Bodolzer wollen ihre Brücke wieder haben

Lesedauer: 8 Min
 Diese Brücke über die Bahngleise ist bereits abgerissen. ob sie wieder aufgebaut werden soll, ist in Bodolz umstritten.
Diese Brücke über die Bahngleise ist bereits abgerissen. ob sie wieder aufgebaut werden soll, ist in Bodolz umstritten. (Foto: Archiv: Drenovak)
Isabel de Placido

Die kleine Fußgängerbrücke über die Bahngleise am Torkelweg/Rebweg in Enzisweiler ist seit August abgerissen. Und eigentlich hatte der Bodolzer Gemeinderat einstimmig beschlossen, dass sie nicht wieder aufgebaut wird. Doch jetzt haben Bürger gegen diesen Beschluss protestiert und auf der jüngsten Gemeinderatssitzung in aller Öffentlichkeit ihre Brücke zurückgefordert.

So voll wie auf der jüngsten Gemeinderatssitzung, ist es schon lange nicht mehr im Bodolzer Rathaus gewesen. Über 30 Bürger waren gekommen, um ihren Protest gegen den Beschluss vorzubringen. Die Räte hatten im September einstimmig beschlossen, die kleine Fußgängerbrücke aus wirtschaftlichen Gründen nicht wieder aufbauen zu lassen.

Zur Erinnerung: Wegen der Elektrifizierung der Strecke hatte die Bahn die Brücke im August abgerissen und wollte sie eigentlich bis April 2020 wieder neu aufbauen. Aus technischen Gründen sollte sie dann höher, steiler und mit einem Fallschutz versehen sein. Vor mehreren Jahren war die Bahn davon ausgegangen, dass der komplette Neubau 230 000 Euro kosten würde, sodass die Gemeinde etwa 60 000 Euro hätte aufbringen müssen. Laut aktuellen Kostenberechnungen wird der Wiederaufbau der Brücke allerdings eine Million Euro kosten. Was für die Gemeinde bedeuten würde, dass sie 290 000 Euro zahlen müsste. Hinzu kommen noch die dauernden Kosten für die Verkehrssicherungspflicht und künftige Instandhaltung. Weil die Räte der Meinung waren, dass nur wenige Bürgern die teure Brücke nutzen würden, wollten sie auf den Wiederaufbau verzichten.

Bei der Bürgersprechgelegenheit im Gemeinderat nun zeigte sich, dass das Thema einige Bürger beschäftigt. Laut Peter Sauter, der als Sprecher der anwesenden Bürger auftrat, gibt es neben einem offenen Brief an Bürgermeister und Gemeinderat auch eine Unterschriftenliste, auf der 110 Bodolzer die Brücke fordern. Sie wollen „eine erneute Sachverhaltsprüfung, eine umfassende Information der Öffentlichkeit mit anschließender Beratung und Beschlussfassung“. Die Bürger bezweifeln die genannten Kosten und fordern eine zweite Ausschreibung.

In dem Brief, der der LZ vorliegt, wiederholen Peter Sauter und die Gemeinderäte Franz Joachim und Susanne Nitz die Forderungen der Unterschriftenliste und begründen dies mit sieben Argumenten. Unter anderem jenem, dass die bisherige Beratung und Beschlussfassung ohne Beteiligung der Öffentlichkeit stattgefunden habe. „Die Sitzungsladung ließ nicht deutlich erkennen, dass es um einen endgültigen Verzicht auf eine fußläufige Verbindung zwischen Enzisweiler und den Ortsteilen Mittenbuch und Hoyerberg ging“, heißt es in dem Schreiben als Begründung dafür, dass damals keine Bürger zu der öffentlichen Sitzung gekommen waren. Zudem werfen sie der Verwaltung vor, sowohl in den Dorfnachrichten als auch der Homepage nie den Wiederaufbau in Frage gestellt zu haben. Der Beschluss des Gremiums habe die Bürger vielmehr aus „heiterem Himmel“ getroffen, erklärte Sauter. Laut Bürgermeister Christian Ruh waren die Dorfnachrichten schon im Druck, als die Bahn die neuen Kostenberechnungen geliefert hatte. Eine aktuelle Nachricht im Internet habe er versäumt, räumte Ruh ein.

Als Gründe, warum die Brücke wieder aufgebaut werden soll, nennen die Brückenbefürworter, dass sie zum einen „die einzig wirklich sichere Verbindung“ zwischen den Ortsteilen sei, dass nicht nur Bürger, sondern auch Touristen die Brücke als Übergang nutzen und dass „in Zeiten der Klimakrise Fußwege erhalten werden müssen, um den Autoverkehr auf ein notwendiges Maß zu beschränken“. Sauter schloss seinem Redebeitrag unter Applaus mit den Worten: „Alle Anwesenden wären froh und glücklich, wenn diese Brücke wieder aufgebaut werden könnte.“

Bürgermeister Ruh erinnerte an alle Gründe, warum sich das Rätegremium gegen den Wiederaufbau entschieden hatten. Zudem hatte er schon eine Forderung der Brückenbefürworter abgearbeitet. Zuschüsse hat die Regierung von Schwaben abgelehnt: „Diese Kosten der Gemeinde sind – da es sich um Ausgaben für die Unterhaltung der Brücke bzw. für die Erhaltungs- und Betriebslast handelt – leider nicht förderfähig.“

Die Gemeinderäte räumten ein, dass sie gegen den Wiederaufbau der Brücke gestimmt hatten. Aufgrund der neuen Sachlage wollen sie diesen Beschluss noch einmal überdenken. „Nachdem so viele Bürger jetzt für die Brücke sind, sehe ich das als Auftrag an das Thema noch mal anzugehen“, brachte Andreas Durrer den Stimmungsumschwung auf den Punkt. „Wir waren sicher nicht gegen den Bürger, sondern für die Gemeinde“, erklärte Bruno Schmid, sprach sich jedoch auch für eine erneute Ausschreibung der Brücke aus. Dabei machte er keinen Hehl daraus, dass er gegen den Wiederaufbau ist, sollte es bei den hohen Kosten bleiben.

Dagegen hielt Franz Joachim ein glühendes Plädoyer für die Brücke und bezeichnete sie als „Baudenkmal, das zu Enzisweiler gehört“. „Für mich ist das ein Jahrhundertereignis, wenn wir darauf verzichten“, sagte er und verwies auf die gute Finanzlage der Gemeinde und appellierte: „Wir haben kein Hallenbad, und wir haben keine Halle. Erhalten wir doch das, was wir haben.“

Ruh macht dahingegen klar, dass das Interesse dieser kleinen Gruppe Bodolzer nicht zwangsläufig dem der ganzen Gemeinde entspreche, was ihm einige Buhrufe einbrachte. Zudem betonte Ruh, dass Bürgermeister und Gemeinderat verpflichtet seien, zum Wohle der gesamten Gemeinde zu entscheiden und dafür auch die Gelder einzusetzen. Dieser Sichtweise stimmte auch Wolfgang Greb zu, der darüber hinaus darauf hinwies, dass es sich auch beim Geld der Bahn für die Brücke um Steuergeld handle.

Am Ende stimmten die Räte dafür, dass die Gemeinde die Bahn damit beauftragen soll, die Brücke erneut auszuschreiben. Wenn die neuen Kosten auf dem Tisch liegen – und das wird wohl erst in 18 Monaten sein, wie Ruh von der Bahn erfahren hat – wollen die Räte in aller Öffentlichkeit noch einmal über die Brücke diskutieren.

Meist gelesen in der Umgebung

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen