein paar Meter weiter: Luca Bresch dreht vorsichtig ein Keramik-Windglöckchen in den Händen und lässt es bimmeln. „Oh das ist ja richtig laut“, sagt er erstaunt und will von den Kunsthandwerkern Christine und Frédéric Anerdi wissen, was es mit den bunten Häuschen auf sich hat. Die beiden erklären dem jungen Liechtensteiner gern, dass Windglöckchen Glücksbringer sind und gute Energien anziehen sollen. In Bäumen oder Hauseingängen aufgehängt, wo der Wind sie schaukeln und die Glöckchen klingen lässt, sollen sie düstere Gedanken vertreiben und der Seele Ruhe und Frieden bringen – so sage es die fernöstliche Kultur. Im Schlafzimmer dienen sie auch als Traumfänger und am Arbeitsplatz bringen sie kreative Ideen.

Steine müssen zu einem passen;„Berühren erlaubt“

Im Schatten der Peterskirche lässt sich die Wolfegger Künstlerin Christine Blattner bei der Arbeit über die Schulter schauen. Sie bemalt mit feinem Pinsel und filigranem Strich Steine mit Ornamenten oder Schutzengeln. Gibt ihnen Botschaften mit. „Das Leben lieben und die Liebe leben“ schreibt sie beispielsweise darauf. Oder „Inne halten“, „Glück“, „Entscheidung“ und auch Namen oder persönliche Wunschbotschaften gleich live und zum Mitnehmen, nach einer kurzen Trocknungszeit. „Berühren erlaubt“ steht auf einem Schildchen, denn einen Stein müsse man fühlen, um zu wissen, ob er zu einem passt. Dazwischen führt sie angeregte Gespräche. Eine Frau, die selber hobbymäßig Steine bemalt, will wissen, wo sie die Steine findet und worauf sie bei der Auswahl achtet. Die Antwort ist klar: überall. Christine Blattner kann nirgendwo hingehen, sei es im Urlaub in Griechenland oder zum Ausflug an den Bodensee, ohne nach Steinen zu suchen. Die Steinkünstlerin ist übrigens auch die Erbauerin des begehbaren Steinlabyrinths am Rohrsee – einem echten Geheimtipp zwischen Wolfegg und Bad Wurzach.

Das Kraut gegen die Dummheit kriegen die Ehemänner

Andrea Pilz und Marianne Wegner – Schwestern und Urlauberinnen aus Bad Reichenhall – decken sich auf dem Töpfer- und Kunsthandwerkermarkt mit Mitbringsel ein: eine kunterbunte Stofftasche für die Tochter der einen, eine duftende handgemachte Seife für die gemeinsame Freundin, eine Veilchenbrosche aus farbigem Glas für die Mama, ein Windlicht für den Papa, ein kleiner Käselaib direkt vom Bauernhof für einen Freund und zwei Gläser mit grünem Inhalt: Andy Essendorfers grünes Pesto namens „Kraut gegen Dummheit“, für ihre beiden Ehemänner. Über diesen Spaß freuen sie sich diebisch.

Ein bisschen später treffen wir nochmal auf Mike Ognjenovic und Dominic Frey. Mike hat sich gegen einen Fliegenpilz und für ein rotes Keramikherz entschieden. Als Erinnerung an einen wunderschönen Tag in Lindau. Und als Trost, wenn Dominic mal wieder das Heimweh plagt…

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