Ein Altenheim im Trommelwirbel

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Ricarda Raabe trommelt vor, die Bewohner tun’s ihr gleich.
Ricarda Raabe trommelt vor, die Bewohner tun’s ihr gleich. (Foto: Maria-Martha-Stift)
Lindauer Zeitung

Mal schwillt es zum akustischen Inferno an – dann wieder scheint es tippelnd ums Ohr zu schleichen: Die Trommelkunst von Pädagogin Ricarda Raabe aus Berlin reißt jedenfalls unwillkürlich mit. So auch die Bewohner des Lindauer Altenheims Maria-Martha-Stift, die eigentlich im Rahmen des Sommerfestes unter freiem Himmel auf die Pauke hauen wollten. Doch da das Wetter für den Garten zu ungemütlich zu werden schien, verlagerten die Bewohner das weithin vernehmliche Vergnügen ins Innere, was der Freude am Musizieren überhaupt keinen Abbruch tat, wie das Maria-Martha-Stift in einer Pressemitteilung schreibt.

Dass Trommeln viel mehr bedeutet, als einfach nur möglichst laut draufzuhauen, erlebten Bewohner und Mitarbeiter des Maria-Martha-Stifts gleichermaßen. Das Talent von Ricarda Raabe liegt laut Pressemitteilung in der Fähigkeit, nur mit ihrer Körpersprache Takt, Stärke und akustische Betonung auf ihr Publikum zu übertragen. Auf diese Weise wird aus den vielen Menschen mit ihren Schlaginstrumenten schnell eine klangliche Einheit, die überraschend nuanciert musizierte. Die aktivierende Wirkung ist verblüffend: Selbst Bewohner, die eigentlich introvertiert sind, konnten sich der Kraft von Rhythmus und Takt nicht entziehen.

„Wir haben uns auf einer Fachtagung in Hamburg kennengelernt und ich habe Frau Raabe in Aktion erlebt“, erinnert sich Heimleiterin Anke Franke und sagt: „Da wusste ich, das müssen wir hier in Lindau auch machen.“

Und weil Ricarda Raabe auch in Seminaren die aktivierende Wirkung des Trommelns weitergibt, hat die Berlinerin am Tag nach der Session mit den Bewohnern vor Ort in einem Workshop 14 Fachkräfte aus dem Maria-Martha-Stift, aus Friedrichshafen und der Schweiz weitergebildet. „Es ist immer gut, wenn wir durch Qualifikation in den eigenen Reihen eine offensichtlich gute Sache dauerhaft bei uns etablieren können“, sagt Anke Franke.

Und weil am Tag des Workshops auch das Wetter wieder stabiler war, feierte das ganze Haus im Garten um den Grill versammelt doch noch ein standesgemäßes Sommerfest unter freiem Himmel.

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