Drei Jahre Krabat: Lob für einzigartiges Theaterprojekt

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Mit dem Vorhang fiel auch die Anspannung. Mehr als drei Jahre lang haben sie an ihrem Krabat geschrieben, wochenlang geprobt, nächtelang Videos geschnitten. Am Mittwoch mussten Felix Augustin, Lorenz Baumann und Veronika Stierle ihr Kind, in das sie alle Leidenschaft und Herzblut gesteckt hatten, endlich laufen lassen. Vermutlich haben sie den ohrenbetäubenden Applaus am Ende, die vielen Glückwünsche und Schulterklopfer noch gar nicht richtig realisiert. Wichtig war erst mal: Es war geschafft.

Und wie sie es geschafft haben. Was Felix Augustin (Q12), Lorenz Baumann und Veronika Stierle (beide Q11) und das Mittelstufentheater des Bodensee-Gymnasiums geleistet haben, war beeindruckend. Den Fantasy-Liebhabern ist es nicht nur gelungen, die mystische Krabat-Geschichte so auf der Bühne zu erzählen, dass sie auch von Zuschauern verstanden wird, die den Jugendbuchklassiker von Otfried Preußler nicht gelesen haben. Sie ließen auch die düstere, teils bedrückende Stimmung der Vorlage durch den Musiksaal wabern. Und das, obwohl die jungen Autoren rund 300 Seiten Handlung in eine eineinhalbstündige Bühnenfassung komprimieren mussten, sich nicht auf das Kopfkino des Zuschauers verlassen konnten, und über eine begrenzte technische Ausstattung verfügten. Und doch ließen sie die Zuschauer mit dem Meister und Krabat zum Hof des Kurfürsten fliegen und sie miterleben, wie Krabat den toten Altgesellen Tonda im Traum trifft. Das verfehlte seine Wirkung nicht.

Geheimnisvolle Träume und Stimmen führen den 14-Jährigen Waisenjunge Krabat nach Schwarzkollm in den Koselbruch. Dort liegt am Schwarzen Wasser eine Mühle, in der es nicht mit rechten Dingen zugeht. Als der dunkle Herr der Mühle ihm anbietet, Lehrjunge zu werden, willigt er ein. „Und was soll ich Dich lehren? Das Müllern – oder auch alles andere?“ , fragt der Meister. Als Krabat antwortet, „das andere auch“, beginnt ein Abenteuer, das ihn in große Gefahr bringt.

Professionelle Kompositionen sorgen für Spannung

Die Bühne ist übersichtlich, aber wirkungsvoll: Ein Mühlrad, ein Ofen, wenige Scheite Holz und Decken reichen, um das Leben und Arbeiten rund um die Mühle darzustellen – und sind auch schnell weggeräumt, wenn ein Marktplatz benötigt wird. Zwei kleine Vorbühnen – das schwarze Pult des Hexenmeisters mit seinem großen Koraktor und eine kleine Landschaft – sowie eine große Leinwand erlauben auch schnellere Szenenwechsel. Ein bisschen Geduld muss der Zuschauer aber schon haben: Denn der Vorhang schließt sich oft für Umbauten.

Dass die Spannung trotzdem erhalten bleibt, ist ein großer Verdienst der Musik, die der ehemalige Bogy-Schüler Darius Grimmel extra für Krabat geschrieben hat. Professionelle Kompositionen sorgen für die passende Untermalung: Sie stimmen auf einzelne Szenen ein, begleiten Krabat und die Gesellen bei ihrer harten Arbeit in der Mühle, bei ihrer Trauer um Tonda, aber auch bei ihrem launigen Feierabendbierchen.

Von Krabat (Luca Aulehla) bis hin zu den süßen Mädchen bei der Osterprozession: Die jungen Schauspieler des Mittelstufentheaters, die von Irene Heß gut auf ihre Rolle vorbereitet worden waren, zeigten allesamt eine gute Leistung. Keiner kann so düster schauen, wie der fiese Meister (Hüseyin Akgün). Tonda (Amelie Gierer) gibt den Altgesellen sympathisch-souverän, während der dumme Juro (Eva Zeleny) erfrischend naiv wirkt. Herausragend war auch Kantorka (Ria de Haas), das junge Mädchen, dessen Liebe Krabat letztlich rettet. Ihre verliebten Blicke trafen. Ein großes Überraschungsmoment sind die Videoeinspieler, die gut ankommen. Als der weiß geschminkte Gevatter Tod (Felix Augustin) übergroß auf der Leinwand erscheint, stockt dem Publikum der Atem. Ein Hingucker ist auch das ausgelassene Mahl am Hof des Kurfürsten, das die Schüler aufwendig im Alten Rathaus gedreht haben.

Am Ende gibt es zu recht tobenden Applaus. Das Publikum war sich einig: Felix Augustin, Veronika Stierle und Lorenz Baumann haben mit Musiker Darius Grimmel und den Schauspielern des Mittelstufentheaters etwas einzigartiges geschaffen.

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