Das Team der LZ joggt sich auf Platz sieben

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Im Team macht Sport doppelt Spaß. Und wenn man zu dritt im Team ist, sogar dreifach. Das ist eine Erkenntnis, die wir drei Läufer des Teams der Lindauer Zeitung am Sonntag gewonnen haben. Die andere: Perfekt wird es, wenn man gemeinsam auch noch gut abschneidet.

Denn mit einem siebten Platz im VN-Team-Wettbewerb hätten wir niemals gerechnet, das ist klar. Doch das wissen wir am Sonntagmorgen noch nicht. Da heißt es erst einmal: essen, trinken – und die Nervosität in den Griff bekommen. Und nervös sind wir alle drei: Teamkollege Michael Scheyer und ich, Julia Baumann, weil wir mal wieder so gut wie nie zum Trainieren gekommen sind. Deswegen haben wir natürlich ein wenig Angst, der Dritten im Bunde, Simone Lindenmüller, die Zeit zu versauen.

Zwar ist der VN-Team-Wettbewerb keine klassische Staffel – alle drei Läufer eines Teams starten gemeinsam am Lindauer Hafen und laufen knapp elf Kilometer bis ins Bregenzer Stadion – am Ende werden die Zeiten für die Wertung aber zusammengerechnet. Sprich: Jeder Läufer zählt genau gleich viel.

So startet das Team der Lindauer Zeitung beim Marathon
Zusammen sind wir stark! Drei Mitarbeiter der Lindauer Zeitung starten beim VN-Teamwettbewerb des Drei-Länder-Marathons.

Auch Simone ist vor dem Start aufgeregt: „Ich will unbedingt unter einer Stunde laufen“, sagt sie – und zieht direkt nach dem Startschuss an uns vorbei. Schon auf der Seebrücke, wo die Kolleginnen aus der Redaktion stehen und uns anfeuern, haben wir sie im Gewusel verloren. Wiederfinden werden wir sie erst eine Stunde später im Bregenzer Stadion.

Vorher heißt es allerdings: Zähne zusammenbeißen. Aber wenigstens nicht nur für uns: Bereits in der Ladestraße verlässt die ersten Läufer die Kraft und sie legen eine Gehpause ein. Andere, hauptsächlich Männer, nutzen die großen Bäume dort und gehen nach den ersten zwei Kilometern der Strecke pinkeln.

Unfassbar, denke ich noch, da überholt mich ein ganz besonderes Läuferpaar: „Guide Runner“ heißt es auf dem T-Shirt des Mannes, „Blind Runner“ auf dem der Frau, die er an einem kurzen Band durch die Menge der Läufer lotst. Sie wird nicht die letzte Blinde bleiben, die uns auf der Strecke begegnet.

Viele bekannte Gesichter unter Läufern und Publikum

„Das Schöne hier ist, dass man so viele Leute kennt. Da brauche ich doch nicht bei einem New-York-Marathon mitmachen“, hatte Simone noch am Start zu mir gesagt – und sie hatte Recht. Immer wieder rufen uns bekannte Gesichter am Wegesrand Aufbauendes zu, und auch unter den Läufern sind einige Lindauer. Einen davon erkenne ich sofort: Michael Knothe, mit dem ich vergangenes Jahr gemeinsam beim Lindauer Laufseminar trainiert habe. Er freut sich genau so wie ich, dass wir uns treffen, und verrät: „Eigentlich wollten ich euer Team herausfordern, aber uns hat noch ein Mann gefehlt.“ Nun läuft er eben Halbmarathon.

Kurze Zeit später erreichen wir endlich die Fünf-Kilometer-Marke am Campingplatz Zech. Ab hier, das weiß ich, wird es kritisch. Denn mehr als fünf Kilometer sind Teamkollege Michael und ich im Training nie gelaufen. „Unsere Trainingsrunde haben wir schon hinter uns“, rufe ich ihm fröhlich zu – und bekomme ein nicht sehr freundliches „Lass mich in Ruhe“ zurückgeschmettert.

Das Problem: Michael hasst Joggen. Trotzdem ist er netterweise für eine Kollegin mit Knieproblemen eingesprungen, allerdings wollte er im Training schon das eine oder andere Mal das Handtuch werfen. Wahrscheinlich sollte ich ihn besser in Ruhe lassen. Und außerdem: Wer plappern kann, gibt noch nicht alles – denke ich mir und ziehe ein wenig an.

„Hallo Jule“, ruft es da plötzlich hinter mir. Angelaufen kommt Matthias Kaiser, Polizist und Lindauer Stadtrat. Endlich jemand, der noch genug Puste zum Plaudern hat, und ehe wir uns versehen, sind wir schon fast an der Festspielbühne. Für Matthias Kaiser, der Halbmarathon läuft, bedeutet das Halbzeit. Für mich, dass Land in Sicht ist. Denn die 10,9 Kilometer des Viertelmarathons enden ohne Umwege im Bregenzer Stadion. Zumindest für diejenigen, die es bis dahin schaffen. Denn die Sonne knallt am Sonntagmittag unerbittlich auf die Läufer nieder und bereitet dem einen oder anderen Probleme. Wahrscheinlich auch dem Mann, der vor der Festspielbühne liegt und auf Sanitäter wartet.


 Nach 58 Minuten und 14 Sekunden kommt Simone Lindenmüller ins Ziel.
Nach 58 Minuten und 14 Sekunden kommt Simone Lindenmüller ins Ziel. (Foto: Dirk Augustin)

Ähnliches passiert uns zum Glück nicht. Als ich nach einer Stunde, drei Minuten und acht Sekunden die Ziellinie überquere, ist Simone längst da: Sie hat es tatsächlich geschafft und ist mit 58 Minuten und 14 Sekunden unter einer Stunde geblieben. Nur genau 50 Sekunden nach mir kommt Michael ins Ziel – und beeindruckt damit alle. „Das Härteste waren die letzten paar hundert Meter vor dem Stadion“, gibt er zu. „Da konnte ich weder schneller noch langsamer laufen.“


 Nach einer Stunde, drei Minuten und acht Sekunden kommt Julia Baumann ins Ziel.
Nach einer Stunde, drei Minuten und acht Sekunden kommt Julia Baumann ins Ziel. (Foto: Dirk Augustin)

 Nach einer Stunde, drei Minuten und 58 Sekunden kommt Michael Scheyer ins Ziel.
Nach einer Stunde, drei Minuten und 58 Sekunden kommt Michael Scheyer ins Ziel. (Foto: Dirk Augustin)

Etwas später, wir sitzen bereits im Zug zurück nach Lindau, schauen wir im Internet nach unserem Ergebnis. Und flippen fast aus, als wir es sehen: Wir haben es unter den gemischten Teams tatsächlich auf Platz sieben von 19 geschafft. Damit hätten wir niemals gerechnet. Und im Adrenalinrausch nehmen wir uns vor: Nächstes Jahr, da geht noch mehr.

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