Der ÖPNV ist gut entwickelt, Autos sorgen für Lärm und Feinstaub

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Bürger unterschreiben die Listen für das Bürgerbegehren gegen das Parkhaus und das Hoten auf dem Karl-Bever-Platz.
Bürger unterschreiben die Listen für das Bürgerbegehren gegen das Parkhaus und das Hoten auf dem Karl-Bever-Platz. (Foto: Christian Flemming)
Lindauer Zeitung

Die unter „Parents for Future“ (PFF) zusammengeschlossenen Lindauer Bürger möchten das von der Mehrheit des Stadtrats beschlossene siebenstöckige und 20 Meter hohe Parkhaus verhindern. Es würde den Verkehr durch ganz Lindau bis zum Karl-Bever-Platz anziehen und die Staubereiche Richtung Aeschach sowie Richtung Berliner Platz und weiter nach Reutin auf lange Sicht manifestieren, begründet die Gruppe das Bürgerbegehren in einer Pressemitteilung. Die „Parents for Future“ möchten stattdessen umweltverträgliche Mobilitätskonzepte unterstützen und fördern.

Durch die Einsparung der rund zwölf Millionen Euro für das Parkhaus könnte, wie im klimafreundlichen Lindauer Mobilitätskonzept von 2018 (Klimo) vorgesehen, ein geschlossenes Radwegenetz geschaffen, die Situation des Fußverkehrs verbessert, die Aufenthaltsqualität in den Zentren erhöht der ÖPNV beispielsweise hinsichtlich Zuverlässigkeit und Tarif optimiert und weitere Angebote wie Fahrradleihsysteme und Carsharing geschaffen und ausgebaut werden, schreiben die „Parents for Future“.

Hintergrund des Bürgerbegehrens sei zum einen der Kampf gegen die weltweit bereits begonnene Erderhitzung und zum anderen die lokale Umweltbelastung der Lindauer Bürger.

Laut Klimo seien aktuell innerhalb des Lindauer Stadtgebietes 60 Prozent der Bevölkerung klimafreundlich zu Fuß (22 Prozent), mit dem Fahrrad (33 Prozent) oder dem ÖPNV (fünf Prozent) unterwegs. Im Gesamtverkehr mache deren Anteil 51 Prozent aus. Außerdem hätten 75 Prozent der Tagestouristen bei einer Umfrage durch Pro Lindau angegeben, gerne das angedachte kostenlose Shuttlesystem anzunehmen, das an ein Parkticket der geplanten Auffangparkplätze gebunden ist.

„Wir werden in den nächsten zwei Jahren einen Bahnhof in Reutin erhalten. Neben dem schon vorhandenen Bahnhalt in Aeschach werden weitere in Weißensberg, Schlachters, Oberreitnau, Hergensweiler und Zech geöffnet. Der Landkreisbus wird ausgebaut mit stündlichen Verbindungen nach Lindenberg und Scheidegg, so dass Lindau auch für die umliegenden Gemeinden über den ÖPNV gut erreichbar sein wird“, schreiben die PFF weiter.

Das Stadtbussystem mit einem 30-Minuten-Takt sei gut entwickelt. Der erste Streckenabschnitt der Bodensee-S-Bahn starte ebenfalls. Mit dem Zug und dem Schiff können Gäste direkt am Lindauer Wahrzeichen aussteigen und gemütlich über die Insel bummeln. Die EBC-Card erlaube es den Gästen, den ÖPNV kostenlos zu nutzen.

Jedes einzelne Auto mit einem durchschnittlichem Benzinverbrauch verursache vom Stadtrand bis zum Karl-Bever-Platz und zurück einen Ausstoß von etwa 1,5 Kilogramm CO in die Lindauer Luft, so die PFF. Die Lindauer Bevölkerung auf dem Festland sei außerdem Lärm und Feinstaub ausgesetzt. Die Anwohner der inselnahen Straßenzüge sehen sich in Konkurrenz mit den parkplatzsuchenden Touristen.

Der Flächenverbrauch durch Straßen, Parkplätze, Parkhäuser oder Garagen ist laut „Parents for Future“ ein weiterer wichtiger Aspekt: Ein Stellplatz für ein Auto benötige zwölf Quadratmeter – also etwa die Größe eines Kinderzimmers – im öffentlichen Raum. Es gehe aber auch anders: In manchen Städten wurdenLaut der Pressemitteilung bereits seit vielen Jahren gute Erfahrungen gemacht mit der Priorisierung der klimafreundlichen Mobilität.

Für Lindau würde das in einem ersten Schritt bedeuten, dass die Tagestouristen eingeladen werden, mit dem ÖPNV anzureisen. Für diejenigen, die mit dem Auto kommen, könnte man Auffangparkplätze am Stadtrand mit einer Shuttle-Verbindung in der Hochsaison im 15-Min-Takt oder mit einem Fahrradleihsystem anbieten. Für die Inselbewohner, die Beschäftigten, die Kunden und Patienten sowie für die Übernachtungsgäste stehen auch mit dem Wegfall des Parkplatzes hintere Insel sowie mit der angedachten Entlastung mancher Plätze vom parkenden Verkehr (Schrannenplatz und Reichsplatz sind im Gespräch), mit den Parkplätzen im Inselkern, dem Inselhallenparkhaus und dem Parkplatz Karl-Bever-Platz, der als Quartiersparkplatz ausschließlich den Nutzergruppen zugewiesen werden könnte, mehr als genügend Plätze zur Verfügung.

Die „Parents for Future“ zitieren den Präsidenten der Buddhisten in China, der während der Konferenz „Religions for Peace“ sagte: „Wir haben die Verantwortung, die Erde und die Umwelt zu schützen wie unsere Augen und unseren Körper.“ Dem stimmen auch die „Parents for Future“ uneingeschränkt zu.

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