Dächer im Kreis Lindau bieten viel Platz für Sonnenenergie

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Einige Dächer seiner Schulen hat der Landkreis bereits für die Installation von Photovoltaikanlagen zur Verfügung gestellt, wie
Einige Dächer seiner Schulen hat der Landkreis bereits für die Installation von Photovoltaikanlagen zur Verfügung gestellt, wie hier auf der Lindauer Realschule. Das neu eingerichtete Solarpotentialkataster soll Bürgern und Firmen zeigen, wo sich Investitionen in Solarenergie lohnen. (Foto: Christian Flemming)

Im Rahmen der bayerischen Klimaschutzwoche wird Steffen Riedel an vier Orten im Kreis das Solarpotenzialkataster im Detail vorstellen: Am Montag, 10. September, beginnt ein Info-Abend um 18 Uhr im Alten Rathaus, am Donnerstag, 13. September, können sich Bürger ab 19.30 Uhr im Bürgerbegegnungshaus in Wasserburg informieren.

Das Solarpotenzialkataster finden Interessierte auf der Internetseite des Landkreises Lindau im Bereich „Gesellschaft und Soziales“/Klimaschutz unter

www.landkreis-lindau.de

Sonnenenergie auf dem eigenen Dach zu „ernten“, das ist für Steffen Riedel gefühlt ein alter Hut. Seine erste PV-Anlage erzeugt seit bald 20 Jahren Sonnenstrom. Insofern freut sich der Klimaschutzmanager des Kreises Lindau über das neueste Projekt: Auf der Internetseite des Landkreises finden die Bürger jetzt ein Solarpotenzialkataster. Dieses Programm kennt die Dächer im gesamten Kreisgebiet, ob Privathäuser oder Firmengebäude. Es kann errechnen, wie viel Sonnenenergie auf jedem einzelnen Anwesen erzeugt werden kann und ab wann sich eine solche Investition rechnet.

Klimaschutz ist den Kreispolitikern quer durch alle Fraktionen wichtig. Mit dem Klimaschutzkonzept, vom damaligen Energiebeirat erarbeitet und vom Kreistag einstimmig verabschiedet, hat der Landkreis Lindau eine Absichtserklärung beschlossen, die jetzt Stück für Stück in die Wirklichkeit umgesetzt werden soll. Damit das klappt, leistet sich der Kreis unter anderem seit drei Jahren mit Steffen Riedel einen Klima-schutzmanager. Er betrachtet es als wichtige Aufgabe, im Kreis Lindau verstärkt Energie aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen. Wobei Wasserkraft im Kreisgebiet nur schwer nutzbar sei und die Landesvorgabe „10H“ die Windkraftnutzung fast unmöglich mache.

Deshalb setzen Riedel und Landrat Elmar Stegmann umso mehr auf die Solarenergie. Nicht nur der gerade zu Ende gegangene Hochsommer habe gezeigt: „Die Sonne liefert im Landkreis Lindau den größten Anteil an erneuerbaren Energien.“ Stegmann verwies bei einem Pressetermin darauf, dass von den rund 47 000 Gebäuden im Kreisgebiet an die 29 000 „gut geeignet“ sind für Anlagen, welche die Sonnenenergie nutzen, ob sie nun in Strom oder warmes Wasser umgewandelt wird.

Das Solarpotenzialkataster bezeichnete der Landrat als niederschwellige Informationsquelle, die „das Thema den Bürgern auf verständliche Weise näherbringen“ soll. Es könne gleichermaßen das Bewusstsein für den Klimaschutz stärken und dazu beitragen, dass mehr Landkreisbewohner sich für nachhaltigen Klimaschutz einsetzen.

Das unterstrich auch Riedel: Derzeit werden nach Aussage des Klimaschutzmanagers im Kreis Lindau nur zehn Prozent des möglichen Solarpotenzials genutzt. Dabei hält er es für machbar, den gesamten Jahresstrombedarf von Bürgern und Wirtschaft von rund 400 Gigawattstunden komplett im Landkreis zu erzeugen: Mit Solarenergie sei ein Ertrag von bis zu gut 500 Gigawattstunden erreichbar, betonte Riedel.

Schatten werfende Bäume durchaus berücksichtigt

Kreisbürgermeister und Landkreis haben dieses Kataster gemeinsam auf den Weg gebracht. Die Kommunen teilen sich die 9500 Euro fürs Erstellen des Katasters, der Kreis trägt jährlich 2700 Euro für Betrieb und Lizenz. Das Programm gehe auch auf örtliche Gegebenheiten ein, beziehe beispielsweise jene Dachbereiche, die keine optimale Sonneneinstrahlung haben oder im Schatten von Bäumen liegen, nicht in die Berechnung der für Solarmodule geeigneten Flächen ein.

Dafür gibt das Kataster vor, welcher Anteil des zuvor eingegebenen jährlichen Stromverbrauchs mit welcher Modulfläche selbst produziert werden kann. Und wie „autark“ Hausbesitzer werden können, wenn sie selbst Sonnenstrom erzeugen. Dabei ist nach Riedels Worten ein Aspekt wichtig: „Möglichst viel dieser selbst erzeugten Energie im eigenen Haushalt zu nutzen.“

Einen Punkt dürfen umweltbewusste Hausbesitzer nicht außer Acht lassen: Sind sie berufstätig oder aus anderen Gründen selten zu Hause, können sie den tagsüber erzeugten eigenen Sonnenstrom nicht selbst nutzen. Dann fließt dieser ins reguläre Stromnetz. Es sei denn, sie entscheiden sich für eine Speicherlösung. Die macht allerdings eine solche Photovoltaikanlage teurer. Beim Wirtschaftlichkeitsrechner kalkuliert das Programm auch Wartungs- und Versicherungskosten mit ein.

Der Landkreis selbst wird in nächster Zeit zwei neue Solaranlagen errichten lassen. So soll das neue Schülerwohnheim eine Anlage erhalten, die voraussichtlich rund Dreiviertel des jährlichen Stromverbrauchs erzeugen kann. Und auch auf dem Landratsamt an der Bregenzer Straße in Lindau soll eine Photovoltaikanlage installiert werden. Bei dieser soll die sogenannte Eigenverbrauchsquote sogar bei über 80 Prozent liegen.

Im Rahmen der bayerischen Klimaschutzwoche wird Steffen Riedel an vier Orten im Kreis das Solarpotenzialkataster im Detail vorstellen: Am Montag, 10. September, beginnt ein Info-Abend um 18 Uhr im Alten Rathaus, am Donnerstag, 13. September, können sich Bürger ab 19.30 Uhr im Bürgerbegegnungshaus in Wasserburg informieren.

Das Solarpotenzialkataster finden Interessierte auf der Internetseite des Landkreises Lindau im Bereich „Gesellschaft und Soziales“/Klimaschutz unter

www.landkreis-lindau.de

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