Den Bürgermeistern gefällt die Idee

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Auch am Erfolg der Ausstellung „Dampf im Kessel“ vor gut einem Jahr macht Stefan Stern (links) das große Interesse am Thema Eis
Auch am Erfolg der Ausstellung „Dampf im Kessel“ vor gut einem Jahr macht Stefan Stern (links) das große Interesse am Thema Eisenbahn und Schifffahrt fest. Stern ist überzeugt, dass ein Verkehrsmuseum Lindau gute Chancen hat. (Foto: Archiv: Susi Donner)

Geht es nach Stefan Stern und Steffen Riedel, dann sollen in wenigen Jahren Eisenbahn- und Schifffahrtsfreunde Lindau in einem Atemzug nennen mit Nürnberg, Nördlingen und München: In diesen Städten gibt es Eisenbahn- oder Verkehrsmuseen, und genau das möchten die beiden Männer mit ihren Mitstreitern auch für Lindau erreichen. Wobei die Inselstadt zwar ein Schwerpunkt dieser Ausstellungsidee werden soll, das „Verkehrsmuseum Lindau“ jedoch kreisweit an verschiedenen Standorten zu finden sein soll. Die Bürgermeister der Kreisgemeinden zeigten sich am Montag fasziniert. Wobei ein Punkt noch unangesprochen blieb – was die Verwirklichung dieses Traums letztlich kosten soll.

„Vision und Chance“ hatten Stern und Riedel ihren Vortrag überschrieben. Die Vision des jungen, aber bereits gut 60 Mitglieder starken Lindauer Vereins Eisenbahn- und Schifffahrtsmuseum Lindau ist groß: Da soll Eisenbahngeschichte am Beispiel der Ludwigs-Süd-Nord-Bahn an mehreren Standorten auf der Insel, wie Bahnhofsgebäude, alte Stellwerke und Bahnbetriebswerk, lebendig werden. Der Verein könne bereits auf eine Vielzahl von Exponaten zurückgreifen, schilderte Stern im Kreisverband Lindau des bayerischen Gemeindetags. Aber auch die Schifffahrt am Bodensee soll einen gebührenden Platz im künftigen „Verkehrsmuseum Lindau“ erhalten, etwa mit Blick auf den früheren Trajektverkehr, das Umladen von Gütern vom Zug aufs Schiff an der Leuchtturmmole.

Historische Relevanz

Es geht den Vereinsaktiven übrigens nicht nur um Verkehrsgeschichte, wie Stern sagte: Es handle sich auch um Technikgeschichte, wenn man die großartigen Bahnbrücken und -dämme im Kreis betrachte, oder um Wirtschaftsgeschichte, denn mit der Bahn kamen auch die ersten Touristen. Oder Sozialgeschichte spiele hinein, wenn man bedenke, dass die Eisenbahn lange Zeit ein wichtiger Arbeitgeber in Lindau war. Für Stern ist klar: „Unser Verein will ein ganzheitliches Museum.“

Ins Boot geholt hat sich der junge Verein Jürgen Bleibler vom Zeppelinmuseum in Friedrichshafen. Mit ihm wolle man die Chancen im Kreisgebiet nutzen und ein Konzept erarbeiten, das nicht nur Technikfreunde anspricht. Das neue Museum soll alle Bildungsschichten und alle Altersstufen ab drei Jahren ansprechen, sich für Einheimische und Urlauber zum Magneten entwickeln. Die Weihnachtsausstellung 2016 im Cavazzen unter dem Titel „Dampf im Kessel“ mit ihren über 1300 Besuchern ist für Stern Beweis, dass es hier durchaus großes Interesse an diesen Themen gebe. Für die Präsenz des Verkehrsmuseums Lindau im oberen Landkreis richtete Riedel den Blick der Bürgermeister auf die touristisch erfolgreichen Westallgäuer Wasserwege – an diesem Beispiel könnten sich sogenannte Westallgäuer Bahnwege orientieren, gleichermaßen für Wanderer wie Radler. Dabei erinnerte der technikbegeisterte Riedel an große heute unter Denkmalschutz stehende Bauwerke wie die Viaduktbrücke bei Stiefenhofen oder den gewaltigen Rentershofener Bahndamm bei Röthenbach. Die würde der Verein genauso in sein geplantes Verkehrsmuseum Lindau einbeziehen wollen wie frühere Bahnhöfe der Westallgäuer Bahnnebenstrecken. Und sogar die beiden Modellbahnergruppen in Lindau und Röthenbach sollen ihren Platz im angedachten Konzept erhalten.

Ohne Fördergelder nicht machbar

Und dann ist sie wieder da, die Vision: Mit Blick auf die (nicht nur Bahn-)Museen im Raum Hof, Nürnberg, Nördlingen und Augsburg „könnte Lindau die Museumslandschaft im Süden Bayerns vervollständigen“, ist Stern überzeugt.

Realismus schimmert durch, wenn Stern eingesteht: „Preiswert wird das nicht werden.“ Über Zahlen spricht an diesem Nachmittag jedoch niemand. Man wolle sich um private Investoren und Fördermittel kümmern. Letztere hält auch der bekennende Eisenbahnfan und Landtagsabgeordnete Eberhard Rotter für denkbar, spricht Leader- und andere EU-Gelder an, „die wären da gut investiert“. Was der Sprecher der Landkreisbürgermeister, Ulrich Pfanner mit dem Satz „da steckt Substanz drin“ kommentiert, ist für Rotter „etwas ganz Besonderes“.

In den nächsten Tagen will der Verein seine neue Internetseite freischalten, sie ist zu finden unter

www.verkehrsmuseum-lindau.de

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