Beim Get-Together bricht das Eis

Lesedauer: 7 Min
Die südafrikanischen Rhythmen ziehen die Gäste des Get-Togethers der Nobelpreisträgertagung schnell auf die Tanzfläche.
Die südafrikanischen Rhythmen ziehen die Gäste des Get-Togethers der Nobelpreisträgertagung schnell auf die Tanzfläche. (Foto: Isabel Kubeth de Placido)
Isabel Kubeth de Placido

Eigentlich ist das Get-Together am ersten Abend der Nobelpreisträgertagung, an dem alle Laureaten, junge Wissenschaftler, Gäste, Medien und Stifter zusammenkommen, als „Eisbrecher“ gedacht. Zumindest ab dem Zeitpunkt, wenn Gräfin Bettina Bernadotte zur Lindauer Polonaise bittet. Doch in diesem Jahr war alles anders. Denn da war die Party schon lange vor dieser Eisbrecher-Aktion in vollem Gange – dank Gastgeber Südafrika.

Schon von weitem sind Trommelklänge zu hören. Doch sie kommen nicht vom Kleinen See, wo sich vielleicht ein paar Jugendliche getroffen haben, sondern aus der Inselhalle. Dorthin strömen von allen Seiten junge Menschen mit grauen Bändeln, die sie als die jungen Wissenschaftler der Nobelpreisträgertagung ausweisen. Aus schwarzen Shuttle-Limousinen steigt der eine oder andere Nobelpreisträger. Lässig gekleidet, mit kurzärmeligem Hemd. Auch Laureat Robert Huber und seine Frau biegen um die Ecke. Das Haar vom Fahrtwind zerzaust, parken sie ihre blauen Leihfahrräder neben den Stufen zum Eingang. Von innen heraus leuchtet in großen Lettern der Geist der Tagung: Die Aufforderung „connect“. Und drinnen? Da geht die Post ab.

Denn im Foyer begrüßen vier Musiker in traditioneller Kleidung samt Federschmuck die Gäste mit mitreißenden Rhythmen und südafrikanischen Liedern. Eine riesige Traube junger Wissenschaftler hat sich vor ihnen gebildet. Zahlreiche Handys sind gezückt, um festzuhalten und durch die Welt zu schicken, was da geboten ist. Mit tosendem Applaus wird jedes Stück bedacht. Die Stimmung könnte nicht besser sein.

Kein Wunder also, dass Gräfin Bettina Bernadotte später in ihrer Begrüßungsrede unumwunden zugeben wird, dass das Eis zwischen Laureaten und jungen Wissenschaftlern, aber auch zwischen den jungen Wissenschaftlern selbst, gar nicht mehr gebrochen werden muss. Denn das ist das Internationale Get-Together eigentlich: Die „Icebreaker-Party“.

Musik verbindet – vor allem die südafrikanische

Überhaupt wird es an diesem Abend die Musik und nicht in erster Linie die Wissenschaft sein, die verbindet. Bei der südafrikanischen Nationalhymne etwa, zu der sich alle Gäste gemeinsam von ihren Plätzen an den langen Tafeln erheben. Die Tische sind mit südafrikanischen Läufern aus traditionellen Stoffen dekoriert. Umbhaco Xhosa nennt sich diese Textildruckkunst, wie Himla Soodyall vom südafrikanischen Department Science and Technology der Republik Südafrika erklärt, und die dazu anregt, sich über den Tisch hinweg mit dem Gegenüber zu unterhalten. Über die südafrikanische Wissenschaft etwa, von deren Rolle und Entwicklung der südafrikanische Minister, Blade Nzimande, in seiner Begrüßungsrede berichtete, von dem wunderbaren südafrikanischen Essen, was für sich genommen laut Himla Soodyall schon vereine, oder von der südafrikanischen Kultur in Form von Musik, von der die traditionelle Band im Foyer nur eine erste Kostprobe gegeben haben sollte. Und vor allem aber auch über die Tatsache, dass mit Südafrika zum ersten Mal seit Bestehen der Lindauer Nobelpreisträgertagung ein südafrikanisches Land der Gastgeber für diesen internationalen Abend sein darf. „This is a wow moment“, sagte Himla Soodyall euphorisch und bekam dafür einen Riesenapplaus.

Allerdings blieb dies nicht der letzte Wow-Moment des Abends. Der nächste folgte mit der Band Nomfuzi, deren Musik und Tanz und die damit ausgestrahlte Lebensfreude auf die Gäste übersprang. Brauchte es anfangs noch die Aufforderung zum Mitmachen, so saß bei der zweiten Runde kaum noch einer der Gäste auf seinem Stuhl. Und weil die Tanzfläche vor der Bühne schnell überfüllt war, tanzten die Wissenschaftler auch zwischen den Tischreihen.

Die Stimmung war unbeschreiblich und wie nicht nur Katja Merx von der Nobelpreisträgertagung bestätigte, noch nie da gewesen. Die Party hatte schon begonnen, bevor sie eigentlich erst richtig losgegangen war. Mag die Wissenschaft verbinden und gemeinsames Essen die Menschen zusammenbringen, so war es letztlich doch die Musik, die über die Nationalitäten hinweg die Menschen vereinte. Die Lindauer Polonaise, bei der ein männlicher Teilnehmer des Abends mit einer weiblichen Teilnehmerin aufeinandertrifft, um Arm in Arm die Bühne zu verlassen, hätte es als „Eisbrecher“ eigentlich gar nicht mehr gebraucht. Dennoch hatten die Gäste auch daran einen Riesenspaß. Ebenso wie an der europäischen Band, die mit bekannten Popsongs die unbeschreibliche Stimmung bis weit über das anberaumte Ende des Get-Togethers am Laufen hielt. Zeit zum Reden und zum Austausch bleibt schließlich noch die ganze Woche. Kennengelernt und „connected“ haben sich alle ja schon an diesem unvergesslichen Get-Together Abend.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen