Die Lindauer Polizei trägt jetzt blau

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Sie tragen jetzt Uniformen in Blau (von links): Matthias Kaiser, Gerd Drexler, Sabine Göttler und Matthias Diebold.
Sie tragen jetzt Uniformen in Blau (von links): Matthias Kaiser, Gerd Drexler, Sabine Göttler und Matthias Diebold. (Foto: Julia Baumann)

Die Lindauer Polizisten werden noch eine Weile brauchen, bis sie sich daran gewöhnt haben: Statt einer grünen tragen die meisten von ihnen nun eine blaue Uniform. Bis Oktober soll die komplette Polizeiinspektion auf die neue Farbe umgestellt sein.

„Es ist noch etwas ungewohnt, vor allem die Mützen“, gibt Sabine Göttler, Chefin der Lindauer PI, zu, während sie am blauen Blazer ihrer neuen „Präsentationsuniform“ herumzupft. Im Gegensatz zu ihren Kollegen, Matthias Kaiser, Gerd Drexler und Matthias Diebold, die eine Einsatzuniform tragen, hat Göttlers Hose keine aufgesetzten Taschen. „Und es ist die einzige Uniform mit Krawatte“, erklärt sie.

Der einzige, der sich bereits ganz an die Dienstkleidung gewöhnt hat, ist Matthias Kaiser. Er gehörte zu den 500 Polizisten, die die neue Uniform von August 2014 bis März 2015 getestet und mit entwickelt haben. „Wir wurden regelmäßig befragt und mussten die Mängel angeben“, erzählt Kaiser. So wurden zum Beispiel die Eingriffe in die vorderen Hosentaschen und das Material der Hemden noch einmal geändert, bevor die neue Uniform an die Beamten verteilt wurde. In Lindau bekommen die Polizisten ihre neue Dienstkleidung seit Ende Februar ausgeteilt. „Manche sind bereits komplett ausgestattet, bei anderen fehlt noch das ein oder andere Teil“, so Göttler. Bis Oktober sollen dann auch die Härtefälle, die Sonderanfertigungen benötigen, ihre neue Uniform haben.

Zwei Drittel der Polizisten wollten lieber blau

40 Jahre lang haben die bayerischen Polizisten die bisherige grüne Polizeiuniform getragen. Modeschöpfer Heinz Oestergaard hatte sie 1972 entwickelt. Die neue Uniform ist der Dienstkleidung der österreichischen Polizei sehr ähnlich, allerdings sind dort keine roten, sondern goldene Elemente aufgenäht.

Zur Auswahl der neuen Polizeiuniform hatte Innenminister Joachim Herrmann vor rund drei Jahren eine Projektgruppe mit Polizisten, Bekleidungsexperten, Arbeitsmedizinern, Fachkräften für Arbeitssicherheit, Ausschreibungsexperten und Logistikfachleuten eingerichtet, wie es in einer Pressemitteilung des Innenministeriums heißt. „Für uns war vor allem die Meinung derer sehr wichtig, die die neue Uniform künftig tragen“, so der Minister. Deshalb setzten sich in einem ersten Schritt mehr als 500 repräsentativ ausgewählte Polizisten mit bestehenden Uniformkollektionen anderer Bundesländer sowie der Nachbarstaaten Italien, Schweiz und Österreich auseinander. Das österreichische Modell hatte letztendlich überzeugt. „Außerdem haben wir auch die Gelegenheit genutzt, uns über die Farbgebung der neuen Uniform Gedanken zu machen“, so Herrmann. Alle rund 27 500 uniformierten Polizistinnen und Polizisten in Bayern konnten Anfang 2015 in einer Mitarbeiterbefragung ihre Stimme dazu abgeben, ob die bisherige Uniformfarbe beibehalten oder lieber „dunkelblau“ eingeführt werden soll. „Mit fast 69 Prozent sprachen sich mehr als zwei Drittel der abstimmenden Kolleginnen und Kollegen eindeutig für blaue Uniformen aus“, so Herrmann.

Die Auslieferung der Kleidung übernimmt das Logistik Zentrum Niedersachsen. Alle Beamten der bayerischen Schutzpolizei bekommen ein einheitliches Ausstattungspaket im Wert von etwa 950 Euro. Es enthält passende Kleidungsstücke von der Regenjacke bis zu den Funktionsshirts. Aus der alten Kollektion behalten die Polizisten ausschließlich die Lederjacken, auf die mittlerweile Hoheitsabzeichen in blau aufgenäht sind.

Mit der alten Uniform können die Beamten, so Göttler, machen, was sie möchten. „Wenn sie sie wegwerfen, dann müssen sie vorher die Abzeichen wegmachen, damit die Uniform nicht von jemand anderem benutzt werden kann“, erklärt die Polizeichefin. Die meisten Lindauer Polizisten geben ihre alte Kleidung aber ohnehin an eine gemeinnützige Organisation, die daraus neue Sachen näht.

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