Der Wald als idealer Spielplatz

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Mit Erde und Blättern malen: Hier entsteht ein Bild aus Naturmaterialien.
Mit Erde und Blättern malen: Hier entsteht ein Bild aus Naturmaterialien. (Foto: Diana Rach)
Diana Rach

Kletterbäume, Blätterhaufen, Bachläufe – kein von Erwachsenen erdachter und angelegter Spielplatz mit Standard-Ausstattung eröffnet Kindern einen solchen Erfahrungsraum wie die freie Natur. Vergangenen Freitag ist der Staatswald Tannholz anlässlich der Waldjugendspiele wieder zum Spielzimmer unter freiem Himmel geworden: ein Ort, an welchem die Kinder ihrer Kreativität und ihrem Forschergeist freien Lauf lassen konnten.

Christian Müller, Leiter des Forstreviers Lindau, schickt an diesem Morgen insgesamt 171 Grundschüler der 3. Klasse in kleinen Gruppen auf einen Parcours entlang des Waldlehrpfades. Mit Köpfchen und allen Sinnen sollen an verschiedenen Stationen knifflige Aufgaben rund um Flora und Fauna gelöst werden. Doch anders als im Klassenzimmer haben die Kinder Hinweise auf die richtigen Antworten buchstäblich direkt vor Augen.

Grundschüler bringen schon viel Wissen mit

„Von Menschen gemachte Räume können nie eine solche Vielfalt haben, wie wir sie hier im Wald finden. Ein vorgefertigtes Klettergerüst wird die kindliche Motorik weniger fördern als das Klettern über Äste und Steine“, sagt Christian Müller. Durch das Blattwerk blitzen immer wieder die bunten Regenjacken der Kinder, welche unter fröhlichem Rufen und mit leuchtenden Augen den Wald auf eigene Faust erkunden. Einige Lehrer und Eltern stehen den Kindern zwar unterstützend zur Seite, lassen ihnen aber die Freiheit, auch das ein oder andere Mal vom vorgeschriebenen Pfad abzuweichen.

Erstaunlich viel Wissen bringen die Grundschüler bereits mit. Für Klara, Evelyn, Clara und Lena aus der Weißensberger 3a (Foto) ist es ein Leichtes die Umrissform eines Fuchses zu identifizieren und dass er im Naturhaushalt eine wichtige Rolle als Mäusevertilger spielt, ist ihnen auch sofort klar. Das Lösen der Aufgaben erfordert aber neben reiner Faktenkenntnis nicht zuletzt auch Teamwork innerhalb der Gruppe. Beim „Baumscheibenlaufen“ kann die Ziellinie nur mit Verständigung und Abstimmung untereinander erreicht werden; die Kinder erleben sich als miteinander verbunden.

Kinder malen den Vogel des Jahrs: den Star

Selbst der einsetzende Regen trübt die Begeisterung der Schüler nicht. Am Ziel des Parcours gestalten sie in ihren Grüppchen ein Bild aus Naturmaterialien. Erde und Blätter werden zu Hilfe genommen, um den Vogel des Jahres abzubilden: der Star, dessen Population hierzulande inzwischen stark rückläufig ist.

Als die besten Gruppen jeder Klasse geehrt werden sollen, ist der anfänglich leichte Nieselregen zu einem kräftigen Schauer angewachsen und so drängen sich Kinder, Eltern und Lehrer in der kleinen Tannholzhütte am Startpunkt des Waldlehrpfades zusammen. So ist es eben mit guten Spielplätzen: Sie sind nicht immer leicht berechenbar.

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