Bei ihrem Herrchen Gerhard Hartmann ist Coco lammfromm. Brigitte Hartmann konnte nicht aufs Bild. Coco duldet keine Frau neben s
Bei ihrem Herrchen Gerhard Hartmann ist Coco lammfromm. Brigitte Hartmann konnte nicht aufs Bild. Coco duldet keine Frau neben s (Foto: Fotos (2): Susi Donner)
Schwäbische Zeitung
Susi Donner

„Hahahahahahaha“ – klingt es unüberhörbar laut, keck und ungeduldig aus dem Vogelkäfig. Und dann ein forderndes „Mami!“ Das ist Coco. Die hübsche Gelbstirnamazonendame, die in der Kunstwelt längst als Papageienpersönlichkeit angekommen und berühmt ist. Nur hier kennt sie keiner. Aber das soll sich jetzt ändern. Coco hat nämlich ihren eigenen Wein. Ihr 84-jähriges Herrchen und ihr 78-jähriges Frauchen haben für sie fünf Rebstöcke der Sorte Spätburgunder Rotwein in Nonnenhorn geleast. Vor wenigen Wochen erhielten sie ihren ersten Wein – abgefüllt in Flaschen – von Winzer Reinhard Marte. Und damit ist Coco wahrscheinlich die einzige Gelbstirnamazone der Welt, die Weinstöcke geleast hat.

Coco ist 40 Jahre alt. Und sie ist eine echte Lady – eine Diva eigentlich, die keine anderen Frauen neben sich duldet. Sie ist seit 38 Jahren Mitglied der „Kommune“ des Kunstsammlerehepaares Brigitte und Gerhard Hartmann, das seit acht Jahren in Lindau wohnt. Coco wurde wild in Freiheit geboren – wild sei sie heute noch, aber Hartmanns vermuten, dass es wohl eine Frau war, die sie gefangen hat. Anders können sie sich Cocos regelrecht feindliche Abneigung gegen Frauen nicht erklären. „Aber ich liebe Coco trotzdem“, erklärt Brigitte Hartmann gutmütig.

Mit augenzwinkernder Ernsthaftigkeit erzählt das Ehepaar Cocos Geschichte, das in der Kunstszene einen nicht weniger bedeutenden Ruf als sein Vogel genießt. Nennen das, was sie tun geistvollen Coco-lores. „Es hat uns doch selber überrascht, wie die Leute unsere Coco-Geschichte mitmachen, persönliche Briefe an Coco schreiben. Sie musste sogar schon Interviews an Fachzeitschriften geben“, sagt Gerhard Hartmann. „Natürlich sind wir verrückt. Man muss verrückt sein, wenn man so was macht.“

Geplant haben sie Cocos kostspielige Karriere nicht. Alles habe sich so ergeben. Irgendwann wünschte sich der Kunstsammler eine Zeichnung von seinem Vogel und bat einen ihm bekannten Künstler darum. Das Ergebnis fand er so schön, dass er mehr Künstler um einen Beitrag für ein Exlibris von Coco fragte. Die erste Auflage wollten Hartmanns behalten, wurden aber von anderen Kunstsammlern beinahe angefleht, ein Exemplar zu tauschen. „Wenn das so ist“, habe er gedacht, „dann muss Coco jetzt berühmt werden“.

Heute ist Coco in allen wichtigen Bibliotheken Deutschlands zu finden, wie in den Staatsbibliotheken in München und Berlin und im Ausland in den Nationalbibliotheken Wien, Prag, Budapest und Paris, sowie im Exislibrismuseum in Frederikshavn/Dänemark. Und alle warten jedes Jahr auf ihr neues Exlibris-Exemplar, denn seither schenken Brigitte und Gerhard Hartmann ihrer Mitbewohnerin zu jedem neuen Lebensjahr eines – auch rückwirkend, weshalb Coco eine Sammlung von 40 „Exlibris Coco“ gehört.

Die Motive sind so vielfältig wie die künstlerischen Ausdrucksformen: von der Hommage an Coco Chanel bis Lady Coco alias Lady Gaga. Sie ist wahrscheinlich der erste Vogel weltweit, der Exlibris auf seinen Namen besitzt. Es gibt über 180 Zeichnungen und Bewegungsstudien der lebhaften, lautstarken Vogelmadame, sowie fantasievolle Erzählungen von Schriftstellern, das Kinderbuch „Wer bist denn du?“ von Karl Rühmann und Susanne Smajic über CoCo, und das Katalogbilderbuch Eins, zwei, drei auf allen Vieren – wie die Tiere auf Papierender Schriftstellerin Alissa Walser mit Coco als Hauptdarstellerin. Bekannte und befreundete Autoren und Künstler lassen sich durch Coco zu bunten, fröhlichen wie ironischen Arbeiten inspirieren. Coco ist selbst in einem Erotikmagazin und in der Bibliotheksfachzeitschrift BIT zu finden und 80 Prozent der Sammlung „Coco“ beherbergt als Vorlass die Zentralbibliothek in Zürich.

Geld verdienen Hartmanns mit der Vogelkunst nicht. Im Gegenteil: Die Exlibris und alle weiteren Werke finanzieren sie privat. „Coco ist unser Hobby, unsere gemeinsame Liebe, und wir bleiben geistig jung mit ihr“, erklären die beiden unisono.

Und der Wein? Nein den wird sicher nicht Coco trinken. Und Winzer Marte wird sich nicht auf ihre Hilfe im Weinberg freuen dürfen. Die Weinflaschen aber, mit dem Konterfei der Gelbstirnamazone werden als Geschenke den Weg in die Welt finden. Und Coco noch bekannter machen.

Vom 1. bis zum 24. Oktober zeigt die Stadtbücherei im Kornhaus in Wangen einen Teil der kleinen Kunstwerke aus der Sammlung von Gerhard und Brigitte Hartmann, zusammen mit Druckgrafiken, die unter dem Motto „Die Liebschaften des Zeus-Coco“ stehen.

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