Bodo hat mit E-Card und Kundenanfragen viel zu tun

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Die E-Card ist ein attraktives Angebot des Bodo – vorausgesetzt, die Lesegeräte sind vorhanden und funktionieren auch.
Die E-Card ist ein attraktives Angebot des Bodo – vorausgesetzt, die Lesegeräte sind vorhanden und funktionieren auch. (Foto: Evi Eck-Gedler)

Komplett neue Tarife, jede Menge Schulungsbedarf, so mancher verärgerter (Bahncard-)Kunde und mit dem Projekt E-Card „ein hochkomplexes System“: So sieht die erste Bodo-Bilanz des ÖPNV-Fachmanns Eduard Stützle aus, die er am Montag im Wirtschaftsausschuss vorgetragen hat. In seinen Augen ist der Beitritt des Landkreises Lindau zum Verkehrsverbund auf jeden Fall ein Erfolg – auch wenn es in den ersten Wochen jede Menge Kundenanfragen gegeben habe und das E-Card-System in den Bussen im Kreis Lindau aus Zeitgründen noch nicht eingebaut ist.

Den Kreis Lindau in den seit vierzehn Jahren bestehenden Verkehrsverbund Bodo einzubinden, das sei vom Organisationsaufwand „fast eine Neugründung“ gewesen, so der Nahverkehrsexperte des Landratsamtes in der Sitzung des Ausschusses für Wirtschafts- und Kreisentwicklung. Eine große Herausforderung sei das Tarifsystem gewesen. Und weil das Regierungspräsidium Tübingen und die Regierung von Schwaben in Augsburg erst Mitte Dezember den neuen Tarifen zugestimmt hatten, sei der Verkehrsverbund im Kreis Lindau schon unter Zeitdruck gestartet: „Ich geb’ zu, die Zeitspanne war ein bisschen kurz“, merkte Stützle im Ausschuss an.

Während die Umstellung der Schülermonatskarten nach seinen Worten „problemlos“ gelaufen sei, zeigten sich in den ersten Wochen vor allem Bahnfahrer empört – weil die Bahncard im Verkehrsverbund Bodo nicht gilt und damit so manche Einzelfahrkarte jetzt deutlich teurer ist. Ausgeglichen werden soll dies zum Teil durch die E-Card: Bodo-Kunden zahlen damit bis zu 20 Prozent weniger als für Einzelfahrscheine. Und bis Ende dieses Jahres können ÖPNV-Nutzer aus dem Kreis Lindau im Bereich der Tarifzonen 1 und 2 sogar 30 Prozent sparen.

Hochmoderne Technik ist anfällig

Bei dieser E-Card handelt es sich jedoch nicht nur um ein Pilotprojekt, dessen System nach Stützles Aussage in der Form „in Deutschland einzigartig ist“. Es basiere auch auf hochkomplexer Technik – und die ist störungsanfällig, wie so mancher Bahnfahrer in den vergangenen Wochen mitbekommen hat. Zwar stehen an allen Bahnhöfen im Kreis Lindau die Lesesäulen für die E-Cards. Doch immer wieder heißt es dort „außer Betrieb“.

Das lässt sich noch verschmerzen, wenn es – wie etwa in Hergatz und Wasserburg – im Bahnhofsbereich zwei dieser Stelen gibt. Am Bahnhof Enzisweiler jedoch steht nur ein solches Gerät fürs Einchecken per E-Card. Da gibt es bei einem technischen Defekt nur die Alternative, einen regulären Papierfahrschein am Automaten zu lösen. Und dieses Ticket muss dann laut Bodo-Internetseite mit der jeweiligen Kundennummer an die Geschäftsstelle in Ravensburg zur Verrechnung eingeschickt werden. Und weil man sich nach dem Verlassen des Zugs an einer defekten E-Card-Säule nicht abmelden kann, heißt es hinterher, den fehlenden Check-Out am heimischen Computer per Internet oder Telefon an den Bodo zu melden.

In den Regional- und Lindauer Stadtbussen gibt es Lesegeräte für die E-Card ohnehin erst in einigen Monaten. Stützle verwies im Ausschuss aber darauf, dass E-Card-Besitzer dennoch auch in den Bussen im Kreis Lindau derzeit ihre 20 Prozent Rabatt erhalten – sie müssen einen entsprechenden Einzelfahrschein kaufen.

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