Bauamt, Bauhof, Gärtnerei neben Lindauer Kläranlage bleiben umstritten

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So ähnlich könnte der umstrittene Neubau für Tiefbauamt, Bauhof und Stadtgärtnerei neben der Kläranlage ausschauen.
So ähnlich könnte der umstrittene Neubau für Tiefbauamt, Bauhof und Stadtgärtnerei neben der Kläranlage ausschauen. (Foto: Repro: dik)
Redaktionsleiter

Ob Lindau für Tiefbauamt, Bauhof und Stadtgärtnerei ein neues Gebäude neben die Kläranlage baut und die alten Grundstücke zu Bauland macht, wird der Stadtrat erst Ende Juni entscheiden. Die Meinungen dazu sind im Stadtrat weiter geteilt, wie eine Diskussion am Mittwochabend im Werkausschuss der Garten- und Tiefbaubetriebe (GTL) gezeigt hat.

Für die Befürworter ist die Sache klar: Der Neubau ist sinnvoll, damit die Mitarbeiter der GTL auf einem Gelände zusammengefasst sind. Das verbessert die Zusammenarbeit und führt auch zu Einsparungen. Den Neubau halten die Befürworter außerdem für gut, weil die GTL-Mitarbeiter moderne Arbeitsbedingungen erhalten. allerdings kann die Stadt den Platzbedarf auch den Erfordernissen anpassen und Zusammenarbeit erzwingen.

Außerdem könnte die Stadt das Bauhofgelände am Bleicheweg, aber auch den schon bisher bebauten Teil des Grundstücks der Stadtgärtnerei zu Bauland machen. Das helfe gegen den Wohnungsmangel und spüle Geld auf die Konten der Stadt. Das wolle man zum Schuldenabbau verwenden, sagte Kämmerer Felix Eisenbach.

Er rechnete den Räten vor, dass die Stadt in der Folge deutlich sparen würde, und das, obwohl die GTL keine Miete mehr für die bisher genutzten Räume überweisen würde. Weil aber auch Tilgungen und Zinszahlen für Kredite wegfallen, würde Lindau nach vier Jahren den vollen Effekt spüren und jedes Jahr 350 000 Euro sparen.

Auch für die GTL wäre der Umzug in einen Neubau vorteilhaft, hatte Geschäftsführer Kai Kattau bereits im vergangenen Jahr vorgerechnet. Damals hatte er von 60 000 Euro gesprochen, welche die GTL weniger aufbringen müsste, wenn sie den Neubau finanzieren, aber keine Mieten mehr zahlen müsste. Weitere Pachteinnahmen verspricht sich Kattau von einem Parkhaus, das Continental auf dem GTL-Gelände für seine Mitarbeiter bauen will.

Die Schätzungen hinsichtlich der Kosten seien gut, berichtete Kattau am Mittwoch im GTL-Werkausschuss. Denn die Mitarbeiter hätten ein genaues Raumprogramm erarbeitet, das die beauftragte Firma Nething Generalplaner in ein architektonisches Konzept übertragen und dafür Kosten berechnet haben. Demnach soll der Neubau 12,4 Millionen Euro kosten, wobei acht Prozent Kostensteigerung berechnet sind. Das halten die Fachleute für ausreichend, weil die Risiken bei einem Neubau am Stadtrand geringer seien als bei Sanierungen von Inselhalle oder Cavazzen, wo es ständig Überraschungen gibt.

Kattau betonte zudem, dass man die Kosten sicher halten und den Auftrag deshalb an einen Totalunternehmer vergeben wolle. Damit habe man bei der Feuerwache gute Erfahrungen gemacht. Wenn Lindau sich dabei zeitlich flexibel verhalte, könne man einen guten Preis erzielen.

Dem stimmte mit 6:5 Stimmen eine Mehrheit im Ausschuss zu. Dass die Stadt das Parkhaus selbst baut, hält OB Gerhard Ecker angesichts der finanziellen Belastungen aber wie beim Beverplatz für ausgeschlossen. Conti habe aber schon angeboten, dass die Stadt das Parkhaus an Wochenenden und Feiertagen als Auffangparkplatz am Stadtrand nutzen könne. Kosten müsse man vertraglich regeln.

Räte warten auf ein Gutachten zum Wert der alten Grundstücke

Jürgen Müller (LI) und Roland Freiberg (BU) sprachen sich erneut gegen den Neubau aus. Sie fürchten, dass Lindau sich mit einem weiteren großen Bauprojekt übernimmt. Auch die GWG habe genug Bauprojekte in der Planung, um bezahlbare Wohnungen zu schaffen. Zudem bekomme man schon heute oft kaum oder nur zu hohem Preis Baufirmen in Lindau. Beide fürchten deshalb Mehrkosten und bezweifeln Einsparungen bei den GTL.

Auch die Bunten halten den Neubau angesichts anderer Großbaustellen für nicht dringlich, wie Matthias Kaiser sagte. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse ist er aber sicher, dass der Stadtrat im Juni den Neubau beschließen wird. umso wichtiger sei ein nachhaltiges Energiekonzept, denn dazu liegt bisher noch gar nichts vor. Außerdem fordern die Bunten, dass die Stadt im Parkhaus Gebühren festlegen soll. Die Parkplätze sollte man so ausstatten, dass dort später auch Elektroautos stehen können, denn E-Motoren werde es bald auch für Nutzfahrzeuge geben.

Während Martin Rupflin (FB) Einsparungen bei der Architektur gefordert hatte, will Kaiser ein „architektonisches Highlight“ am Stadteingang.

Vor dem Baubeschluss wird noch ein Gutachten fertig, denn ein Fachmann berechnet den Wert der Grundstücke von Bauhof und Stadtgärtnerei. Nur wenn Lindau dafür tatsächlich – wie bisher geschätzt – mindestens zehn Millionen Euro erösen kann, will der Stadtrat den Bau des Projekts beschließen. Daran hat Mathias Hotz (JA) keinen Zweifel. Er verwies auf den jüngst auch in der LZ wieder nachgewiesenen Wohnungsmangel und hält jedes Grundstück für nötig, auf dem die GWG bauen kann.

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