Carbon soll Dorniers drittes Standbein werden

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Mit den Webmaschinen der Lindauer Dornier kann man Carbon herstellen, berichten die Geschäftsführer Hans-Jürgen Schmidt (rechts
Mit den Webmaschinen der Lindauer Dornier kann man Carbon herstellen, berichten die Geschäftsführer Hans-Jürgen Schmidt (rechts (Foto: Christian Flemming)
Schwäbische Zeitung
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Die kleine Krise der Lindauer Dornier ist vorbei. Ab April sind wieder alle 938 Mitarbeiter voll beschäftigt, die Kurzarbeit im Werk Esseratsweiler ist beendet.

In der Zukunft soll eine neue Sparte noch bessere Geschäfte ermöglichen.

Den Begriff „Krise“ hören die Geschäftsführer Hans-Jürgen Schmidt und Andreas Rutz nicht gern. Es handele sich vielmehr um das normale Auf und Ab der Wirtschaft. Dabei vergesse mancher gern das sehr hohe Niveau der Lindauer Dornier zwischen 2011 und 2013. „Die vergangenen Jahre waren die besten, die wir je hatten bei Dornier“, erinnert Schmidt. Vor allem bei den Folienmaschinen sei das Wachstum immer weit höher gewesen als im Markt.

Dann hat die Russlandkrise die Lindauer Dornier getroffen. Denn bei einem Großauftrag war sich Dornier mit einem russischen Kunden einig. Wegen des Embargos habe der sich aber mit der Finanzierung des 64-Millionen-Auftrags schwer getan. Das sei inzwischen erledigt, die erste Anlage ist weitgehend ausgeliefert, im April geht die zweite Anlage in die Produktion. Hinzu kommt ein 15-Millionenauftrag für einen Kunden in Indien, der ebenfalls im zweiten Quartal in die Fertigung geht. Damit hat die Lindauer Dornier wieder genug zu tun für alle Mitarbeiter im Werk Esseratsweiler. Denn Kurzarbeit gab es seit knapp einem Jahr nur dort.

Die in Lindau hergestellten Textilmaschinen liefen die ganze Zeit über gut. Während in Esseratsweiler die Mitarbeiter fast ausschließlich für den Bereich Folienmaschinen arbeiten, fertigen die Lindauer je zur Hälfte Textil- und Folienmaschinen. Dabei haben 778 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz in Lindau, 160 in Esseratsweiler. Stolz ist Geschäftsführer Schmidt auf die Zahl von 55 Auszubildenden, von denen zehn einen Bachelorstudiengang einer Dualen Hochschule besuchen. Damit sei die Lindauer Dornier der größte Ausbildungsbetrieb der Stadt.

Zudem glaubt Schmidt, dass sein Unternehmen auch Lindaus und Achbergs größter Gewerbesteuerzahler ist. Da ist es gut, dass der Jahresumsatz im vergangenen Jahr mit 256 Millionen Euro immer noch auf sehr gutem Niveau und nur sieben Millionen unter dem des Vorjahres.

Und noch eins sei Besonders bei der Lindauer Dornier: Denn ein Zehntel des Gewinns fließt direkt an die Peter-Dornier-Stiftung. Der im Jahr 2002 verstorbene Peter Dornier habe das biblische Motto umgesetzt, den Zehnten abzugeben und deshalb 1985 eine Stiftung gegründet, die einige Millionen Euro für gute Zwecke in Lindau ausgegeben hat. Zuletzt hat die Stiftung dem Hospiz 150000 Euro für den geplanten Anbau überwiesen.

So profitieren über die Mitarbeiter hinaus viele Lindauer, wenn es Dornier gut geht. Und die Aussichten sind laut Schmidt gut: „Wir erwarten für 2015 eine Produktion von 800 Webmaschinen.“ Das seien ein paar weniger als im vergangenen Jahr, das liege aber im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Die hohe Zahl von mehr als 200 Leiharbeitnehmern und Auslagerung der Fertigung an andere Firmen seien aber nicht mehr nötig.

In diesem Zusammenhang danken Schmidt und Rutz den Mitarbeitern, die trotz der hohen Belastung sehr gute Arbeit abgeliefert hätten. Obwohl die Lindauer Dornier den Ausstoß zeitweise fast verdoppelt hatten, seien alle Kunden hochzufrieden.

Damit das so bleibt, investiert das Unternehmen heuer acht Millionen Euro. In Lindau seien nötig Maschinen nötig, Montageautomaten, Software. In Esseratsweiler baut die Lindauer Dorneir ab April für 3,7 Millionen Euro eine 2000 Quadratmeter große Halle. Weil es in Lindau keine Erweiterungsflächen mehr gibt, vergrößert man den zweiten Standort. Und das ist möglicherweise sogar mit einer Neuausrichtung verbunden. Denn Schmidt und Rutz sprechen von einem dritten Standbein, den sogenannten Composite-Systemen: „Man kann mit unseren Webmaschinen Carbon machen.“

Im Flugzeugbau ist dieser Werkstoff schon Alltag, auch bei Windkraftanlagen setzen Ingenieure auf das leichte und belastbare Material. Jetzt hoffen die Lindauer Dornier auf den Durchbruch in der Automobilindustrie, wo Carbon bisher vor allem bei Rennwagen verbaut wird. So schnell werde der Markt nicht wachsen, dämpft Rutz allzu große Erwartungen. Aber wenn die Konstrukteure doch zunehmend vom Metall auf den Kunststoff Carbon umstellen, dann wollen die Lindauer Dornier die dafür nötigen Maschinen liefern können.

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