Der Trend geht zu regional und Veggie

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Das Thema Ernährung stand im Mittelpunkt des Referats von Werner D. Prill.
Das Thema Ernährung stand im Mittelpunkt des Referats von Werner D. Prill. (Foto: Maria Luise Stübner)
Schwäbische Zeitung
Maria Luise Stübner

Regionale Produkte sind immer stärker gefragt, und ethische Aspekte wie das Tierwohl gewinnen immer mehr an Bedeutung: Dieses Fazit hat Werner D. Prill in einem kurzweiligen Referat bei der Jahresversammlung der Bauern aus dem Landkreis gezogen. Gut 80 Landwirte waren in die alte Turnhalle in Heimenkirch gekommen, um zu hören, „was die Menschen künftig essen wollen“ und worauf sich Erzeuger, Industrie und Lebensmittelhandel einstellen müssen.

Früher sei es die Aufgabe der Landwirtschaft gewesen, Hungrige satt zu machen. Heute sei es umgekehrt, merkte Prill mit leichtem Schmunzeln an. Er sprach die veralteten Bilder an, die Verbraucher noch in den Köpfen haben. Nostalgische Bilder, die mit einer modernen Landwirtschaft nichts mehr zu tun haben. Die Verbraucher, die eine große Sehnsucht nach Vertrauen hätten, seien verunsichert, stellte er fest. Instanzen gerieten ins Wanken, Schlagzeilen wie „Der Feind im Essen“ führten zu Vertrauensverlusten. Sich zu orientieren sei angesichts der über 600 Gütesiegel, von denen 300 in Gebrauch seien, schwer.

Verbraucher wollen mehr Transparenz und Kontrolle

Fest stehe, dass Regionales und Bio immer mehr an Bedeutung gewinnen, so Prill. Der Verbraucher sei auch bereit, mehr zu zahlen, wenn er der Ware trauen kann. Die Tendenz gehe weg vom Fleisch- und Wurstkonsum Richtung Veggie. Auch die Industrie sei schon auf den Zug angesprungen. Beim Wursthersteller Rügenwalder habe das vegane Sortiment bereits einen Anteil von rund einem Viertel des Wochenumsatzes erreicht. Nicht immer wird mit ernst zu nehmenden Argumenten gegen und für das Fleischessen geworben. Ab und zu wird es auch skurril. Wenn beispielsweise behauptet wird, dass Veganer das schlechtere Sperma haben oder Fleischesser schlechtere Liebhaber sind. Wie auch immer: Fakt ist, dass neun Prozent der Deutschen Vegetarier sind.

Prill zitierte aus dem Ernährungsreport 2016, in dem drei Viertel der Befragten Wert darauf legen, dass Lebensmittel aus ihrer Region kommen. Bei den Lieblingsgerichten liegen die Nudelgerichte vorne, erst an sechster Stelle kommen die Fleischgerichte, die bei den Männern hoch im Kurs stehen. Als Risiken bei Lebensmitteln werden an erster Stelle die Zusatzstoffe genannt. „Das können wir ändern“, merkte Prill dazu an. Ein Ergebnis des Reports: Die Bürger mobilisieren sich, fordern in allen Bereichen größere Transparenz und mehr Kontrolle.

Die stellvertretende Landrätin Margret Mader, die am Nachmittag Grundschulkinder betreut, gab in ihrem Grußwort fürs Essen eine klare Devise aus: „regional, saisonal, frisch und gut“ müsse es sein. Landwirtschaftsdirektor Alois Kling nannte Bildung als wertvollste Investition in die Zukunft und verwies auf über 180 Auszubildende in der Landwirtschaftsschule. Gerhard Kempter, dritter Bürgermeister in Heimenkirch, war die gute Zusammenarbeit zwischen Ratsgremien und Ortsbauernschaft ein Herzensanliegen. Etwas, das in der Marktgemeinde praktiziert wird. Die Aktivitäten im vergangenen Jahr listeteten Kreisobmann Elmar Karg, Stellvertreter Helmut Jäger und Kreisbäuerin Gaby Kulmus auf. Und CSU-Landtagsabgeordneter Eberhard Rotter versprach, sich weiter für die Belange der Landwirtschaft einzusetzen.

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