Beim Nobelpreisträger macht sogar Physik Spaß

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 Physik-Nobelpreisträger Klaus von Klitzing inmitten der begeisterten Schüler bei seinem Besuch im VHG.
Physik-Nobelpreisträger Klaus von Klitzing inmitten der begeisterten Schüler bei seinem Besuch im VHG. (Foto: Denise Tatavitto)
Denise Tatavitto

Der Physik-Nobelpreisträger Klaus von Klitzing hat seine Begeisterung für die Naturwissenschaften mit Schülern aus Lindau, Friedrichshafen und Kreuzlingen (Schweiz) geteilt. Diese haben ihn auch nach der Veranstaltung mit Fragen gelöchert.

Nicht viele Menschen haben die Möglichkeit, hautnah einen Nobelpreisträger zu hören und ihm anschließend Fragen über seine Forschung und sein Leben zu stellen. Diese Chance haben einige Gymnasiasten jedes jahr in Lindau, denn im Rahmen der Nobelpreisträgertagung besuchte heuer Klaus von Klitzing, Nobelpreisträger der Physik, das Valentin-Heider-Gymnasium, um dort einen Vortrag vor Schülern zu halten.

Bereits als Student wollte Klaus von Klitzing an der Nobelpreisträgertagung in Lindau teilnehmen, wurde jedoch abgelehnt. Heute erhält der Physiker jedes Jahr eine Einladung, um genau diese Tagung zu besuchen. Im VHG teilte er seine Begeisterung mit jungen Menschen, denn darin sieht von Kitzling seine Mission.

Er selbst hegte von Kindesbeinen an eine Neugier an der Natur und vertritt heute die Ansicht, dass die naturwissenschaftlichen Fächer bereits im Kindergarten an die Kinder herangetragen werden sollten. Das sei vor allem heutzutage wichtig, denn sehr viele Menschen stellen wissenschaftliche Fakten in Frage, gerade in Bezug auf das Klima. Unter anderem US-Präsident Donald Trump leugnet, dass die globale Erwärmung langfristige Folgen hat, dabei sei das wissenschaftlich unzweifelhaft. Klaus von Klitzing lobt daher junge Menschen für ihren Einsatz durch die Fridays-for-Future-Bewegung. Er ist der Meinung, dass sich etwas ändern wird, wenn die Politik weiterhin Druck von unten bekommt.

Was seine Entdeckung mit der Definition eines Kilos zu tun hat

Von Klitzing zeigte ein Bild von sich mit einer Flasche Rotwein auf dem Tisch, aus jener Nacht im Jahre 1980, in der er seine herausragende Entdeckung machte. Durch die Entdeckung des quantisierten Hall-Effekts stellte er einen neuen elektrischen Widerstand fest, dessen Wert mit Naturkonstanten zusammenhängt. Diese Entdeckung kam für ihn sehr unerwartet und war für die Fachwelt der Physiker so neuartig, dass es kurz danach noch niemand veröffentlichen wollte. Aber bereits fünf Jahre später erhielt Klaus von Kitzling für diese Entdeckung seinen Nobelpreis.

Er findet es fantastisch, was seine Forschung für Auswirkungen hat. Erst durch ihn war es beispielsweise möglich, die bisherige Definition des Kilogramms durch eine Naturkonstante zu ersetzen. Dies war notwendig, denn aus unerklärlichen Gründen ist das Ur-Kilo – ein ein Kilogramm schwerer Metallzylinder – um 50 Mikrogramm kleiner geworden. Fünfzig Mikrogramm entsprechen zwar nur einem Spritzer Nasenspray. Doch dieses Gewicht reicht aus, um die Definition des Kilogramms zu verfälschen. Mit viel Humor und Enthusiasmus erzählte er seine Geschichte „Vom Nobelpreis zum neuen Kilogramm“ und schaffte durch Wortgewandtheit und Witz eine Atmosphäre, in der die Schülerinnen und Schüler begeistert waren und gespannt seinen Worten lauschten.

Nach seinem Vortrag konnten die Gymnasiasten, ebenso wie die Lehrer Fragen stellen. Sie interessierten sich sowohl für die Physik, als auch für sein Leben und den Nobelpreis. Nachdem ein Schüler ihn fragte, ob er den ganzen Tag über Physik nachdenke, witzelte von Klitzing: „Wenn man meine Frau fragt dann ja.“ Die Physik sei gleichzeitig sein Hobby und sein Beruf, und aus diesem Grund kreisen seine Gedanken tatsächlich viel um das Thema.

Momente des nicht Vorankommens sieht er nicht als tragisch, sondern positiv, denn wenn etwas nicht funktioniere, habe er daraus gelernt. Für ihn gibt es keine Misserfolge.

Klaus von Klitzing brennt für die Naturwissenschaften und motiviert junge Menschen, seiner Leidenschaft zu folgen. Dies gelingt ihm, da er offensichtlich zu hundert Prozent hinter dem steht, was er tut. Er appelliert, an die Wissenschaft zu glauben, und es ist ihm wichtig, dass die Leute das Wissen der Forscher ernst nehmen. Durch seine, sich selbst aufgetragene Verpflichtung, die Begeisterung für die Naturwissenschaften weiterzugeben, verbreitet er viel Herzblut. Das scheint das Geheimnis seines Erfolgs zu sein, denn der Vortrag am VHG kam bei den Schülern so gut an, dass manche Physikbegeisterten auch nach der Veranstaltung noch einige weitere Fragen rund um das Thema an ihn hatten.

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