Ein glänzendes Festkonzert in St. Stephan

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Ein glänzendes Festkonzert in St. Stephan
Ein glänzendes Festkonzert in St. Stephan (Foto: Christel Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

Ein glänzendes Festkonzert hat der Kammerchor Lindau am späten Sonntagnachmittag in der vollen St. Stephanskirche gegeben. Mit Lob und Dank feierte der Chor unter der Leitung seines neuen Dirigenten Jürgen Natter das 50-jährige Bestehen.

Was hätte dazu besser passen können als Felix Mendelssohn Bartholdys „Lobgesang“, die Sinfonie-Kantate Nr. 2 op. 52. Als Auftragskomposition für den Rat der Stadt Leipzig zum 400. Jubiläum der Erfindung der Buchdruckerkunst ist der „Lobgesang“ 1840 entstanden. Da erst die Verbreitung erschwinglicher Bücher die Menschen „aus der Finsternis zum Licht“ brachte, feiert das Werk den Triumph des Lichts über die Dunkelheit: „Die Nacht ist vergangen, der Tag ist gekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts!“ Ein groß angelegter Chorsatz, der die zentrale Aussage des „Lobgesangs“ widerspiegelt.

„Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!“

Mit dramatischer Kraft singt zuvor der Tenor vom Wandeln in Finsternis, setzt ein gewaltiges „Wache auf!“ des Herrn als Zeichen gegen Angst und Finsternis, ehe er in mächtigem Crescendo wieder und wieder fragt: „Hüter, ist die Nacht bald hin?“ und die Sopranistin die erlösende Antwort bringt: „Die Nacht ist vergangen!“ In großer Aufwärtsbewegung bis zum Fortissimo feiert der Chor das Licht, wendet sich dann zum schlichten Choral „Nun danket alle Gott“, ehe in hervorragender Balance von Orchester und Chor das Werk im mächtigen Schlussgesang zurückkehrt zum jubelnden „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!“

Ungewöhnlich ist, dass Mendelssohn diese Aussage erst in die Musik gelegt und danach mit Worten entfaltet und verdichtet hat, dass er in der Nachfolge Beethovens Sinfonie und Oratorium verschmilzt. Von der ersten festlichen Fanfare an ist das „Alles, was Odem hat“ präsent, kehrt in der dreisätzigen Sinfonie in vielen Farben wieder, wandert durch die Register. Herzerwärmende Soli von Klarinette oder Oboe sind eingebettet in die Streicher, hymnisch singen Hörner und Posaunen, ein Streicherpizzicato begleitet Flöten, Fagotte und Hörner.

Authentisch bringt die Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben die Stimmungen herüber: die innige Freude an der Schöpfung, das Aufblühen zu strahlender Sonne, die paradiesische Seligkeit. Alle Orchesterfarben lässt Jürgen Natter in behutsamem Dirigat erblühen als Wegbereiter für den Chor, der dann den Lobpreis in immer neuen Wellen aufbranden lässt: „Alles was Odem hat, lobe den Herrn!“ Dynamische Chöre wechseln mit schlichten, von demütigem Staunen erfüllten Chorälen. Sehr schön fügen sich die Solisten ein: die Sopranistin Sabine Winter mit strahlenden Koloraturen, die Altistin Leila Pfister im harmonischen Duett mit der Sopranistin und Karl Jerolitsch, der als Einspringer einen schönen lyrischen Tenor strömen lässt.

Als Hinführung zu Mendelssohns „Lobpreis“ hat Natter Johann Sebastian Bachs für das Reformationsfest komponierte Kantate „Gott der Herr ist Sonn’ und Schild“ vorangestellt, gemeinsame Klammer war der zentrale Choral „Nun danket alle Gott“. In der Kantate war neben Sopran und Alt auch der Bassist Christian Feichtmair in einem markanten Rezitativ und dem folgenden Duett mit dem Sopran zu hören, welches das „Toben der Feinde“ ebenso hörbar machte wie das Vertrauen auf Gottes Schutz. Eine schöne Hinleitung zu Mendelssohns Werk war der innige vierstimmige Schlusschoral.

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