Disziplin, Präzision und 99 Luftballons

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Dunkel war’s oft während der Vorstellung des Deutschen Turnerbunds.
Dunkel war’s oft während der Vorstellung des Deutschen Turnerbunds. (Foto: veranstalter)
Jochen Dedeleit

Mit einem Nationenabend hat der Deutsche Turnerbund (DTB) bei der Weltgymnaestrada 2019 in Dornbirn gezeigt, was seine Sportler drauf haben. Stargast war Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen, der für die im Herbst anstehende Turn-WM in Stuttgart warb.

Das Motto des Abends lautete „Typisch deutsch“, was allerdings Breakdancer, die zu einer etwas anderen Version der deutschen Nationalhymne tanzten, auseinanderfallende Karosserien und zumeist englischsprachige Liedtexte damit zu tun haben sollen, bleibt wohl das Geheimnis der Regisseure Alexander Pollner sowie Heidi und Felice Aguilar. Zumindest wurde unter anderem mit „99 Luftballons“ präsentiert. Und auch Disziplin und Präzision wurden während der über 90 Minuten groß geschrieben – ob auf Stühlen, an Lehnen von Kirchenbänken, die einen Barren darstellten, oder vor dem auf einer großen Leinwand im Hintergrund eingespielten Brandenburger Tor auf Einrädern. Rhönräder drehten sich vor Zahnrädern, Roboter wurden allerdings – leider – nicht zur deutschen Kultband Kraftwerk bewegt und Lichteffekte waren eine seltene Abwechslung im insgesamt zu düster (im Sinne von dunkel) gehaltenen Programm. Ein Bestandteil des Nationenabends war auch der TV Ludwigshafen-Bodensee („Showteam Blues Brothers“), der auch bei einer Gala am Freitag und Samstag mitwirken darf.

Eine gute Show

Im Finale hatte Fabian Hambüchen seinen großen Auftritt, nicht zuletzt dank dem Reck-Olympiasieger brandete tosender Applaus auf. Wie zuvor bei „Jonglissimo“, der Abteilung Rollstuhltanzsport des USC München und vor allem dort, wo Felice Aguilar ihr Können im Spiel hatte. In den schnell zusammengefundenen Diskussionsrunden nach derartigen Events herrschte zumeist eine Meinung vor: Beim Nationenabend der Gastgeber tags zuvor sei das Turnen im Vordergrund gestanden, bei den Deutschen die Show. Typisch deutsch? Doch hoffentlich nicht.

Eine gute Show – im positiven Sinne – gaben DTB-Präsident Alfons Hölzl, Wolfram Wehr-Reinhold von der niedersächsischen Turn- und Sportfördergesellschaft (TSF) sowie Leipzigs Bürgermeister Heiko Rosenthal zum Besten. Der DTB ist nach der Schweiz die zweitstärkste Fraktion in Vorarlberg, mit 2250 Teilnehmern aus rund 200 Vereinen. In der 66-jährigen Geschichte der Weltgymnaestrada gab es zwar schon mehr als die diesmal rund 18 000 Teilnehmer in Dornbirn, mit 69 Nationen aber noch nie eine größere Vielfalt an Ländern.

Dies begeistert auch Hölzl, der von gelebter Völkerverständigung und Turnen in seiner ganzen Vielfalt“ spricht und auch das „hohe Ausbildungsniveau“ lobt. Und davon, dass die Nationenabende eigentlich nicht verglichen werden können, so seien „die Schweiz und Österreich völlig unterschiedlich aufgetreten“ und hätten „verschiedene Akzente gesetzt“.

Wehr-Reinhold ist mit seiner Agentur für eine der erfolgreichsten Turnshows Europas verantwortlich, dem „Feuerwerk der Turnkunst“. Jetzt produzierte er mit der TSF den deutschen Abend. „Beim Feuerwerk arbeiten wir hauptsächlich mit professionellen Gruppen aus aller Welt. Hier haben wir es mit Turngruppen aus unseren Vereinen zu tun, das sind ganz besondere Herausforderungen.“

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