Debatte über Winterdienst in Lindau: Versagen oder Ausnahmesituation?

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 Stadträte sind unterschiedlicher Meinung, ob die für Lindau ungewöhnlich großen Schneemengen besser zu bewältigen gewesen wären
Stadträte sind unterschiedlicher Meinung, ob die für Lindau ungewöhnlich großen Schneemengen besser zu bewältigen gewesen wären. (Foto: cf)
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Der Schritt des Landrats heizt die Debatte um den Winterdienst in Lindau weiter an. Denn auch Stadträte sind nicht zufrieden. Dabei gibt es sowohl Kritik an der Organisation des Winterdienstes als auch Verständnis für die besondere Lage in Lindau.

Bürgermeister Karl Schober (CSU) berichtet am Mittwochmorgen von unzähligen Anrufen betroffener Bürger, die in Nebenstraßen wohnen: „Mein Anrufbeantworter ist voll von Straßen, die auch jetzt noch nicht geräumt sind.“ Er bescheinigt den GTL-Mitarbeitern sehr gute Einsatzbereitschaft und tolle Arbeit. Zudem sei die Organisation am Wochenende nicht zu kritisieren, denn bei solch heftigem Schneefall müssten die Hauptstraßen Vorrang haben.

Schober will über Personal, Geräte und Organisation reden

Dass aber auch Tage danach nicht alle Nebenstraßen befahren wurden, könne er nicht hinnehmen, sagte Schober, der darüber auch mit OB Gerhard Ecker reden will. Schober kritisiert im Gespräch mit der LZ ausdrücklich die Führung der GTL und die Organisation des Winterdienstes. Die habe ohne Not die früher geltenden Verträge mit Landwirten gekündigt. Das habe zur Folge, dass die jetzt im Auftrag Lindauer Firmen und Bürger Schnee räumen und für die Stadt nicht kurzfristig als Verstärkung zur Verfügung stehen.

Als Folge sieht Schober, dass Nebenstraßen auch Tage nach dem Chaos vom Wochenende nicht geräumt wurden – mit all den Folgen für Anlieger, aber auch für Rettungsdienste und Pflegedienste. „Das ist ein Armutszeugnis. Das zeigt, dass das ganze System bei uns nicht passt“, schließt Schober, der nur froh ist, dass kein Unglück passiert ist.

Schober will deshalb im Stadtrat erneut über den Winterdienst diskutieren. Dabei müsse man auch darüber reden, ob ausreichend Geräte da sind und ob das Personal reicht. Dabei verweist der Bürgermeister darauf, dass die GTL zuletzt neue Geräte angeschafft haben. Da gebe es keine Sparvorgaben des Stadtrats. Schober fragt sich aber, ob immer die richtigen Fahrzeuge gekauft wurden. Wenn der Bauhof beklagt, dass es in vielen Straßen zu eng sei, frage er sich, warum die GTL nicht schmalere Räumfahrzeug anschafft.

Schober stört sich auch an der Anspruchshaltung mancher Lindauer, die meinen, trotz starken Schneefalls müsse das Leben ganz ungehindert weitergehen. Wer nicht unbedingt fahren müsse, sollte bei solchem Wetter besser daheim bleiben. Dennoch klappe das mit dem Winterdienst im Bregenzer Wald oder im Allgäu viel besser. Vor allem bei einem vorhersehbaren Schneefall will Schober auch in Lindau besseren Winterdienst.

Kaiser kann sich nicht an einen solchen Schneefall erinnern

Angesichts der so noch nie dagewesenen Wetterlage wie am Wochenende sei die Kritik fehl am Platz, hält Uli Kaiser (BL) entgegen: „Das war eine Ausnahmesituation. Ich kann mich nicht an so viel nassen Schnee erinnern.“ Genau das sei der Unterschied zu den höher gelegenen Skigebieten, in denen sicher noch niemals 48 Stunden lang nasser Schnee gefallen sei. Das sollten sich alle Kritiker vor Augen führen, sagt Kaiser und nennt dabei ausdrücklich auch die Pflegedienste. Wäre es noch ein oder zwei Grad wärmer gewesen, hätte Lindau wahrscheinlich ein Hochwasser mit vielen überfluteten Kellern erlebt, ergänzt Kaiser.

Kaiser ist selbst geschäftlich viel mit dem Auto in Lindau unterwegs. Er habe die eigene Wohnstraße verlassen können, obwohl dort noch kein Räumfahrzeug war. Und auf den Hauptstraße in Lindau habe er ab Montag völlig ungehindert fahren können. Leitung und Mitarbeiter des Bauhofes spricht Kaiser deshalb ein Lob aus: „Die tun ihr Bestes.“

Bei der Ausstattung könnte die Stadt natürlich immer noch mehr machen und noch mehr Geld aufwenden, aber Kaiser fragt nach der Verhältnismäßigkeit: Immerhin handele es sich um ein höchst seltenes Ereignis: „Wir können es uns nicht leisten, solche Kapazitäten aufzubauen, dass man solche Schneemengen innerhalb von ein paar Stunden wegbringt.“

Das sehen Jürgen Müller und Martin Schnell (LI) anders, die mehr Geld für die GTL beantragen: „Wir bitten um eine Aufstellung, was für Geräte, Personal und gegebenenfalls vorab vereinbarte Fremdleistungen notwendig sind, um künftig solchen Situationen besser begegnen zu können.“ Im sinne der Verkehrssicherheit wäre Geld besser angelegt als für den beschlossenen Neubau für Bauhof und Stadtgärtnerei.

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