Claudia Alfons: „Ich glaube da geht noch mehr“

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 Rund 70 Lindauer wollen hören, wie Claudia Alfons sich Lindaus Zukunft vorstellt.
Rund 70 Lindauer wollen hören, wie Claudia Alfons sich Lindaus Zukunft vorstellt. (Foto: Susi Donner)
Susi Donner

70 Lindauer sind am Samstagabend ins Kolpinghaus gekommen, um Claudia Alfons, die potenzielle künftige Oberbürgermeisterin, kennenzulernen, die von der FDP, der Bürgerunion (BU) und der Lindau Initiative (LI) unterstützt wird.

„Über mich selbst zu sprechen ist nicht meine Lieblingsbeschäftigung. Aber ich verstehe, dass Sie einen Eindruck bekommen wollen, wen Sie hier vor sich haben und warum ich meine, dass ich gute Voraussetzungen für das Amt der Oberbürgermeisterin in Lindau mitbringe“, begrüßte Claudia Alfons ihr Auditorium. Aufgewachsen ist die 36-jährige Juristin in Weißensberg. Sie ist ledig, liiert, hat in Würzburg und Freiburg studiert, arbeitete begleitend im Bundestag und in der EU-Kommission mit, und während des Referendariats im Ministerium für Entwicklungshilfe.

Ihre Eltern und ihr Bruder leben in Lindau. Wenn sie auch nach dem Abitur (2002 am VHG) losgezogen sei, um sich die Welt anzuschauen, habe sie doch hier ihre Wurzeln. „Schöner als in Lindau kann man nicht aufwachsen – ich möchte, dass dies die folgenden Generationen auch sagen dürfen.“ Das sei einer der wichtigsten Gründe, warum sie sich für Lindau engagieren wolle. Sie bezeichnet sich selbst als weltoffen und unvoreingenommen. Nach ihrem Jurastudium war sie drei Jahre lang wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der internationalen Wirtschaftskanzlei Freshfields in Wien, schrieb begleitend 2009 ihre Dissertation. „Ich habe gelernt, mich schnell und gut in komplizierte Sachverhalte einzuarbeiten.“ Weil sie sich auf lange Sicht nicht vorstellen konnte, Einzelinteressen zu vertreten, wechselte sie als Richterin und Staatsanwältin in die Bayerische Justiz nach München. Vor eineinhalb Jahren wurde sie ans Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz in Berlin berufen. Dort war sie mit der Musterfeststellungsklage betraut, die sie mit kühlem Kopf, klarer Analyse und Sachverstand durch alle Gremien und Eskalationen mit auf den Weg gebracht hat.

Ihre Gedanken zu Lindau: „Wie soll Lindau 2035/2050 aussehen? Wir müssen uns fragen, welche Werte wir für künftige Generationen schaffen wollen. Ich glaube da geht noch mehr. Wir müssen die Zukunft sowieso angehen. Da können wir es doch auch gut machen.“

Passend dazu will Zuhörerin Sylvia Schilling wissen, was sie von der Projektwerft halte. Claudia Alfons betont, dass sie Bürgerbeteiligung für unverzichtbar halte. „Aber die Bürger müssen schon viel früher einbezogen werden. Sie bilden ein unschätzbares Potenzial an Experten und Meinungen. Das müssen wir nutzen.“ Für diese Aussage erhält sie Beifall.

Kneifen ist nicht ihr Ding

„Wissen Sie eigentlich, worauf Sie sich einlassen, wenn Sie in Lindau Oberbürgermeisterin werden?“, will Klaus Burger wissen. Claudia Alfons gibt zu, dass ihr diese Frage erschreckend oft gestellt worden sei. Aber: „Man kann nicht Engagement predigen und dann kneifen, wenn es schwierig wird. Ich scheue mich nicht vor Herausforderungen.“

Fragen zu sozialem Wohnungsbau (Norbert Kolz), Gemeinwohlökologie und grenzübergreifende Zusammenarbeit (Andreas Zeh), die Mobilität in Lindaus Zukunft (Joachim Steinhoff), Lindau als Fahrradstadt (Hermann Hörger) und zum Umgang mit den Finanzen (Martin Schnell), beantwortete sie zuversichtlich und unverbindlich: „Es wäre vermessen, wenn ich heute konkrete Maßnahmen vorstellen würde. Ich muss mich erst einarbeiten. Im Moment geht es darum, dass wir uns und unsere Ideen gegenseitig kennenlernen.“

Die Hintere Insel (Klaus Burger) sehe sie als vielleicht attraktivstes Baugebiet deutschlandweit. „Es muss wohlüberlegt sein, was dort gebaut wird.“

Peter Borell möchte wissen, wie sie die jungen Leute erreichen will. Claudia Alfons kann sich ein Jugendparlament in Lindau vorstellen. „Die Jugend muss für uns eine zentrale Rolle spielen. Ein frischer Wind würde Lindau gut stehen.“

Hermann Kreitmeir bedankt sich am Ende bei Claudia Alfons: „Ich bin seit 36 Jahren im Stadtrat. Mit Ihnen kommt mein Optimismus wieder, und die Hoffnung auf freudige Entscheidungen die uns weiterbringen.“

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