Bilder für die Sonderausstellung sind schon angekommen

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Lindauer Zeitung

Es sind spannende – fast schon feierliche Augenblicke, wenn die Klimakisten geöffnet werden und die Schätze zum Vorschein kommen. Im Lindauer Kunstmuseum am Inselbahnhof werden in diesen Tagen die Bilder für die Sonderausstellung „Paula & Otto – Kunst und Liebe im Aufbruch“ ausgepackt und aufgehängt.

Für Kulturamtsleiter Alexander Warmbrunn und Kuratorin Dr. Sylvia Wölfle seien diese Momente vor jeder Ausstellung ganz besondere. Nach den Präsentationen von Picasso, Chagall, Matisse, Miró, Klee, Nolde und Macke ist es für Lindau die zehnte Sonderausstellung und trotzdem ist dieses Mal alles anders, heißt es vonseiten des Lindauer Kulturamtes. Denn wann die Bilderschau eröffnen könne, stünde aufgrund der Corona-Krise in den Sternen.

Dass sich das Team des Lindauer Kulturamtes dennoch dazu entschlossen hat, die Ausstellung fertig zu stellen, sodass man dann, am Tag X, nur noch den Schlüssel umdrehen und die Türen öffnen braucht, hat nichts damit zu tun, dass man die aktuelle Situation ignorieren würde. „Im Gegenteil, wir haben uns viele Gedanken gemacht und entscheiden jeden Tag neu über unser weiteres Vorgehen“, sagt Museumsleiter Alexander Warmbrunn. Das Team sei sehr traurig, dass die Ausstellung nicht wie geplant Anfang April eröffnen könne. „Immerhin arbeiten wird seit Monaten mit viel Engagement und Leidenschaft auf diesen Termin hin.“ Kuratorin Sylvia Wölfle ergänzt „Aber da geht es uns wie vielen Menschen, die aktuellen Ereignisse stellen unsere Realität komplett auf den Kopf.“

Und so soll auch ein Zeichen gesetzt werden: „Wir sind zuversichtlich, dass diese Ausstellung, die uns wirklich eine Herzensangelegenheit ist, zu einem späteren Zeitpunkt eröffnet werden kann und wir glauben auch, dass das wichtig ist, denn die Bilder können vielen Menschen Kraft und Lebensfreude spenden, etwas, was wir in dieser Zeit alle brauchen“, sagt Warmbrunn. Auch Wölfle ist überzeugt. „Die Botschaft unserer Ausstellung passt gut in diese Zeit – denn sie zeigt nicht nur die Werke des berühmten Malerehepaares Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn, sie erzählt auch die Geschichte von Paula und Otto und dokumentiert, wie die beiden aneinander gewachsen sind und einander geholfen haben – auch in Krisenzeiten. Es geht also um gegenseitige Unterstützung und darum, wie Beziehungen tragen können – Themen, die in unserer Zeit wichtiger sind denn je.“

Und es gibt einen weiteren Grund, die Ausstellung fertig zu stellen: „Wir konnten die Bilder ja unmöglich auf unbestimmte Zeit in den Klimakisten lassen“, erklärt Kunsthistorikerin Sylvia Wölfle. Denn natürlich gebe es genaue Vorgaben, wie die sensiblen Werke behandelt werden müssen. Insgesamt viermal begutachten Fachleute beispielsweise die Gemälde auf ihrer Reise von den Leihgebern zum Lindauer Museum und zurück, schreibt das Kulturamt. Der Zustand werde jeweils vor dem Einpacken und nach dem Auspacken von Fachleuten begutachtet und dokumentiert. Dasselbe geschehe, wenn die Bilder wieder eingepackt und auf die Heimreise geschickt werden. Diese Arbeit übernehme in Lindau derzeit ein externes Restauratoren-Team aus München, das hochkonzentriert bei der Arbeit sei Aufgrund der aktuellen Situation gelte aber auch hier, wie bei allen Vorbereitungsarbeiten, dass der angemessene Abstand zu anderen Menschen eingehalten werde.

Transportiert werden die Werke zum Großteil in sogenannten Klimakisten, die gewährleisten, dass die Schätze weder durch Licht, Temperatur-Schwankungen oder etwa Feuchtigkeit beeinträchtigt werden. Die Holzboxen sind zum Teil um ein Vielfaches größer als die Bilder selbst, denn die Werke werden darin aufgehängt, damit sie zum Beispiel auch vor Erschütterungen geschützt sind. In Lindau angekommen mussten die Bilder erst einmal einige Tage ruhen, bis sie sich an die neue Umgebung gewöhnt haben. Dass die Werke nur mit Baumwollhandschuhen angefasst werden, versteht sich von selbst. Die moderne Klimanlage im Lindauer Museum am Inselbahnhof sorgt außerdem dafür, dass die Luftfeuchtigkeit bei 55 Prozent liegt und die Raumtemperatur bei 20 Grad – so herrschen für die Kunstwerke die besten Bedingungen.

Zu den Leihgebern gehören neben der Paula-Modersohn-Becker-Stiftung die Otto-Modersohn-Stiftung und das renommierte Von der Heydt-Museum Wuppertal, das Hauptwerke von Paula Modersohn-Becker für die Lindauer Ausstellung geschickt hat. Außerdem werden auch bei dieser Sonderausstellung Bilder privater Kunstsammler zu sehen sein, die sonst nicht an das Licht der Öffentlichkeit kommen.

Auch für die wissenschaftliche Volontärin des Museums, Pia Mayer ist, nach all den Monaten am Schreibtisch das Auspacken der Werke sehr aufregend: „Es ist spannend, endlich die Originale zu sehen, dabei gibt es immer wieder Überraschungen, manchmal ist die Farbigkeit anders, manchmal habe ich mir die Ausmaße des Bildes ganz anders vorgestellt.“ Auch die Techniker des Museums, Christian Bandet, Christian Schmid und Wolfgang Kuen haben seit Wochen ihre Vorarbeit geleistet. Wände wurden in den Museumsräumen neu eingezogen und gestrichen, Verkleidungen für Monitore gebaut. Kulturamtsleiter Alexander Warmbrunn ist stolz auf sein Team: „In anderen Museen werden dafür externe Firmen engagiert, wir machen das alles selbst, und erreichen trotzdem ein Niveau, das Weltklasse hat. Und wir freuen uns auf den Moment – all diese Schätze mit unseren Besucherinnen und Besuchern teilen zu können.“

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