Baustelle und Verkehr behindern in Lindau die Rettungskräfte

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Absolutes Chaos herrscht am Sonntagnachmittag an der Baustelle Thierschbrücke.
Absolutes Chaos herrscht am Sonntagnachmittag an der Baustelle Thierschbrücke. (Foto: Christian Weixler)

Sobald am Wochenende das Wetter schön ist, ist das Chaos auf der Insel perfekt. Das liegt zum einen an der Baustelle um die Thierschbrücke, zum anderen aber auch an Autofahrern, die Umleitungsschilder einfach ignorieren. Doch ist die einspurige Behelfsbrücke erst einmal dicht, dann kommen Feuerwehr und Rettungsdienst nicht mehr so einfach auf die Hintere Insel oder zum Bahnhof.

„Die Anfahrt gestern hat uns große Probleme bereitet“, sagt Kommandant Max Witzigmann am Montag. Gegen 14 Uhr musste die Feuerwehr am Sonntag ausrücken, weil ein Boot im Lindauer Hafen zu sinken drohte. „Es war sehr stressig, dort hin und wieder zurück zu kommen.“

Denn zu diesem Zeitpunkt hatte sich um die Thierschbrücken-Baustelle bereits von beiden Seiten Stau gebildet. Er reichte auf der einen Seite bis zum Parkplatz auf der Hinteren Insel, auf der anderen Seite teilweise bis zum Europaplatz.

An den Hafen hat es die Feuerwehr schließlich, wenn auch langsam, geschafft. Größer wird das Problem, wenn die Einsatzkräfte bei einer solchen Verkehrslage auf die Hintere Insel müssen. „Wir würden wie alle anderen stehen“, sagt Witzigmann. „Wir müssten erst absperren und uns dann Platz schaffen.“ Denn einen anderen Weg, um auf die Hintere Insel zu kommen, gibt es für die Rettungsfahrzeuge nicht.

Dass durch das Verkehrschaos um die Baustelle wichtige Zeit verloren geht, weiß auch Rettungsdienstleiter Frank Grundkötter. Er wollte vor einiger Zeit mit Blaulicht auf die Hintere Insel fahren. „Ich musste erst auf den Gegenverkehr warten“, sagt er. Denn von der anderen Seite der Brücke würden ihn die Autofahrer weder sehen noch hören.

Autofahrer ignorieren die Schilder

Außerdem dauert alles meist noch viel länger, wenn sich Autos auf der einspurigen Behelfsbrücke begegnen. Passiert ist das laut Verkehrspolizist Daniel Stoll mal wieder am Sonntag. „Es war einfach zu viel los“, sagt er.

Dazu komme, dass viele Autofahrer das „Durchfahrt-Verboten“-Schild, das mittlerweile in der Zeppelinstraße stadtauswärts angebracht ist, einfach ignorieren und trotzdem in Richtung Thierschbrücke oder in Richtung Festland durchfahren. Dabei sollen alle Fahrzeuge, die kürzer als zehn Meter sind, die Umleitungsstrecke über die Ludwigstraße und den Reichsplatz nehmen. Laut Stoll haben Arbeiter die Beschilderung dort mittlerweile so verbessert, dass sich auch auswärtige Fahrer zurechtfinden können.

„Am Wochenende mussten die Autos an der Baustelle teilweise mehr als eine Stunde warten“, sagt der Polizist, der sich am Montagvormittag zum Kontrollieren auf der Zeppelinstraße positioniert hat. Wie viele Autos er dabei zum Umdrehen auffordern musste, hat er nicht gezählt. „Es waren viele.“


Wie viele Autofahrer Verkehrspolizist Daniel Stoll am Montagmorgen zum Umdrehen auffordert, kann er überhaupt nicht zählen.
Wie viele Autofahrer Verkehrspolizist Daniel Stoll am Montagmorgen zum Umdrehen auffordert, kann er überhaupt nicht zählen. (Foto: Julia Baumann)

Der große Parkplatz auf der Hinteren Insel sei verkehrstechnisch an einer blöden Stelle, räumt Jürgen Widmer, Sprecher der Stadt, ein. Doch auch er ärgert sich über das Verhalten einiger Autofahrer an der Baustelle: So würden Linksabbieger aus der Zeppelinstraße diejenigen blockieren, die von der Behelfsbrücke aus dort einfahren wollen. „Andere verschieben die Bauzäune, um auf der Baustelle zu parken“, sagt er. Wieder andere, hauptsächlich Zweiradfahrer, versuchten, über den Mittelstreifen schneller voran zu kommen. Einen kleinen Lichtblick prophezeit Widmer für Mitte kommender Woche. „Wir hoffen, dass wir dann den Kreisverkehr an der Thierschbürcke öffnen können.“ Das werde die Lage entspannen.

Doch bis dahin bleibt die Baustelle ein nicht zu unterschätzender Zeitfaktor. Dabei sind auf der Hinteren Insel gerade an schönen Tagen jede Menge Menschen unterwegs. „Da kann alles passieren“, so Rettungsdienstleiter Grundkötter, der zurzeit neben der Thierschbrücke noch jede Menge andere Baustellen im Blick behalten muss. Dazu gehört die Kolpingstraße ebenso, wie die gesperrte B 31 bei Kressbronn. „Es gibt natürlich einen Interessensunterschied zwischen Bauherren und Rettungsdienst“, sagt Grundkötter, der zu den Baumaßnahmen der Stadt eine Stellungnahme abgeben kann. Aber schließlich seien die Baustellen ja auch alle nötig. „Und es gibt eben keine hundertprozentige Sicherheit im Leben, auch nicht für den Notfall.“

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