Den Wasserburgern brennt viel auf der Seele

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 Rund 60 Wasserburger kommen zum Leserstammtisch der Lindauer Zeitung in die Weinstube Gierer.
Rund 60 Wasserburger kommen zum Leserstammtisch der Lindauer Zeitung in die Weinstube Gierer. (Foto: Christian Flemming)

Die Wasserburger interessieren sich für ihre Gemeinde. Das zeigte der Leserstammtisch der Lindauer Zeitung am Donnerstagabend deutlich. Knapp 60 Bürger waren in die Weinstube Gierer nach Hege gekommen. Einig waren sich die Bürger dort nicht immer. Schließlich ging es um große Themen – und viel Grundsätzliches.

Wie soll der Tourismus künftig aussehen?

Wasserburg ist ein Touristenort, viele seiner Einwohner verdienen ihr Geld damit, dass vor allem im Sommer Gäste in die Gemeinde kommen. Wie der Tourismus in Zukunft aussehen soll, darüber wollte Adolf Hiller-Zürn sprechen. „Die Qualität des Tourismus kann man politisch steuern“, sagte er. Schließlich habe die Gemeinde vor einigen Jahren ein Leitbild dazu formuliert. „Wir brauchen einen Bürgermeister und einen Gemeinderat, die dieses Leitbild wieder hernehmen.“

Als Negativ-Beispiel nannte er den Padel-Platz, den Wasserburger in der Nähe des Aquamarin aufbauen möchten. „Den darf man da nicht hinbauen.“ Isolde Miller stimmte ihm zu. Ihrer Meinung nach ist die Sportanlage an der geplanten Stelle völlig fehl am Platz. Klaus Gierer sorgt sich vor allem wegen des Lärmpegels: „Diejenigen, die da wohnen, tun mir jetzt schon leid.“

In Sachen Ökotourismus habe sich in der Gemeinde allerdings bereits einiges getan. „Die Echt-Bodensee-Card ist ein großer Beitrag zum ökologischen Tourismus“, sagt Sabine Schmid. Einige Gastgeber lobten die Gästekarte am Donnerstagabend explizit und erklärten, dass sie sie am liebsten in Papierform behalten würden.

„Die EBC wird fast zu gut angekommen“, befand Jörg Fischer. Er habe den Eindruck, dass die Wasserburger Gäste nun häufiger in größere Städte pendelten. Armin Rueß forderte, dass nicht nur Touristen, sondern auch Bürger die Vorteile der Gästekarte nutzen dürfen.

Die EBC soll auch für Bürger seint, findet Armin Rueß.
Die EBC soll auch für Bürger sein, findet Armin Rueß. (Foto: Christian Flemming)

Auch dass das Freibad Aquamarin vergangenen Sommer extrem voll war, war am Donnerstagabend Thema. Für die vielen Besucher gab es mehrere Gründe: Zusätzlich zum sehr warmen Sommer kam die Tatsache, dass es Lindauer Freibad Eichwald keine Becken mehr gab. „So lange die Parkplätze kostenlos sind, kommen alle zu uns“, analysierte Hiller-Zürn.

Ein Angebot für Touristen und Wasserburger gleichermaßen ist das Open-Air-Kino. Allerdings fühlten sich einige Anwohner im vergangenen Sommer von dessen Lautstärke gestört. Zumal ihnen von der Verwaltung klar zugesagt worden sei, dass es nicht mehr als zehn Vorstellungen pro Sommer gebe. Im vergangenen Jahr waren es 18.

Sie könne zwar verstehen, dass man verärgert sei, wenn mehr Vorstellungen als vereinbart abgehalten würden, sagte Andrea Strohmayer. Allerdings sei das Kino eben bei Gästen und Wasserburgern gleichermaßen beliebt. „Gäste und Einheimische müssen eine Symbiose bilden“, findet sie. „Wenn alle immer dagegen sind, wird es bald nicht mehr die Gemeinde sein, in der ich mich wohl fühle.“

Katrin Mayer pflichtete ihr bei: „Man will damit viele Leute ansprechen, außerdem läuft vor den Filmen Werbung für die Region. Das kann doch kein Fehler sein“, sagte sie. Allerdings bestätigten einige, dass das Kino, je nach Windrichtung, tatsächlich über weite Strecken hörbar sei. Eine Gastgeberin berichtete von Touristen, die das abschrecke. Katrin Mayer schlug vor, über mobile Schallschutzwände nachzudenken. „Man kann das Kino doch einfach an die Werft verlegen“, sagte Armin Rueß.

Steht der Bürgermeister zu seiner Aussage?

