Betreuter Fahrdienst in Lindau ist in Gefahr

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Die Klienten aus der Wohnung abholen, ihnen ins Auto helfen, mit zum Einkaufen gehen: Das gehört beim betreuten Fahrdienst des
Die Klienten aus der Wohnung abholen, ihnen ins Auto helfen, mit zum Einkaufen gehen: Das gehört beim betreuten Fahrdienst des BRK zum Service. (Foto: Rotes Kreuz)

Der betreute Fahrdienst des Lindauer Roten Kreuzes ist in Gefahr. Der Grund: Es gibt schlicht zu wenig Kunden. „Das Defizit ist dermaßen groß, wir müssten ihn eigentlich einstellen“, sagt Susanne Übelher, die beim BRK Lindau den Kundenservice leitet.

Doch dann wären die Menschen mit Behinderung, die auf den Fahrdienst angewiesen sind, aufgeschmissen. „Sie müssten dann Taxi fahren“, erklärt Übelher. Doch zum einen gebe es in Lindau nur ein Taxi, das für Rollstuhlfahrer geeignet ist. Zum anderen leisten die Mitarbeiter des betreuten Fahrdienstes viel mehr als nur den Transport. Die jungen Männer und Frauen, allesamt im „Freiwilligen Sozialen Jahr“ (FSJ), holen ihre Klienten in der Wohnung ab, helfen ihnen die Treppe hinunter und heben sie in den Wagen, wenn das nötig ist. Sie fahren sie zum Arzttermin, zum Einkaufen oder zum Stadtbummel. „Sie gehen mit ins Geschäft und daheim tragen sie die Sachen dann in die Küche und räumen sie bei Bedarf auch ein“, so Übelher. Berechnet würden dabei nur 1,90 Euro für jeden tatsächlich gefahrenen Kilometer. Für Warte- und Einkaufszeiten verlangt das BRK nichts. Auch die Betreuungsleistung ist im Preis inbegriffen.

Auch FSJ-ler fehlen dem BRK

„Der Fahrdienst war schon immer defizitär“, sagt Übelher. Allerdings sei es seit etwa einem Jahr besonders schlimm. „Früher waren wir an einem Nachmittag mit fünf Kunden unterwegs, jetzt sind es noch 230 Fahrten übers Jahr verteilt.“ Das mache pro Arbeitstag nicht einmal mehr eine Fahrt. Im Gegensatz dazu seien die rollstuhlgerechten Fahrzeuge sehr teuer. Ein umgebauter Mercedes Sprinter, den das BRK von der „Aktion Mensch“ gesponsert bekommen hat, habe knapp 80 000 Euro gekostet. Die Gründe, warum der Fahrdienst nicht mehr so gut angenommen wird, sind laut Übelher vielfältig: „Die Fluktuation war in letzter Zeit ziemlich hoch: Manche sind gestorben, andere sind ins Heim gekommen“, sagt sie. Auch einige Gruppen, die den Dienst früher für Wochenendausflüge gebucht haben, seien weggefallen. „Außerdem glaube ich, dass viele Menschen, die den Fahrdienst brauchen könnten, gar nichts davon wissen.“ Grundsätzlich könne den Dienst jeder nutzen, der einen Behinderten-Ausweis besitzt.

Doch nicht nur die Fahrgäste fehlen dem BRK mittlerweile. „Für 2018 haben wir erst einen FSJ-ler“, sagt Übelher. Um den Fahrdienst stemmen zu können, der auch von Lebenshilfe und Sozialstation genutzt wird, braucht das Lindauer BRK allerdings vier junge Freiwillige.

Wie genau es weiter gehen soll, weiß Susanne Übelher nicht. „Aus kaufmännischer Sicht müsste man den Fahrdienst einstellen“, sagt sie. Denn den Kilometerpreis, den das BRK verlangen müsste, damit der Fahrdienst kein Minusgeschäft mehr wäre, kann sie von ihren Klienten nicht verlangen. „Wir haben ja auch einen sozialen Auftrag.“

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