Bogy-Schüler bringen Klassiker „Krabat“ auf die Bühne

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Bogy-Schüler bringen „Krabat“ auf die Bühne
Eineinhalb Jahre haben sie daran geschrieben. Viel diskutiert, Ideen verworfen und neue zu Papier gebracht. Jetzt steht ihre Theaterfassung von „Krabat“, dem Jugendbuchklassiker von Otfried Preußler. Felix Augustin (Q12), Veronika Stierle und Lorenz Baumann (beide Q11) vom Bodenseegymnasium fiebern der Premiere des Mittelstufentheaters am Mittwoch, 11. April, entgegen. Die Zuschauer dürfen auf eine besondere Theateraufführung mit einer eigens komponierten Filmmusik von Darius Grimmel gespannt sein.
Schwäbische Zeitung

Eineinhalb Jahre haben sie daran geschrieben. Viel diskutiert, Ideen verworfen und neue zu Papier gebracht. Jetzt steht ihre Theaterfassung von „Krabat“, dem Jugendbuchklassiker von Otfried Preußler. Felix Augustin (Q12), Veronika Stierle und Lorenz Baumann (beide Q11) vom Bodensee-Gymnasium fiebern der Premiere des Mittelstufentheaters am Mittwoch entgegen. Wenn sich der Vorhang für ihren „Krabat“ öffnet, liegt ein großes Projekt hinter den drei Schülern. Die Zuschauer dürfen auf eine besondere Theateraufführung mit einer eigens komponierten Filmmusik gespannt sein. Sie stammt von Darius Grimmel, einem ehemaligen Schüler des Bodensee-Gymnasiums.

„Krabat“ gehört zu den Lieblingsbüchern der drei Schüler, die alle große Fantasy-Fans sind. Doch auf der Bühne lassen sich diese Werke meist nur schwer umsetzen. Anders „Krabat“. „Der ist machbar auf der Bühne“, sagt Felix Augustin. Die „unterschwellige Magie“ brauche keine großen Effekte, ergänzt Veronika Stierle.

Theaterfassung selbst geschrieben

Und so entstand schon in der neunten Klasse bei den drei leidenschaftlichen Theaterspielern die Idee, „Krabat“ aufzuführen. Da es keine Theaterfassung gab, machten sich Felix, Veronika und Lorenz ans Schreiben. Eine große Herausforderung, wie sie rasch merkten. „Wir haben gedacht, das würde viel schneller gehen“, sagt Felix. Das Grundgerüst stand schnell, doch dann dauerte es rund eineinhalb Jahre, bis das Drehbuch fertig war. Den längsten Atem hatte Felix Augustin, der die Feinarbeit übernommen hat, obwohl er dieses Jahr Abitur schreibt.

An der Handlung haben sie nichts Wesentliches geändert, sie mussten aber kürzen. „Das Schwierigste war zu entscheiden, was wichtig ist und was nicht“, sagt Veronika. Eine grobe Orientierung bot ihnen der Spielfilm, der ja auch nur eineinhalb Stunden zur Verfügung hat. Lorenz verrät, dass ihre „Krabat“-Fassung mit weniger Nebenfiguren auskommen muss. „Bei den Hauptcharakteren haben wir uns stark ans Buch gehalten“, ergänzt Felix.

Manche Szenen waren echte Herausforderungen. Wenn etwa im Buch ausführlich beschrieben wird, wie der Altgeselle Tonda Krabat etwas vergessen lässt oder der Meister in der Kutsche an den Hof des Kurfürsten fliegt, lässt sich das auf der Bühne nur schwer umsetzen. Erschwerend kam dazu, dass die drei Autoren oft unterschiedliche Positionen hatten: Während Felix Dramatik und Symbolik liebt, bevorzugt Veronika gerade beim Bühnenbild Minimalismus. Da flogen schon mal die Fetzen. „Es ist ein Glück, dass wir so gut befreundet sind“, sagt Veronika lachend.

Ein wichtiges Element, die bedrückende, düstere Atmosphäre des Buchs rüberzubringen, ist die Musik: Darius Grimmel, ehemaliger Schüler des Bogys, hat sie extra für „Krabat“ komponiert – und die Erwartungen der Schüler übertroffen. „Sie lässt sich mit monumentaler Filmmusik messen“, meint Lorenz. „Die Musik trägt unfassbar zur Atmosphäre bei“, sagt auch Veronika.

Videoeinspieler, technische Effekte und das Licht spielen bei ihrer Bühnenfassung ebenfalls eine wichtige Rolle. Doch da stießen die Theatermacher mit ihrer Ausrüstung schon mal an ihre Grenzen. Als sie die Kurfürstenszene im Wald drehten, gingen ihnen kurz vor Schluss alle Akkus aus. „Sowas ist schon extrem frustrierend“, räumt Veronika ein. Und es kostet Zeit, wertvolle Zeit, wie Felix jetzt weiß: „Den Filmdreh haben wir unterschätzt.“

Autoren führen auch Regie

Bei den Proben führen die drei Autoren mit Irene Heß, Leiterin des Mittelstufentheaters, Regie. Sie geben Anweisungen, diskutieren, wie sich was am besten umsetzen lässt. Dass die Schüler so mitsprechen, ist auch für die Lehrerin „ungewohnt“. „Ich will nicht zu viel eingreifen, ich lass ihnen ihren Weg“, betont sie. Schließlich sei es „toll“, dass sie das Stück selbst geschrieben haben.

Neben der Regie haben die drei noch weitere Aufgaben: Lorenz ist für die Technik zuständig, Felix spielt die beiden Erwachsenenrollen, den Kurfürsten von Sachsen und den Tod, und Veronika gibt den jungen Schauspielern Einzelunterricht.

„Die geben alle ihr bestes“, sagt Lorenz, der wie Felix und Veronika schon von klein auf Theater spielt. Die drei verstehen, dass ihre Schauspieler auch mal genervt sind. „Manchmal gehen sie aus einer Samstagprobe, ohne gespielt zu haben“, sagt Felix. „Das hat mich früher auch aufgeregt.“ Aber heute wüssten sie, dass das manchmal eben nicht anders gehe. Trotzdem fordern sie volle Motivation von den Mädchen und Jungs auf der Bühne. Denn sie sind es, die ihr Werk rüberbringen. „Es ist mir halt so wichtig“, sagt Felix – und spricht damit Veronika und Lorenz aus der Seele.

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