„Wir haben im Gemeinderat momentan eine miserable Situation“, sagte Peter Stohr und verwies auf den jüngsten Austritt von Ex-Ratsmitglied Josef Schmid. „Es ist enttäuschend. Man setzt sein Vertrauen in den Gemeinderat und dann treten sie zurück“, fand auch Peter Freunscht und warf die Frage in den Raum: „Hat der eine oder andere sein Amt überschätzt?“

Wenn insgesamt sieben Räte ihr Amt niederlegten, dann habe das wahrscheinlich weniger mit den sieben Räten und mehr mit dem Bürgermeister zu tun, konterte Hiller-Schmid. „Es geht überhaupt nicht, dass ein Bürgermeister einen Mann vorn hinstellt“, sagte er mit Verweis auf einen Artikel von Thomas Kleinschmidt im Dorfspiegel, in dem der Bürgermeister Josef Schmid öffentlich kritisiert hatte.

Gertrud Baumann bemängelte, dass vor allem Mitglieder der Freien Bürger aus dem Gemeinderat ausgetreten seien. „Als Herr Kleinschmidt gewählt wurde, hat genau diese Liste eine Anzeige in der Zeitung geschaltet, dass sie ihn unterstützt.“

Gleich mehrere Bürger warfen die Frage in den Raum, ob Kleinschmidt sich an sein Versprechen von vor der Wiederwahl halten würde und sein Amt zur Kommunalwahl 2020 zur Verfügung stellen würde. Dies hatte der Bürgermeister ganz konkret zugesagt, ist aber auf Nachfrage der LZ bereits zurückgerudert. Wie berichtet wolle er dies nun vom Fortschritt der laufenden Projekte wie der Halbinselsanierung abhängig machen.

 Die Wasserburger Zeitungsleser haben einen ganzen Strauß an Themen mitgebracht.
Die Wasserburger Zeitungsleser haben einen ganzen Strauß an Themen mitgebracht. (Foto: Christian Flemming)

„Jetzt die Projekte vorzuschieben geht gar nicht“, befand Hiller-Zürn. Ein anderer Bürger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, verglich Kleinschmidt mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Für Klaus Gierer ist die Angelegenheit eindeutig: „Herr Kleinschmidt hat ganz klar gesagt, er gibt sein Amt frei. An der Stelle erwarte ich von ihm Ehrlichkeit.“

Wie gefährlich ist die Kreisstraße LI 16?

Wenn sie von Hege nach Wasserburg fahre, warte sie immer sehr lange, bis sie die Straße überqueren könne, erzählte Rosmarie Klein. „Da braucht es eine Unterführung für Fußgänger und Radler“, forderte sie. Klaus Gierer berichtete, er habe dort vor einiger Zeit einen Unfall zwischen einer älteren Dame und einem Motorrad beobachtet. „Sie ist quasi vor meinen Augen gestorben.“

Hans Bürstle, der im Seniorenheim Hege lebt, beklagte sich außerdem über die Lärmbelästigung, die die Kreisstraße mit sich bringe. „Der Lärmpegel ist groß“, sagte er.

Kann der Kindergarten- und Schulweg sicherer werden?

In Hattnau ist der Weg zum Kindergarten eine Katastrophe“, beklagte sich Katrin Mayer. Zum Beispiel gebe es dort keinen Fußgängerüberweg. „Mittags müssen die Kinder dann an die Bushaltestelle bei der Feuerwehr laufen, direkt an der Hauptverkehrsstraße. Das ist hoch gefährlich“, sagte sie.

Dass oft auch Eltern, die ihre Kinder zur Schule oder in den Kindergarten bringen, selbst eine Gefahr darstellen, darin waren sich Andrea Strohmayer und Armin Rueß einig. „Manche Mütter wissen gar nicht, wie breit ihr Auto ist“, sagte Rueß.

Werden Wasserburger in Zukunft noch Wohnraum finden?

Auch die bauliche Entwicklung der Gemeinde war am Donnerstagabend Thema. „Man verdichtet überall, ich habe nicht den Eindruck, dass das geplant ist“, sagte Lorenz Fastrich. Klaus Gierer erzählte von Bekannten, die im Dorf aktiv seien, nun aber ins Hinterland ziehen müssten, weil sie in Wasserburg keine bezahlbare Wohnung finden. „Der Druck auf die Region wird in den nächsten 30 Jahren anhalten“, sagte Gierer und berichtete von einer Wohnung, die für 800 000 Euro zum Verkauf stünde. Wichtig sei es außerdem, die Anzahl der Zweitwohnungen im Ort zu reduzieren.

„Ich finde es schrecklich, wie wir uns baulich entwickelt haben“, sagte Gertrud Baumann. Isolde Miller hält das neue Baugebiet Reutenen Nord für ein Desaster, Armin Rueß warnte davor, dass Wasserburg einmal so endet wie Föhr oder Sylt, wo sich die Einwohner überhaupt keine Wohnungen mehr leisten könnten.

Nach etwa zwei Stunden war die offizielle Diskussion zu Ende. Viele der Gäste blieben aber noch sitzen und diskutierten weiter. Auch mit einigen Gemeinderäten, die nach einer nicht-öffentlichen Sitzung genau am Ende des Stammtischs in die Weinstube kamen.

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