Der Name Wucher als Verpflichtung

Robin, Marvin und Corvin Wucher (von li.) sind fester Bestandteil des Lindauer Oberligateams.
Robin, Marvin und Corvin Wucher (von li.) sind fester Bestandteil des Lindauer Oberligateams. (Foto: EV Lindau Islanders)
Lindauer Zeitung

Manchmal verliert die gegnerische Mannschaft schon bei der namentlichen Vorstellung der Kontrahenten die Übersicht. „Wie oft muss ich mir diesen Namen denn noch anhören?“, wurde Marvin Wucher schon ein ums andere Mal bei Auswärtsspielen gefragt. Marvin ist 21 Jahre alt, seine Brüder, die Zwillinge Corvin und Robin, sind drei Jahre jünger. Alle drei spielen gemeinsam für den EV Lindau Islanders in der Eishockey-Oberliga und sorgen allein schon angesichts der Häufung des Nachnamens für Verwirrung beim Gegner.

Zum Problem für den Kontrahenten kann auch die Spielweise der Wucher-Brüder werden – schließlich kennen sie sich in- und auswendig. „Wir haben schon immer draußen auf dem Hof gemeinsam gespielt. Da weiß man schon, was der andere macht und wohin er läuft“, wird Marvin in der Mitteilung der Islanders zitiert. Und Robin fügt hinzu: „Mit meinem Bruder habe ich ja schon immer zusammengespielt, da gibt es schon so etwas wie ein blindes Vertrauen.“

Wichtiger Rat vom großen Bruder

Nützlich ist ein Bruder im Team allemal. Für Corvin und Robin, die im Vorjahr mit gerade einmal 17 Jahren ab und zu ins Oberliga-Team hineinschnuppern durften, hat es den Einstieg leichter gemacht. Besonders in ihrer Anfangszeit empfanden sie den Rat des großen Bruders als sehr hilfreich. „Wenn wir etwas nicht wussten, konnten wir Marvin fragen“, sagen sie übereinstimmend. Beide trugen sich im Vorjahr sogar schon in die Torschützenliste ein: Robin machte in Landsberg sein erstes Tor im Profibereich, Corvin legte nur kurze Zeit später gegen Füssen nach und schaffte es damit sogar zum Schützen des Tor des Monats in der Eishockey-Oberliga.

Seit dieser Saison sind Corvin und Marvin nun fester Bestandteil des Oberligateams der Islanders. „Früher in der Jugend haben wir gegen zwei Jahre Ältere gespielt, jetzt stehen einem 30 Jahre alte Männer gegenüber. Das ist schon härter und schwerer“, erklärt Corvin Wucher. Und Marvin Wucher, seit 2017 im EVL-Kader, ergänzt: „Die ersten drei, wenn nicht sogar die ersten vier Jahre im Profibereich sind schon sehr schwer. Als junger Spieler muss man härter arbeiten als alle anderen im Team. Und immer versuchen, besser als die anderen zu sein.“

Würde und Bürde zugleich

Dieses Credo machte schon Vater Bernd zum Rekordspieler der Islanders. Die drei Söhne setzen nun die Tradition fort, deren Grundstein der im Sommer verstorbene Großvater Franz als einer der Vereinsgründer legte. „Opa hat den Verein gegründet, Papa hat auch gespielt. Und bei uns war es dann keine Frage, dass wir auch Eishockey spielen“, sagt Marvin Wucher. Ein „Stammbaum“, der sowohl Würde als auch Bürde sein kann. Der Name sei eine Verpflichtung, räumt Marvin Wucher ein und vermeidet den Begriff Druck ganz bewusst. „Wir sind im Team zwar alle gleich, aber wir werden manchmal auch anders angeschaut.“ Sie versuchen, immer alles richtigzumachen. „Das ist aber schwierig, wenn man noch so jung ist“, so Marvin. Dabei wird im Hause Wucher nicht nur über Eishockey geredet. Schule, Ausbildung, Beruf seien ebenfalls Gesprächsthema zu Hause, beteuern die drei Brüdern. „Und dann gibt es ja auch noch Fußball“, sagt Marvin Wucher mit trockenem Humor.

Zwillinge im deutschen Eishockey sind nichts Neues: Detlef und Dieter Langemann spielten einst in Köln zusammen, in der DEL trugen Christian und Thorsten Gries gemeinsam das Trikot der DEG Metro Stars. Grundsätzlich weisen Brüderpaare im deutschen Eishockey eine lange Tradition auf. Doch drei Brüder zusammen in einer Mannschaft sind ein Novum, für die EV Lindau Islanders obendrein ein Alleinstellungsmerkmal. Es gab zwar die Goc-Brüder Sascha, Marcel und Nikolai, die vor etwa fünf Jahren in der DEL auf dem Eis standen, aber anders als die Wucher-Brüder nie zusammen im gleichen Team spielten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr Inhalte zum Dossier

Wir haben die allgemeine Kommentarfunktion unter unseren Texten abgeschaltet. Für einzelne Texte wird es auch weiterhin die Möglichkeit zum Austausch geben. Aufgrund der Vielzahl an Kommentaren können wir derzeit aber keine gründliche Moderation mehr gewährleisten. Mehr Informationen zu unseren Beweggründen finden Sie hier.
Kommentare werden geladen