Der sich in keine Schublade stecken lassen will

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Stolz zeigt Oliver Eschbaumer das Schild am Stadel neben seiner Obstanlage hinter der Blauwiese, das ihn als Biobauern ausweist.
Stolz zeigt Oliver Eschbaumer das Schild am Stadel neben seiner Obstanlage hinter der Blauwiese, das ihn als Biobauern ausweist. (Foto: dik)
Redaktionsleiter

Die Frage nach seinem Lieblingsplatz in Lindau beantwortet Oliver Eschbaumer schnell: Er ist vor allem gern auf seiner Obstanlage neben der Blauwiese. Dort lernt er, was ein Obstbauer können muss. Denn Eschbaumer ist neugierig und gern in unterschiedlichsten Revieren unterwegs. Deshalb reagiert er auch unwirsch, wenn ihn jemand in eine Schublade stecken will.

Dass er sich nicht nur ein Waldgrundstück, sondern auch eine Wiese gekauft habe, um diese zur Bioobstanlage umzugestalten, hatte laut Eschbaumer mehrere Gründe. Erstens habe ihn Landbesitz schon immer fasziniert. Vor allem aber habe er nach dem Verkauf seiner Druckerei etwas Bodenständiges gewollt, er wollte mit eigenen Händen schaffen und das Ergebnis direkt sehen. Auch das Leben mit den Jahreszeiten und den einhergehenden Unbillen des Wetters begeistere ihn: „Man lebt einfach mit der Natur.“

Vor allem ist es aber wohl der unbändige Wille Eschbaumers, immer Neues zu lernen, der ihn auch in diesem Fall angetrieben hat. Jetzt lernt er eben, wie man das Wetter genau beobachtet und vorhersieht. Auch der Umgang mit Spritzmitteln und der Astschere will gelernt sein. Mit beinahe kindlicher Begeisterung erzählt er, wie er mit seinen Söhnen und ein wenig Hilfe anderer Obstbauern die Bäume gepflanzt habe, wie er deren Wachstum beobachte und sich über die erste Ernte gefreut habe.

Dabei habe er von Anfang an Wert auf naturnahe Landwirtschaft gelegt und lasse sich deshalb von Bioland zertifizieren. Denn er erlebt sich selbst von einer ganz neuen Seite, wenn er als Landwirt tätig ist: „Wenn Sie einen Ast abschneiden, greifen Sie ein und sind Teil der Natur. Dann sind Sie kein Zuschauer mehr.“

So ähnlich geht es ihm in der Lindauer Politik, in der er sich vor allem als Zuschauer erlebt, auch wenn er Stadtrat ist. Dennoch seien die Möglichkeiten zum Mitwirken gering. Das reicht ihm nicht, deshalb trete er jetzt an, um Oberbürgermeister in seiner Heimatstadt zu werden.

Er hat zusätzlich noch eine Ausbildung zum Berufspiloten

Eschbaumer ist am 22. Januar 1963 im Saarland geboren. Kurz darauf kam sein Vater nach Lindau zurück und übernahm die Druckerei, so dass Oliver Eschbaumer in Reutin aufwuchs. Nach Realschule, Fachoberschule und Fachabitur studierte er an der Fachhochschule Druckereitechnik. Er arbeitete in einer Agentur als Produktmanager. Dann hat er sich in München selbstständig gemacht. 1995 kam er zurück nach Lindau, um die Lindauer Druckerei zu übernehmen. Aus dem Betrieb seines Vaters mit 40 Mitarbeitern habe er eine Firma gemacht, die beim Verkauf 2010 bis auf 200 Mitarbeiter gewachsen war.

Doch das habe ihm nie gereicht, erzählt Eschbaumer. Denn er habe sich beweisen wollen, dass er nicht nur in den Fußstapfen des Vaters erfolgreich sein konnte. Deshalb hat er sein Hobby, die Fliegerei, fast zum zweiten Beruf gemacht: „Ich habe entdeckt, dass mir das Lernen Spaß macht. Deshalb habe ich eine Ausbildung zum Berufspiloten. Um mir zu beweisen: Du hättest auch was anderes werden können.“

Auch in anderen Bereichen hat er immer wieder gelernt und erfolgreich Prüfungen abgelegt. Das gilt für Bootsscheine wie für die Fischereiprüfung. Damit er in einem Hilfskonvoi einen Lastwagen nach Rumänien fahren konnte, hat er vor einigen Jahren extra den Lkw-Führerschein gemacht und zur Probe bei einer Spedition gearbeitet.

„In verschiedenen Welten zu leben, das hat mir großen Spaß gemacht“, sagt Eschbaumer und erzählt, dass er manchmal vormittags in Arbeitskleidung in der Obstanlage arbeite, dann heimfahre und den Anzug anziehe, um geschäftliche Termine wahrzunehmen. Denn bis zum Start der OB-Kandidatur im Herbst hat er noch als Berater für verschiedene mittelständische Unternehmen gearbeitet.

Ein Leitmotiv habe ihn bei all seinen Aktivitäten getrieben: „Ich möchte etwas richtig und ganz machen.“ Deshalb wurde aus dem Fliegen mehr als ein Hobby, deshalb hat er seine Wiese nicht verpachtet. Er gehe immer mit Enthusiasmus an die Sache. Dabei lasse er sich aber nicht festlegen: Er segle ebenso gerne wie er mit dem Motorrad unterwegs ist.

So handele er auch als Politiker. „Ich bin grüner als die meisten Grünen“, sagt Eschbaumer und meint damit nicht nur seine Bioland-Obstanlage. Daheim heize er nachhaltig mit Holz aus seinem eigenen Wald. Und zu der Limousine und dem Geländewagen nenne er ein Elektroauto sein Eigen, das nicht nur im Wahlkampf im Stadtverkehr ideal sei. „Ich bin kein Schreibtischtäter, ich will die Zusammenhänge verstehen“, sagt er.

Volle Verantwortung für seine Heimatstadt hätte er nur als OB

Das gelte auch für die Politik in Lindau. Er habe gemerkt, dass er das nur ganz machen kann, wenn er als OB in voller Verantwortung ist. Gestützt fühlt er sich dabei vor allem durch die Familie. Stolz erzählt er, dass sein Vater extra für eine Veranstaltung nach Lindau gekommen ist und ihm Mut zugesprochen habe. Oft bespreche er sich mit seinen Söhnen, die ihm sagen, was sie von seinen Auftritten oder seinen Meinungsäußerungen halten. Auch aus Kreisen der heimischen Wirtschaft erfahre er Rückendeckung.

Eschbaumer ist überzeugt, dass er das Amt des OB besser ausfüllen würde als der Amtsinhaber. Davon habe er die Lindauer bei seinen Veranstaltungen in den Stadtteilen überzeugen wollen. „Denn ich will nicht nur die Stimmen haben, sondern ich will, dass die Wähler mir vertrauen.“ Dabei sei es ihm gelungen, viele Vorurteile abzubauen, sagt Eschbaumer. Die Leute wüssten jetzt: „Sie können mich nicht in Schubladen stecken.“

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