Baubeginn beim Cavazzen ist noch offen

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Wann die Bauarbeiten für die Sanierung des Cavazzens beginnen, ist noch völlig offen.
Wann die Bauarbeiten für die Sanierung des Cavazzens beginnen, ist noch völlig offen. (Foto: Archiv: rue)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Vorstand ist wiedergewählt

Sehr zufrieden sind die Mitglieder des Fördervereins Cavazzen offensichtlich mit dem Vorstand.

Vorsitzender Winfried Hamann und Kassierer Peter Lütke blickten auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Bisher hat der Verein knapp 140 000 Euro für die Sanierung gesammelt. Laut Hamann kam das Geld insgesamt von 394 Spendern. Als Ziel hatte der Vorstand schon vor einer Weile eine halbe Million genannt, die aus der Bürgerschaft für den neuen Cavazzen kommen sollen.

Für die guten Zahlen gab es zuerst Beifall. Dann wählten die Mitglieder einstimmig den Vorstand erneut ins Amt. Winfried Hamann bleibt Vorsitzender, Werner Berschneider Stellvertreter. Peter Lütke bleibt Kassierer, Barbara Reil Schriftführerin. (dik)

Die Planung für den Umbau des Cavazzen schreitet voran. Doch derzeit kann das Bauamt noch nicht sagen, wann die Arbeiten wirklich beginnen. Möglichst soll es im kommenden Jahr losgehen, doch näher will sich Hochbauamtsleiter Hilmar Ordelheide dazu erst in einem Monat äußern. Das sagte er am Montag bei der Hauptversammlung des Fördervereins Cavazzen.

Mehr als 60 Lindauer wollten Neues zu dem Großprojekt erfahren, dessen Umgang Fachleute derzeit auf knapp 20 Millionen Euro schätzen. Doch der Dresdner Architekt Martin Fink war kurzfristig verhindert. Deshalb berichteten Ordelheide und Museumschefin Barbara Reil über den Stand der Planungen.

Gute Nachrichten hatte Ordelheide vom Depot, dessen Bau im Lehmgrubenweg im zeit- und Kostenplan liege. Der zweistöckige Zweckbau mit hohem Standard bei Sicherheits- und Klimatechnik soll im Herbst fertig werden, damit die Schätze aus dem Cavazzen umziehen können. Das Stadtmuseum ist bekanntlich seit Ende Mai geschlossen, so dass Reil und ihre Mitarbeiter Gegenstände erfassen, dokumentieren und verpacken.

Baufachleute nehmen währenddessen schon seit Herbst das Barockgebäude gründlich unter die Lupe. Ordelheide berichtete, dass nicht nur die Fassade genau untersucht ist, auch Wände und Böden wurden geöffnet, ebenso der Boden unter dem Cavazzen. Denn je gründlicher man die historische Bausubstanz erfasst habe, desto besser könne man deren Erhalt planen. So ist im Dachstuhl jeder einzelne Balken vermessen, erfasst und in ein Computerprogramm eingegeben.

Grundsätzlich gehe es darum festzustellen, welche Wände, Balken und andere Bauteile aus der Bauzeit um 1730 stammen und was später eingebaut wurde. Im Stadtarchiv aufbewahrte bis zu 200 Jahre alte Pläne helfen dabei. Zudem hat eine Bauhistorikerin das Gebäude daraufhin genau untersucht. Ordelheide berichtet, dass die Arbeiter jetzt in Böden und Wänden neben Tierzähnen auch Schuhe oder Flaschen gefunden haben, die Bauarbeiter dort irgendwann mal entsorgt hatten.

Erst wenn die Fachleute wissen, welche Teile sie abbauen dürfen, weil diese nicht historisch und nicht tragend sind, und wenn klar ist, wo Schimmel, Pilzbefall oder andere Schäden auszubessern sind, kann die genaue Planung der Sanierung beginnen. In Teilen sind schon jetzt unangenehme Dinge ans Licht gekommen. „Das wird sehr, sehr, sehr hohen Aufwand benötigen“ und werde entsprechend teuer, sagt Ordelheide zu manchen „Holzstapeldecken“, die seit Jahrzehnten von Trockenfäule befallen sind.

Genau kann man das aber erst sagen, wenn das Museum leergeräumt ist. Denn so lange dort noch Möbel und andere Schütze stehen, ist eine wirklich systematische Untersuchung des Mauerwerks und der Böden und Decken nicht möglich.

Ordelheide zeigte auch Pläne und Schnitte des Gebäudes, in dessen mittelalterlichen Kellergewölbe ein Gastronomie- und Veranstaltungsraum entstehen soll. Auch im Erdgeschoss soll die Gastronomie mehr Platz erhalten. Umstritten ist nach wie vor die am Eingang geplante Rampe, die gehbehinderten Menschen und Eltern mit Kinderwagen den Eintritt erleichtern soll. Die Entscheidung darüber werde letztlich entweder der Projektausschuss oder der Stadtrat insgesamt treffen müssen, kündigte Ordelheide an.

Planung des Stadtmuseums steht erst ganz am Anfang

Die Planung des künftigen Stadtmuseums steht erst ganz am Anfang, wie Museumsleiterin Reil berichtete. Seit Ende des vergangenen Jahres steht fest, dass das Berliner Museumsplanungsbüro Duncon McCauley den Auftrag übernehmen wird. Klar ist, dass das Museum alle wichtigen bereiche der Stadtgeschichte darstellen soll. Das betrifft Mittelalter ebenso wie Reformation, 30-jähriger Krieg, Hafenausbau oder Tourismus. Die Nobelpreisträger sollen ebenso einen Raum bekommen wie die Lindau im Nationalsozialismus und der Lindauer Bote.

Dabei werde es Räume geben, die durch die Kunstgegenstände wirken. Wenn diese fehlen, wie beim Lindauer Boten, werde man moderne Medien einsetzen. Da das Stadtmuseum für Kinder ebenso interessant sein soll wie für Eltern, werde es auch viel geben, wo sich was bewegt, wo man was anfassen oder anschauen und hören kann. Auf diese Weise soll das Museum auch für Menschen mit körperlichen Einschränkungen geeignet sein.

Kulturamtsleiter Alexander Warmbrunn machte angesichts Bedenken einzelner Lindauer deutlich, dass man den historischen Barockbau sicher nicht mit lauter Medien zubauen werde: „Das wichtigste Ausstellungsobjekt ist der Cavazzen selber.“ Und da werde der Bau sicher gewinnen, denn Keller und Dach seien bisher ja gar nicht zugänglich gewesen.

Vorstand ist wiedergewählt

Sehr zufrieden sind die Mitglieder des Fördervereins Cavazzen offensichtlich mit dem Vorstand.

Vorsitzender Winfried Hamann und Kassierer Peter Lütke blickten auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Bisher hat der Verein knapp 140 000 Euro für die Sanierung gesammelt. Laut Hamann kam das Geld insgesamt von 394 Spendern. Als Ziel hatte der Vorstand schon vor einer Weile eine halbe Million genannt, die aus der Bürgerschaft für den neuen Cavazzen kommen sollen.

Für die guten Zahlen gab es zuerst Beifall. Dann wählten die Mitglieder einstimmig den Vorstand erneut ins Amt. Winfried Hamann bleibt Vorsitzender, Werner Berschneider Stellvertreter. Peter Lütke bleibt Kassierer, Barbara Reil Schriftführerin. (dik)

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