Bei Lindauer Tagung der Kinder- und Jugendpsychotherapeuten wirbt Hans Hopf dafür, sich für die Therapie Zeit zu nehmen

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 Der renommierte Kinder- und Jugendpsychotherapeut Hans Hopf bei der ersten Tagung der Kinder- und Jugendpsychotherapeuten in Li
Der renommierte Kinder- und Jugendpsychotherapeut Hans Hopf bei der ersten Tagung der Kinder- und Jugendpsychotherapeuten in Lindau. (Foto: Christian Flemming)
cf und Christian Flemming

Mit Hans Hopf hat die Vorsitzende der KIKT-Akademie Gabriele Meyer-Enders einen renommierten Kinder- und Jugendtherapeuten gewinnen können. Er habe ihre Arbeit und das kleine Institut stets helfend begleitet hat, wie sie bei dessen Vorstellung erzählte.

Hopf nahm sich die psychodynamischen Therapien bei Kindern und Jugendlichen vor. Er stellte die analytische und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie einander gegenüber, beschrieb das szenische Geschehen mit Sprache, Spiel und Traum, die Gestaltung der Psychodynamik eines Kinders und eines jugendlichen. Darüber hinaus ging er auf den Rahmen und seine Gefährdungen im digitalen Zeitalter ein und abschließend referierte er über Abstinenz und Neutralität, Übertragung und Gegenübertragung.

Hopf kann da aus einem tiefen Erfahrungsschatz schöpfen: Ursprüngliche Lehrer, schwenkte der Mann um auf die analytische Kinder- und Jugendtherapie, in der er seit über drei Jahrzehnten aktiv ist, sich aber bald in den Ruhestand zurückziehen will mit knapp 77 Jahren.

Hopf beschrieb unter anderem die Ziele bei der analytischen und der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie. Seien im erstgenannten Therapietyp die Symptomreduktion und die strukturelle Veränderung vorrangig, strebe die tiefenpsychologisch fundierte Therapie eine Entwicklungsförderung an: Sie wolle das Ich stärken, eine reifere Realitätsbewältigung fördern und so eine Symptomreduktion bewirken.

Dabei sei einer der Hauptvorwürfe an die psychoanalytische Therapie, dass sie zu lange dauern würde. Er beantwortete dies humorig mit einem Cartoon, in dem der Therapeut zum Patienten sagt, beide bereits auf einer Wolke schwebend: „Hören Sie auf zu meckern, 23 000 Jahre Psychoanalyse ist absolut nicht übertrieben lange!“ Umgekehrt laute der Vorwurf an die tiefenpsychologisch fundierten Therapeuten: „Alles geht irgendwie.“

Doch so lustig ging es in Hopfs Vortrag nicht weiter. Denn anhand einiger Fallbeispiele zeigte der Referent auf, hinter welchen Träumen sich Dramen verbergen könnten. „Wir wissen heute, wie Traumata behandelt werden können, aber der Weg ist lang“, so Hopf. Es brauche Zeit, zu beobachten und aus Kinderinterpretation Rückschlüsse ziehen zu können. Auch am Spiel lasse sich viel herauslesen. Bei Jugendlichen werde es nicht einfacher, gerade bei Träumen. Zwischen sagen und nichts sagen klafften oft Welten, so Hopf.

Klarer Umgang auch mit jungen Patienten wichtig

Er warnte davor, dass Therapeuten versuchten, sich auf die Ebene der Jugendlichen zu begeben, um sich deren Sympathie zu versichern. Ebenso sei ein bestimmter Rahmen im Umgang miteinander notwendig, auch wenn er die Gefahr von Zwang und Chaos berge. Aber in Zeiten von Digitalisierung sei es unumstößlich, dass beispielsweise ein Smartphone während einer Sitzung nichts im Raum verloren habe.

Zum Thema Abstinenz, die oft belächelt oder mit Kälte verwechselt würde, fand er mahnende Worte. Neutralität solle Patienten vor Einflussnahme und Manipulation seitens des Therapeuten schützen. Hopf warnte zudem eindringlich vor Kommunikation mit Patienten oder deren Eltern außerhalb der Behandlung, etwa per E-Mail, denn das könne im Zweifel gegen den Therapeuten verwendet werden. Er schloss mit den Worten: „Der Wunsch nach schnellen Lösungen ist immer da. Aber nehmen Sie sich Zeit und fragen Sie sich, ob alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind.“ Es müssten ja nicht gleich 23 000 Jahre werden.

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