Dramen und Zitterpartien auf der Langenweg-Baustelle

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Am Abend bevor die Brücke eingeschoben wird, fängt es heftig an zu regnen. Auf die letzte Minute klappt dann doch alles.
Am Abend bevor die Brücke eingeschoben wird, fängt es heftig an zu regnen. Auf die letzte Minute klappt dann doch alles. (Foto: Archiv Julia Baumann)

Fast zwei Jahre haben Bauarbeiter an der Langenweg-Baustelle gearbeitet. Im Großen und Ganzen war alles immer im Zeitplan. Trotzdem haben sich während der langen Bauzeit kleinere und auch größere Dramen abgespielt. Und für die Projektverantwortlichen gab es die eine oder andere Zitterpartie.

Der Startschuss zum Bau der Unterführung fiel im August 2016. Die erste spürbare Veränderung für die Lindauer war, dass die Längsparkplätze in der Kolpingstraße wegfielen. Reisebusse mussten von nun an in der Bregenzer Straße oder der Ladestraße halten. Bereits einen Monat nach Beginn der Bauarbeiten kam es zu einem schrecklichen Unfall: Ein Arbeiter wollte mit einem Kran eine Kabelrolle abladen, als das Seil riss und die Rolle auf sein Bein fiel. Der Mann verletzte sich dabei schwer.

Anfang 2017 waren die Bauarbeiten bereits in vollem Gange, der Langenweg veränderte sich merklich. Für die Anwohner bedeutete das allerdings Lärm und Dreck. „Die Anwohner waren wirklich ungeheuer kooperativ“, sagt Jürgen Widmer, Pressesprecher der Stadt, heute. Doch der Lärm machte ihnen trotzdem zu schaffen. Denn die Bahn AG musste immer wieder Arbeiten auch nachts durchführen lassen.

Im Februar kam es auf der Baustelle zu einem Gas-Fehlalarm. Baggerfahrer hatten eine alte Gasleitung freigelegt und zerteilt. Eine Passantin bemerkte wenig später Gasgeruch und rief die Polizei. Nur einen Monat später schlug ein Baggerfahrer bei der Polizei Alarm. Er glaubte, mit seiner Schaufel Munition freigelegt zu haben. Glücklicherweise handelte es sich lediglich um einen Stein, der nur wie Munition aussah.

Regen lässt zittern

Im Frühjahr und Sommer bauten die Arbeiter dann die neue Straße und hoben die große Baugrube aus, in der die 3500 Tonnen schwere Unterführung entstand. Außerdem setzten sie die Strommasten für die Elektrifizierung der Strecke. In dieser Zeit trieben Diebe ihr Unwesen auf der Baustelle: Sie klauten Stromkabel im Wert von 4000 Euro und versuchten, Baucontainer aufzuhebeln – was ihnen zum Glück nicht gelang.

Ende August begann dann die große Zitterpartie. Nur zehn Tage lang war die Bahnstrecke gesperrt. In dieser Zeit mussten die Bauarbeiter über Hydraulikpressen die riesige Unterführung an die richtige Stelle ziehen, Schienen verlegen und das Bauwerk mit Beton und Kies hinterfüllen. Dann begann es plötzlich, heftig zu regnen. Für Michael Katz, Projektleiter bei der Bahn, einer der Momente, in dem ihm das Herz stehen geblieben ist. „So musste in der eingeplanten Zeit für den Verschub zusätzlich zunächst erst einmal das Wasser von der Baustelle abgepumpt werden“, erinnert er sich. Die Arbeiter schafften es trotzdem, die Züge rollten pünktlich über die neuen Schienen.

Allerdings war das nicht das erste Mal, dass die Verantwortlichen hinter den Kulissen zitterten. „Bei einem solch komplexen Projekt zittert man immer“, gibt Widmer zu. Schließlich wisse man nie, welche Altlasten die Ausgrabungen zutage führten. Eine Herausforderung sei es außerdem gewesen, die beiden Baustellen – also die von der Stadt und die von der Bahn – zu koordinieren. „Das hat aus unserer Sicht aber gut geklappt.“

Nach dem Einschub der Unterführung waren die Bauarbeiten vonseiten der Bahn zu einem großen Teil abgeschlossen. Für die Stadt gab es aber noch einige Restarbeiten zu erledigen. Dank des relativ milden Winters und des warmen Frühjahrs klappte alles reibungslos. Und die Unterführung kann nun wie geplant am Freitag eröffnet werden.

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