BUND Naturschutz will Aqua-Kulturen im Bodensee verhindern

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Die abgetrennten Köpfe mehrere Saiblinge aus einer Aquakultur liegen in einer Fischküche am Bodensee auf dem Tisch.
Die abgetrennten Köpfe mehrere Saiblinge aus einer Aquakultur liegen in einer Fischküche am Bodensee auf dem Tisch. (Foto: Felix Kästle)

Das Thema Aquakultur im Bodensee spaltet die Gemüter: Nun wendet sich der BUND Naturschutz-Kreisvorsitzende Erich Jörg in einem Brief an den Landrat des Landkreises Lindau, Elmar Stegmann. Der BN spricht sich gegen das Ausbringen von Gehegen im See aus. „Es sollte keine derartige Bestrebungen gefördert oder gar zugelassen werden“, schreibt Jörg.

Seit einiger Zeit werden Pläne diskutiert, für die Felchenaufzucht Netzgehege im Bodensee auszulegen. Eine Genossenschaft vom Untersee will demnach zwölf solcher Netzkäfige mit einem Durchmesser von 20 Metern haben, die bis zu einer Tiefe von 40 Metern in den See reichen, fasst Jörg im Brief zusammen. Darin geht er auf den Grundtenor der Genossenschaft ein: Damit soll dem Felchenrückgang entgegengewirkt und Fischern eine neue Einnahmequelle verschafft werden. Agrarminister Hauk aus Baden-Württemberg sehe das grundsätzlich positiv, sagt Jörg.

Wildfisch in Gefahr

Der Kreistag des Bodenseekreises hat vor einiger Zeit negativ entschieden, ebenso alle Umweltverbände rings um den See sowie die Internationale Gewässerschutzkommission. Ein Großteil der Berufsfischer steht dem Vorhaben ebenfalls skeptisch gegenüber, sieht das Alleinstellungsmerkmal des Wildfisches in Gefahr.

Forderung nach Grundsatzentscheidung

Die Betreiber versprechen zwar eine nachhaltige Bewirtschaftung mit Bio-Methoden, angeblich ohne Antibiotika, nachhaltigen Futterquellen und geringer Fischdichte. „Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine Massentierhaltung auf engstem Raum im See mit all den Auswirkungen, die damit zusammenhängen, wie intensive Verkotung, Parasitenanfälligkeit und Futterkonzentrate. Die Folgen auf den Trinkwasserspeicher Bodensee und die Gewässerökologie sind da noch nicht einmal ausgeleuchtet. Größere Beeinträchtigungen an den Ufern und der sensiblen Flachwasserzonen müssen ebenfalls ins Kalkül gezogen werden,“ argumentiert Erich Jörg.

„Es muss nach unserer Ansicht eine Grundsatzentscheidung getroffen werden. Zwar betrifft das derzeitige Vorgehen nur den Raum Konstanz, aber eine Befürwortung dort hätte Folgen für den gesamten Bodensee. In Vorarlberg würden ebenfalls bereits Überlegungen angestellt, Aquakulturen in Erwägung zu ziehen.

Negative Seiten überwiegen deutlich

„Wir meinen, bei der Bilanzierung der Vor- und Nachteile der Ausbringung von Netzgehen im See überwiegen die negativen Seiten deutlich. Es sollte deshalb keine derartige Bestrebungen gefördert oder gar zugelassen werden“, so Jörg weiter. Er will mit dem Schreiben die Bedenken an den Landrat weiter geben. „Wir sind überzeugt, dass früher oder später das Thema auch für den Obersee akut wird. Darauf sollten alle Verantwortliche jetzt schon vorbereitet sein“, beendet er den Brief an den Landkreis.

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