Susi Donner

So viel gleich zu Beginn: Worte, auch keine Superlative, reichen nicht aus, um zu beschreiben, wie schön das 16. Winzerfestival „Komm und See“ gewesen ist. Die zwölf Winzer vom bayerischen Bodenseeufer haben sich mächtig ins Zeug gelegt, um ihren ungezählten – geschätzt vielen Tausenden – Besuchern ein unvergleichliches Fest zu bereiten.

Das „Komm und See“ ist in den vergangenen Jahren gereift, wie ein guter Wein. „Wir kommen seit zehn Jahren und wir genießen es jedes Mal noch mehr“, erzählen Lydia und Bertram Steiner aus Aalen. Im ersten Jahr sei es Zufall gewesen, aber seither legt das Ehepaar seinen Urlaub bewusst so, dass es zum „Komm und See“ hier ist. Die beiden schwärmen in höchsten Tönen von der Gastlichkeit der Winzer. „So viele Leute wie heute haben wir noch nie erlebt. Und die Winzer sind dabei so freundlich und entspannt und super organisiert, wir haben keine Ahnung wie sie das machen.“

So wie diese beiden sind ausschließlich zufriedene Leute anzutreffen. Ob sie entspannt mit ihren Gläsern in der Hand Freitag und Samstag durch Nonnenhorn von Weingut zu Weingut schlendern oder auf einem der Weingüter in Schönau oder Degelstein verweilen. Von Beginn an herrscht eine heitere, unbeschreiblich lässige Stimmung. Der neu organisierte Shuttleservice erweist sich als Clou und kommt extrem gut an: das Busunternehmen Burkhard Reisen aus Lindenberg fährt mit vier Bussen unermüdlich die kurzen Strecken und verbindet so die Weingüter miteinander. „Komm, wir müssen auf den Bus“ heißt es so allerorten und das führt dazu, dass auch die Trabanten des „Komm und See“ überdurchschnittlich gut besucht sind.

Alle Generationen feiern eine unvergleichlich chillige Party

Der Start am Freitag ist schon hitverdächtig. Ob am schmalen Seeufer bei Hornstein am See, direkt am See oder rund um die Vinothek von Josef Gierer, ob oben auf dem Berg im Weingut Schmidt, mit dramatisch schöner Sicht auf den Bodensee und in die Berge, oder in den lauschigen und romantischen Gastgärten der Weingüter von Clemens Hendrik, Janine und Claudius Haug, dem Rebhof von Ulrike und Oliver Schaugg, Weinbau Brög, der Winzergemeinschaft Fürst, bei Reinhard Marte, Peter Hornstein oder bei Teresa Deufel in Degelstein – überall tanzen die Menschen ausgelassen zu wunderbarer Live-Musik, lachen beglückt, essen duftende Köstlichkeiten, plaudern mit strahlenden Gesichtern… und der Wein fließt fröhlich aus den Flaschen in die Gläser, in die Münder. Es ist warm und lauschig bis weit in die Nacht.

Auf diesen elf Weingütern ist „Komm und See“ so, wie man sich ein modernes Weinfestival vorstellt – eine unvergleichlich chillige Party rund um Wein und Genuss. Ein Besuch auf dem Weingut Lanz.Wein mitten in Nonnenhorn zeigt, dass das „Komm und See“ auch ganz anders kann. Hier geht echt die Post ab und das Publikum ist ungefähr eine Generation jünger. Techno-Beats wummern in den warmen Sommerhimmel, Büsche und Bäume sind in hellgrünes Licht getaucht, die Stimmung ist siedendheiß. „Wir finden es so toll, dass es beim Komm und See auch etwas für die jungen Leute gibt. Wir finden den Bodenseewein nämlich auch sehr lecker. Aber Raven ist und halt lieber als Schwofen“, sagt eine hübsche junge Frau.

Dabei sind es in der Tat nicht nur die jungen Leute die hier abtanzen. Auch durchaus grauhaarige Schöpfe sind mitten in der tanzenden Menge zu sehen. Der Samstag beginnt ebenso bombastisch – und dann fegt ein Unwetter über das Festival. Zum Glück nur kurz und in der frischen, sauber geregneten Luft geht das Festival ungebremst und steil in die Samstagnacht.

Hier ist heute der schönste Platz der ganzen Welt

Und jetzt noch ein paar kleine „Komm und See“- Liebesgeschichten: Im Rebgarten des Weingutes Hornstein am See macht Robert Köberle seinem Schatz Diana Roth eine Liebeerklärung – ob es ein Heiratsantrag ist, verraten die beiden nicht. Auf dem Weingut Schmidt bedienen drei treue Männerseelen, deren Liebe zum Festival besonders groß sein muss, den Schwenkgrill über glühenden Kohlen – und das nicht zum ersten Mal: Armin Mesmer und sein Sohn Bastian sind vom ersten „Komm und See“ an dabei. Der Vater nimmt sich Urlaub dafür, der Sohn, der als Zwölfjähriger schon mithelfen wollte, inzwischen auch. Der Dritte, Arndt Wittemann, reist jedes Jahr extra aus Frankfurt zum Grillen an. Daneben sitzen die Besucher von der Wiese bis zum Wald auf Decken, es sieht aus wie ein riesiges Sommerfest, und zur Musik der Band Lightkultur tanzen Jung und Alt.

Auf dem Weingut von Janine und Claudius Haug in Schönau haben sich Kai, Micha und Bernd, drei „symbadische“ Badener aus Markdorf, zum xten Male getroffen und verraten, dass sie hier ihre Freundschaft feiern. Und auf dem Weingut Brög schräg gegenüber ist die Braut Jessica aus München mit ihren Studienfreundinnen unterwegs: „Wir haben geschaut wo wir meinen Junggesellinnenabschied feiern können, haben das „Komm und See“ gefunden und als ideal befunden“, strahlt die Braut, die sich traut.

Brigitta und Sina Soppa, Mutter und Tochter, und Andrea Bentele aus Tettnang gestehen dagegen, dass sie in das „Komm und See“ regelrecht verliebt sind. „Hier ist heute der schönste Platz der Welt“, sagen sie, und meinen damit jedes einzelne der zwölf Weingüter. Und sie haben Recht. Ohne Übertreibung.

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