Der doppelte Nussbaumer kommt

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Der doppelte Nussbaumer kommt
Jürgen T. Widmer

Der Mann hat eine Stimme, als würde er an guten Tagen mit Whiskey gurgeln und an schlechten bestenfalls mit brackigem Mississippi- Wasser. Ein Spur Melancholie, ein trauriger Zwischenton machen stets klar: Es gab wenig Whiskey und viel Wasser. George Nussbaumer gilt als die „schwärzeste Stimme Stimme im Alpenland“. Das ist Blödsinn. Er ist die schwärzeste Stimme im gesamten deutschsprachigen Raum.

Gleich zweimal ist der gebürtige Dornbirner jetzt in der Region zu erleben. Heute Abend, 20 Uhr, tritt er zusammen mit Bernie Weber und Markus Kreil im Zeughaus aus. Am Dienstag, 24. Mai, 20 Uhr, kommt es dann zum Soul-Gipfeltreffen mit Edo Zanki im Freudenhaus im Bregenz. Dabei können die Zuhörer zwei unterschjedliche Seiten von Nussbaumer erleben. In Lindau spielt er sein englischsprachiges Programm, in Bregenz gibt es eine Premiere: George Nussbaumer singt deutsch – und berndeutsch.

Nach mehr als 20 Jahren hat sich Nussbaumer erstmals an ein deutsches Album gewagt. Entstanden ist die Idee zusammen mit Manfred Maurenbrecher, Nussbaumers Partner beim Randy-Newman-Projekt. „Manfred hat die Newman-Texte ins Deutsche übertragen, es ist ja ein zweisprachiges Projekt. Irgendwann kam dann die Idee, dass ich Songs und Texte von ihm singen könnte.“

2009 erschien das Album „Offroader“ bereits. Doch so richtig in der Öffentlichkeit präsentiert es der Sänger erst jetzt. Der Schritt war nicht einfach für ihn: „Wenn Du Deutsch singst, dann kannst Du nicht mogeln, das muss jedes Wort passen.“ Nun mogelt Nussbaumer bei seinen intensiven Interpretationen ohnehin nie. „Doch mit diesem Album habe ich eine neue Seite an mir entdeckt.“

Eine Seite, die viel Facetten hat. Denn dem Team Maurenbrecher/Nussbaumer ist ein Album gelungen, das berührt und groovt, das sich Bach und erdigen Soul, Blues und Rock verbindet. Mal kraftvoll, mal schwelgend – kurz: Die Scheibe hat Hörer verdient.

So wie er seine erste Platte ohne Plattenfirma in der Hinterhand produziert hat, so ging er auch jetzt an diese CD ran. Für Nussbaumer kein Problem: „Ich singe auch zwei Titel auf berndeutsch. Wer weiß, ob eine Plattenfirma das genehmigt hätte.“

Für Nussbaumer sind solche eigenwilligen Alleingänge kein Neuland. Seit Geburt ist er zwar blind, ließ sich aber dennoch nicht von seinem Traum Musiker zu werden abbringen. Der gelernte Heilmasseur hat die Ochsentour durch die kleinen Clubs und Mehrzweckhallen absolviert. Zäh, entschlossen und mit Spielfreude. Nussbaumer live ist eine Marke. „Ich mache Musik aus dem Bauch für den Bauch“, beschreibt er seien Art zu arbeiten.

Der Auftritt mit Edo Zanki in Bregenz ist so etwas wie der Ritterschlag in der deutschen Soulszene. Zanki ist vor allem als Komponist und Produzent eine große Nummer. Er hat den Sound von Klaus Lage geprägt, arbeite mit Ulla Meinecke und Xavier Naidoo, Thomas D. und Sabrina Setlur. Er hat seine neue CD „Zu viele Engel“ im Gepäck.

„Das wird spannend“, sagt Nussbaumer, der das Vorprogramm bestreiten wird. Ein bisserl nervös ist er. Anderseits hat er schon größere Wagnisse bestanden. Und all das schwingt in seiner Stimme mit.

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