„Die Nachspeise kommt noch“

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Rund 200 Köche aus dem Dreiländereck nahmen an der 40. Laurentius-Messe teil, die heuer zum dritten Mal in Scheidegg stattfand.
Rund 200 Köche aus dem Dreiländereck nahmen an der 40. Laurentius-Messe teil, die heuer zum dritten Mal in Scheidegg stattfand. (Foto: Olaf Winkler)
Olaf Winkler

Rund 200 Köche aus dem Landkreis Lindau, dem Oberallgäu, aus Oberschwaben, Freiburg, Vorarlberg und der Schweiz haben gestern an der Laurentius-Messe vor der Pfarrkirche St. Gallus in Scheidegg teilgenommen. Aber auch zahlreiche Westallgäuer kamen – wohl nicht wegen Pfarrer Rainer Maria Schießler aus München, der die Heilige Messe zelebrierte und mit einer lebendigen, lebensnahen und durchaus unkonventionellen Predigt die Erwartungen seiner Zuhörer erfüllte.

Mit spaßigen Bemerkungen in Richtung der Köche („Ihr seid unverkennbar erkennbar“ und „ohne Euch könnten wir nicht überleben“) sorgte Schießler gleich zu Beginn für eine lockere Atmosphäre. Das zog sich durch den Gottesdienst – doch Schießler machte trotz viel Humor und Wortwitz auch deutlich, wie wichtig ihm die Eucharistie ist. Denn während die Köche für das leibliche und irdische Wohl der Menschen sorgen, wolle Gott mit der Eucharistie jene Sehnsucht befriedigen, die in jedem Menschen vorhanden sei: „die Sehnsucht nach Liebe, Geborgenheit, Zuversicht, Wahrheit und Zukunft“. Und Schießler verband dies mit einem Appell „an meine Kirche“: Diese solle aus der Eucharistie „kein exklusives Mahl“ machen, das beispielsweise „Schwule, Geschiedene und Evangelische“ ausgrenze. Denn: „Jesus weist niemanden zurück.“ Allerdings gelte auch umgekehrt: „Alle sind eingeladen.“ Für Schießler ist es unverständlich, wenn Menschen nicht an der Eucharistie teilnehmen: „Da ist jemand zum Essen eingeladen und lehnt ab.“

Parallelen von Gasthaus und Kirche

Wichtig sei die Gemeinschaft – beim Wirt im Gasthaus und bei der Eucharistie-Feier im Gottesdienst. Nur in der Gemeinschaft habe die Welt eine Chance zu bestehen. Am Ende des Lebens stehe der Tod. Und auch hier verwies Schießler auf die Parallelen von Gasthaus und Kirche: „Die Nachspeise kommt noch“. Die sei bekannterweise das Beste. Für den Menschen bedeute das: Der Tod führt zu Gott.

Musikalisch hatten die Wertacher Singföhla sowie Alphornbläser aus Maierhöfen und Scheidegg den Gottesdienst gestaltet. An dessen Ende übergab Ernst Heid vom aufgelösten Köcheverein Lindau-Westallgäu die Vereinsfahne an Hermine Eller vom Wirteverein Scheidegg-Möggers. Dieser will die Tradition insbesondere der Laurentius-Messe, die heuer zum 40. Mal stattfand, fortsetzen. Karl-Josef Haaf vom Verband der Köche Deutschlands ehrte Hans Werner Waltersdorf, Horst-Herbert Otto, Otto Ziegler und Erwin Pfersich (alle Lindau) für jeweils 40 Jahre aktive Mitarbeit im Berufsfachverband der Köche.

Den Grußworten von Scheideggs Bürgermeister Ulrich Pfanner, dem Landtagsabgeordneten Eberhard Rotter und dem stellvertretenden Landrat Johann Zeh folgte ein gemeinsames Weißwurst-Frühstück auf dem Kirchplatz – der zur Freude aller Beteiligten trotz dunkler Gewitterwolken trocken blieb.

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