Susi Donner

Es ist wieder Wendelinsritt auf den Kinberg. In einem festlichen Zug pilgern elf Reitergruppen aus Niederstaufen, Scheidegg, Wohmbrechts, Unterreitnau, Achberg, Opfenbach, Weiler-Simmerberg, Hopfen, Möggers-Eichenberg, Steibis, Neuravensburg und aus dem Bregenzerwald zur Wendelinskapelle.

Begleitet von den Musikkapellen Scheidegg, Unterreitnau und Niederstaufen, die den Gottesdienst mit der Deutschen Messe von Franz Schubert gestalten, marschieren die Pferde und ihre Reiter im Sonntagsstaat im weiten Bogen um die Wendelinskapelle, präsentieren sich den vielen Zuschauern und stellen sich dann auf der Wiese zum Gottesdienst auf, wo sie bewundernswert geduldig warten. Der zweijährige Noriker Max steht ruhig und brav und blinzelt in die Sonne. „Er wird heute erst das zweite Mal geritten“, erzählt Jürgen Dorner stolz. „Aber seine erfahrene Mama ist ja dabei, da hat er Vertrauen und ist ganz ruhig. Dorner ist mit dem Reit- und Fahrverein Bregenzerwald zum Wendelinsritt auf den Kinberg angereist. „Die Scheidegger und Niederstaufener Reiter kommen zu uns, wir kommen zu ihnen. Wir sind eine schöne Pferdegemeinschaft. Und der Ritt zur Wendelinskapelle auf den Kinberg ist zudem besonders schön“, erklärt er. Max legt derweil entspannt den schweren Kopf auf die Schulter seines Reiters.

Beten ist der „Atem der Seele“

Neben den Pferden und ihren Reitern sind viele Menschen zum Kinberg gepilgert, um den Wendelinsritt zu erleben und die Feldmesse mitzufeiern. Für Pfarrer Joachim Gaida von der Pfarreiengemeinschaft Pfänderrücken ist es die zweite Feldmesse zum Wendelinsritt, die er gemeinsam mit Diakon Franz Pemsl zelebriert. Und er habe sich nach seinen so positiven Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr sehr darauf gefreut. Der Dialog mit den Pferden mache ihm besonders viel Spaß. Und so strahlt er übers ganze Gesicht, wenn eines der geduldig wartenden Tiere an passender Stelle zustimmend wiehert. „Danke Gott, dass Du uns dieses herrliche Wetter schenkst“, sagt der Pfarrer. Bürgermeister Jörg Aghte wird das schöne Wetter später Gaidas gutem Draht nach oben zuschreiben, denn er habe beim Wendelinsritt auch schon den ersten Schneefall erlebt.

Gaida schwärmt vom Heiligen Wendelin, „der war ein cooler Typ. Kein Langweiler. Von ihm geht etwas Besonderes aus. Das spüren wir. Und das spüren auch die Pferde“, sagt er. Lautes Wiehern. Die Pferde sind eben aufmerksame Gottesdienstbesucher. Gaida fordert die Pilger auf, die richtige Perspektive zu Gott einzunehmen. Aus der lasse sich nämlich die Liebe des Schöpfers nicht übersehen. Die verkehrte Perspektive sei dagegen der Grund allen Übels auf der Erde. „Der Heilige Wendelin hat das verstanden. Er war fasziniert von Gott. Menschen wie er führen uns im Gebet zu Gott.“ Beten könne man immer und überall. Das Abendgebet sei beispielsweise die schönste Art, alles Belastende abzulegen. „Herr lass mich alles loslassen.“ Alle Sorge, Not, Angst und Groll. „Wir gehen nicht mit Schuhen ins Bett, warum also mit Groll?“ Beten, so sagt Gaida, sei der Atem der Seele. „Du kannst Gott im Gebet alles geben. Deine Liebe. Deine Freude. Aber auch deine Trauer oder einen Scherbenhaufen, wenn dein Leben im Moment nicht hell und schön ist. In Gottes Hände gelegt, wird alles gut.“ Beten sei keine Verrichtung, sondern ein Lebenshaltung.

Jörg Aghte dankt in seinen Grußworten, die er gemeinsam für sich und seinen Amtskollegen aus Scheidegg, Uli Pfanner, spricht, allen Beteiligten, die den Erhalt dieser wunderbaren Tradition des Wendelinsritts auf den Kinberg lebendig halten. Vor allem den beiden Vorsitzenden der Reitergruppen Scheidegg und Niederstaufen, Xaver Briegel und Erich Kurzemann, dem Kapellenverein St. Wendelin, allen Reitergruppen, den Gottesdienstbesuchern und den Familien Schütz und Vogler, die den Wendelinsritt samt gemütlichem Hock auf ihren Grundstücken erlauben. Der Kinberg sei die höchste Erhebung der Gemeinde Sigmarszell und somit hoffentlich besonders nahe an Gott. Mit dem Segen für Mensch und Tier und dem Wendelinslied geht die Feldmesse zu Ende.

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