„Die göttliche Ordnung“: Film zeigt Kampf der Schweizerinnen für das Frauenwahlrecht

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„Wir sind Frauen. Wir sind stark!“ ist das Fazit der fünf Schülerinnen der Freien Schule, die als Auftakt zur Filmvorführung im
„Wir sind Frauen. Wir sind stark!“ ist das Fazit der fünf Schülerinnen der Freien Schule, die als Auftakt zur Filmvorführung im Club Vaudeville anlässlich des Internationalen Frauentags die Geschichte der Frauenbewegung anhand eines szenischen Spiels in Erinnerung riefen. (Foto: isabel kubeth de Placido)
Isabel Kubeth de Placido

100 Jahre Wahlrecht für Frauen. Für die Frauen in Deutschland ist das durchaus ein Grund zum Feiern. Dass Frauen in der Schweiz, und damit in der Nachbarschaft Lindaus, dieses scheinbar selbstverständliche Recht bis 1971 und im Kanton Appenzell sogar bis 1990 nicht hatten, ist heute eigentlich unverständlich. Den mühsamen Kampf darum zeigt der Film „Die göttliche Ordnung“, die die Gleichstellungsstelle und der Integrationsbeirat des Landkreises Lindau in Kooperation mit dem Lindauer Politfilmteam des Club Vaudeville anlässlich des Internationalen Frauentags präsentierten.

Langer Kampf trotz Basisdemokratie

Mit so vielen Besuchern haben die Organisatoren nach den eher mäßig besuchten Veranstaltungen der vergangenen Aktionen zum Internationalen Frauentag nicht gerechnet. Umso mehr freuten sie sich, dass negr aks 50 Frauen und auch viele Männer den Weg in den Club Vaudeville gefunden hatten, um sich den Film „Die göttliche Ordnung“ anzusehen. Ein 2017 gedrehtes schweizerisches Filmdrama von Petra Biondina Volpe, das, wie Dietmar Stoller betonte, sich schon allein deswegen von den sonst im Politkino gezeigten Filmen unterscheide, weil der Kampf am Ende zum Erfolg führe. Denn während das Frauenwahlrecht in der Schweiz 1971 eingeführt wurde, mussten die Frauen im Kanton Appenzell noch fast 20 Jahre weiter darum kämpfen. Und das trotz schweizerischer Basisdemokratie. „Aber vielleicht gerade deswegen“, meinte Stoller und erklärte, dass es schließlich die Männer waren, die darüber abzustimmen hatten, ob die Frauen das Wahlrecht bekommen sollten oder nicht. Ergänzend zum Film, der diese Tatsache nicht ausdrücklich zeigen sollte, hatte er zudem erklärt, dass die Einführung des Frauenstimmrechts in Appenzell nur über den Schweizer Bundesgerichtshof und damit über den Weg der öffentlichen Rechtsprechung und nicht durch eine Wahlentscheidung der Männer durchgesetzt wurde. Deswegen sah Gleichstellungsbeauftrage Ursula Sauter-Heiler die Bedeutung des Films darin, „wie wichtig es ist, dass wir Frauen in die Politik eingreifen“.

Der Film selbst erzählt die Geschichte der Hausfrau Nora, die mit Mann und Kindern in einem beschaulichen Appenzeller Dörfchen lebt. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, vom sozialen Wandel, der auch die Schweiz seit den 1968er-Jahren erfasst hat, ist hier nichts zu merken. Im Gegenteil. Es herrscht die Meinung, Emanzipation sei ein Fluch, eine Sünde der Natur und schlichtweg gegen die göttliche Ordnung. Sogar die Chefin einer Sägerei, die als einzige Frau im Dorf etwas zu sagen hat, ist der Meinung: „Frauen in der Politik, meine Damen, das ist schlichtweg gegen die göttliche Ordnung.“ Als Noras Mann seiner Frau verbietet, wieder arbeiten zu gehen, und sich dabei auf das schweizerische Ehegesetz beruft, beginnt sie, sich zu politisieren. Sie liest feministische Literatur und kämpft auf Demos für das Frauenwahlrecht. Ihre Mitstreiterinnen aus dem Dorf sind Vroni, die ehemalige Wirtin des Gasthofs Bären, die neue Pächterin Graziella aus Italien sowie Noras Schwägerin Theresa. Mutig initiieren die vier Frauen eine Informationsveranstaltung zum Frauenwahlrecht. Die wird aber zum völligen Flopp: Die Männer verhöhnen Nora und die Frauen trauen sich nicht, sich öffentlich für die Gleichstellung auszusprechen. Allerdings schaffen es Nora und ihre Mitstreiterinnen, die Frauen später zum Streik zu bewegen. Der dörfliche Friede gerät ins Wanken und als die Männer ihre Frauen befreien wollen, stirbt Vroni. Bei der Trauerfeier ergreift Nora das Wort. Sie würdigt Vroni als mutige und arbeitssame Frau, die nur deshalb nichts mehr hat und bei ihrer Tochter wohnen muss, weil ihr Mann nicht mit Geld umgehen konnte. Und sie selbst von Gesetzeswegen nicht darüber verfügen durfte – weil sie eine Frau war. Für sie selbst, so betont Nora vor dem Pfarrer und dem Dorf, bedeute der göttliche Plan, dass alle Menschen gleichberechtigt seien.

Als Auftakt zum Film hatten fünf Schülerinnen der Freien Schule die Ergebnisse ihres Schulprojekts zu Frauenrechten präsentiert. Mittels eines szenischen Spiels erzählten sie die Geschichte der englischen Frauenrechtlerin und Vorkämpferin Emily Davison und endeten mit dem Fazit: „Wir sind Frauen. Wir sind stark!“ Die im Programm angekündigte Diskussion fiel aus.

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