Der erste Apotheker hatte in Lindau ein Monopol

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Einen Einblick in eine Apotheke früherer Zeit bietet dieser Stich aus einem Apotheker-Buch mit Rezepten, das 1687 erschienen ist
Einen Einblick in eine Apotheke früherer Zeit bietet dieser Stich aus einem Apotheker-Buch mit Rezepten, das 1687 erschienen ist. (Foto: Fotos: WD)
Werner Dobras

An diesem Wochenende findet die Pharmaziehistorische Biennale 2018 in Lindau statt. Grund genug, auch einmal über das Lindauer Apothekenwesen, oder wenigstens über dessen Anfänge, zu berichten.

Anno 1518 schrieb der hiesige Arzt Dr. Joachim Eckolt einen Brief an seinen berühmten St. Galler Kollegen Joachim von Watt, in dem er ihm einen Lindauer Apotheker empfiehlt, da es hier in Lindau schon einen gebe. Seitdem zerbricht man sich den Kopf, wer das gewesen sein sollte. Wir wissen doch zu genau, dass erst am 21. Oktober 1519 Michel Treutwin aus Memmingen in Lindau als (erster?) geschworener Apotheker, der übrigens zu Recht als Meister betitelt wird – denn noch lange waren die Pharmazeuten Handwerker – vereidigt wurde. Der Dienstbrief und die wohl mitgebrachte Taxe aus Memmingen lassen eher auf Treutwin als ersten Apotheker schließen.

Da erfahren wir damals auch, Treutwin dürfe auf der Insel nicht mehr für Medikamente verlangen als in Memmingen. Festgelegt wurde im sogenannten Dienstbrief außerdem noch, dass er weder beschenkt werden noch beschenken durfte.

Nur am Neujahrstag wurde ihm eine Ausnahme erlaubt: Da konnte er seinen Kunden Wein einschenken, aber nicht mehr als eine halbe Flasche. Aber auch die Ärzte wurden verpflichtet, von ihm fortan ihre Medikamente zu beziehen, was diesen kaum gefallen haben wird. Denn bis dahin durften sie, wie es einmal heißt, „ihre eigenen Köche“ sein, was sie natürlich versuchten, weiterhin zu bleiben. Jedenfalls gab es immer wieder einmal deswegen Ärger.

Drei Jahre exklusives Arbeitsrecht für Lindau

Nicht nur wegen der Monopolstellung Treutwins und seiner späteren Nachfolger krachte es immer wieder. Auseinandersetzungen gab es später zusätzlich auch wegen der ärztlichen Visitation. Da ging es dann etwa um verdorbene Arzneien und um das ständige Vorhandensein bestimmter Arzneimittel und deren Preise. Hingegen durfte der Memminger auf sein Recht pochen, mindestens drei Jahre in Lindau allein arbeiten zu dürfen.

Wichtig auch, dass bis dahin kein zweiter Apotheker geduldet werden durfte. Die ihm von der Reichsstadt geliehenen hundert Gulden musste er dazu benutzen, seine Auslösung in Memmingen zu bezahlen. Was noch äußerst wichtig für Treutwin und seine Nachfolger war: Lindau versprach ihm und ihnen, keinen weiteren Apotheker einzustellen, ihnen also eine Monopolstellung zu gewähren.

Irgendwann in den 30er-Jahren schied Treutwin aus dem Dienst der Stadt, ob durch Tod oder Weggang wissen wir nicht. Schon im November 1532 verhandelte Lindau – aber vergebens – mit einem Konstanzer Apotheker.

1536 wollte ein Ravensburger Apotheker in Lindau werden. Ob dieser Damian Hofstetter das Amt überhaupt antrat? Denn erst 1549 gab er das Ravensburger Bürgerrecht auf. Da hatte schon zwei Jahre lang ab 1537 der Feldkircher Hans Zoller die hiesige Apotheke inne. Aber schon nach einem Jahr fand wieder ein Wechsel statt: Nachfolger wurde der Mainzer Hans Zorn, der später nach Konstanz ging. In der Zeit Zorns fand auch die erste angeordnete Visitation statt, die nun fortan alle zwei Jahre um den St. Gallentag stattfinden sollte. Auf Zoller folgte 1545 der St. Galler Sebastian Fechter. Bei einer Visitation anno 1549 verlangte man von ihm, sämtliche Verordnungen fortan in einem Büchlein aufzuschreiben und keine Compositionen mehr zu machen.

Bis Mitte des 16. Jahrhunderts blieb es bei der Abmachung hier nur einen Apotheker anzustellen. Das änderte sich 1551, als Bonaventura Mittler (Mitler) als zweiter Apotheker angenommen wurde. Daraus wurde später die Hirsch-Apotheke. Folgerichtig lautete die städtische Anordnung zu den Visitationen, dass nun beide Apotheken visitiert werden sollten. Beide müssen gut und gern ihren Mann ernährt haben. Ein Testament von 1569 beweist das.

Lehrlinge benötigen Lateinkenntnisse

Etwa aus dieser Zeit stammt auch eine „Taxa der baiden Apotheckhen, wie die in deß Hailigen Röm[ischen] Reichs Statt Lindaw gehalten werden“, die heute in Feldkirch liegt. Nur ein Jahr jünger ist die erste Lindauer Apothekenordnung. Bei den späteren handelt es sich dann in der Regel um renovierte Fassungen. Aus der ersten sei hier nur erwähnt, dass kein Apotheker einen Gesellen oder Lehrjungen ohne Prüfung durch den Rat annehmen dürfe, dass der Lehrjunge ehelich geboren sein und über ausreichende Lateinkenntnisse verfügen müsse.

Recht viel Ärger gab es mit dem Apotheker der Lutzschen Apotheke. Da gab es Streit in der schlechten Führung seiner Apotheke oder schlechter Behandlung seines Gehilfen, Ärger in der Ehe, was sogar zu zeitweisem Hausarrest (Bewachung durch das Militär!) führte, ja sogar einen Selbstmordversuch, standesgemäß mit Arzneimitteln und Aderöffnung.

Apotheken werden nach ihren Besitzern benannt

In den 80er-Jahren des 16. Jahrhunderts gibt es plötzlich drei Apotheken. 1589 werden bei der Visitation drei Apotheken besucht, ebenso werden 1596 alle drei als „Just und gerecht“ gewertet. Möglicherweise war einer der Apotheker Melchior Streyttackher aus St. Gallen, der 1600 das Lindauer Bürgerrecht erwarb, sich später aber eines schlechten Lebenswandels schuldig machte und eingesperrt war. Irgendwann ist nicht nur der Apotheker sondern auch die Apotheke sang- und klanglos verschwunden.

Sehr lange wurden, wie fast überall im Lande, die Apotheken nach ihrem Besitzer benannt. Ein Apotheker Zacharias Gaupp, 1779 gestorben, wurde erstmals als Engelapotheker genannt. Und so wurde erst 1809 die Hirsch Apotheke als „Ganzmännische Apotheke zum Hirschen“ bezeichnet.

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