„Das Stadtfest ist ein Geschenk des Himmels“

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Susi Donner

Zum Glück hat der Wetterbericht nicht immer Recht. Während die Helfer des 37. Lindauer Stadtfestes sich schon auf ein von oben feuchtfröhliches Feiern eingestellt haben, erfreute das Wetter am Samstag doch tatsächlich mit weiß-blauem Himmel und einer warmen leichten Brise vom See her. Somit stand einem fröhlichen und entspannten Fest, das zum 37. Mal der Club Vaudeville für die Bürger und Gäste Lindaus auf die Beine gestellt hat, wieder einmal nichts im Weg.

Trocken bleibt es nur von oben. Gleich zum Start sind die Plätze und Schanzen mit vielen heiteren Menschen gefüllt. Kühles Bier, Erdbeerbowle, Bodenseewein oder einfach Wasser erfrischen die durstigen Kehlen. Sogar das „Rutsch und Flutsch“ im Anlagenhügel ist begehrt – bei 24 Grad ist es in der Sonne ganz schön warm.

Hier findet jeder seinen Lieblingsplatz

Eigentlich ist jeder der 16 Plätze, an denen gefeiert wird, für sich genommen ein eigenes Fest. Überall gibt es Musik und kulinarische Verführungen. „Und trotzdem ziehen wir immer wieder weiter, wir wollen ja so viel wie möglich erleben“, erklären Saskia und Mareen, zwei junge Mütter, die ihre fröhlichen Kinder die wohl zehnte Runde auf der Kindereisenbahn der BSW-Modellbahngruppe Lindau drehen lassen. Sie erzählen dabei, wie toll sie das Programm am Kinderplatz finden, wo es trötet und flötet, weil die Kinder beim Musikverein Reutin Instrumente ausprobieren dürfen. Hier können die Kleinen aber auch nach Herzenslust basteln, bauen, konstruieren und gestalten – und die „Kinderschminker“ haben Hochkonjunktur.

Von mittags an werden die großen Bühnen mit wechselnden Musikgruppen oder Vorführungen bespielt. Am Reichsplatz sitzt Familie Dang in der Sonne und beobachtet die Tanzvorführungen der Kinder und Jugendlichen der Tanzschule Geiger. Vor der Bühne hat sich eine große Menge an Fans der jugendlichen Tänzer aufgebaut. Für William, Lea, Becky und Oma Anna Dang ist es das erste Lindauer Stadtfest, das sie mitfeiern – vor knapp einem Jahr ist die vietnamesische Familie nach Lindau gezogen, weil es „hier so schön ist“. Das gelte auch fürs Stadtfest. „Es ist sehr familiär und gefällt uns sehr gut“, sagt Becky, während sie Lea von einer Waffel beißen lässt.

„Extrem entspannt“ nennt eine Gruppe in schwarzes Leder gekleideter Männer und Frauen das Lindauer Stadtfest. Sie sind mit ihren Harley- Davidson-Motorrädern eigentlich auf der Durchreise gewesen, nun aber in Lindau hängengeblieben. „Da kann man doch nicht einfach weiterfahren“, sagt Klaus Gottwald und schwärmt von der schönen Stimmung am See, vom leckeren Essen und der guten Musik. „Und das macht ihr alles kostenlos? Der Wahnsinn“, fragt er ungläubig. „Extrem entspannt“ nennt auch Sylvia Wölfle vom Kulturamt Lindau das Stadtfest. Sie genießt in aller Ruhe eine Schale der legendären Moschtköpf-Krautschupfnudeln und ist begeistert: „Die Stimmung ist heute besonders schön. Gerade richtig viele Besucher und genau die richtige Temperatur. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das Stadtfest so entspannt empfunden habe wie heute.“

Apropos Krautschupfnudeln: An der riesigen, heiß dampfenden Pfanne bei der Offizierskasinowiese, dort wo jedes Jahr die Lindauer Moschtköpf und die Binsengeister der Narrenzunft Lindau ein Mordsprogramm auf die Beine stellen – dort jedenfalls steht zum 19. Mal Karl-Heinz Schindler in der Hitze und dreht und wendet die deftige Spezialität beinahe liebevoll, und Doreen Falge schöpft sie reichlich in Pappschalen. „Gestern haben wir noch gesagt, gut dass wir an den Schupfnudeln stehen, da haben wir es schön warm“, erzählt Doreen Falge lachend.

Das Verrückte ist ja, dass die Besucher nicht nur an den 16 Plätzen unterhalten werden, sondern sogar auf den Wegen dazwischen. Da sind verschiedene sogenannte Walking Acts unterwegs und sorgen für Kurzweil und Lachen. Wie das Duo Chicago, das mit und für die Kinder zaubert.

Die Musik ist wieder einmal der Mittelpunkt

Der Mittelpunkt des Lindauer Stadtfestes ist selbstverständlich die Musik. Und die ist so ausgewählt, dass jeder Besucher etwas für seinen Geschmack findet. Ob das auf der Gerberschanze ist, auf der Wohnzimmeratmosphäre herrscht – als es langsam dämmrig wird feiern die Gäste zu Neon Diamond oder Mykket Morton extrem chillig –, oder auf der Römerschanze, auf der nachmittags Mundart Reggae- und Worldmusik aus dem Bregenzerwald vom Ski-Schuh-Tennis-Orchestra erklingt und später Timmy von Get Dead aus San Francisco seine Botschaft leidenschaftlich in die Nacht hinausschreit, oder am Barfüßerplatz, der spätestens zu den Reggae-Beats von Guacáyos zum Abschluss schier berstet.

Manfred aus Lindenberg, der sich beinahe schon in Trance getanzt hat, bringt es enthusiastisch auf den Punkt: „Danke! Das Lindauer Stadtfest ist ein Geschenk des Himmels.“ Und des Club Vaudeville.

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