Bürgerinnen treffen Politikerinnen

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Bürgerinnen treffen Politikerinnen
Bürgerinnen treffen Politikerinnen (Foto: Landratsamt Lindau)
Lindauer Zeitung

Über die Hälfte der wahlberechtigten Deutschen sind Frauen. Trotzdem sind diese in den kommunalen Gremien, auch im Landkreis Lindau, unterproportional vertreten. Deshalb hat die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Lindau, Ursula Sauter-Heiler, zu einer offenen Gesprächsrunde in Lindau eingeladen und allen interessierten Bürgerinnen die Möglichkeit gegeben mit den Kreis- und Stadträtinnen persönlich ins Gespräch zu kommen. Etwa 30 Frauen und zwei Männer sind laut Pressemitteilung des Landratsamts Lindau der Einladung ins Weingut Teresa Deufel gefolgt und haben sich mit den Kommunalpolitikerinnen über ihre Arbeit ausgetauscht.

„Die Demokratie ist weiblich, sagt ein Mann“, mit diesen Worten von Sebastian Krumbiegel (Prinzen-Frontmann) eröffnete die Gleichstellungsbeauftragte und Moderatorin des Abends, Ursula Sauter-Heiler, die offene Gesprächsrunde mit den Rätinnen.

Motivation fehlt

Die Politikerinnen standen Rede und Antwort über ihre Motivation, Politik zu machen und wie ihr politisches Interesse geweckt wurde. Außerdem war der geringe Frauenanteil in den kommunalen Gremien und die Schwierigkeit Nachwuchs zu finden ein großes Thema an diesem Abend. „Es ist sehr schwierig, Frauen zu motivieren ein politisches Amt zu übernehmen“, sagt Ursula Sauter-Heiler.

Als mögliche Gründe hierfür wurden unter anderem die ständige Veränderung der Lebenssituation genannt, die eine feste Bindung an ein Ehrenamt erschwert, aber auch das Scheitern vieler Frauen an den politischen Rahmenbedingungen. Kontrovers diskutiert wurde, dass die Rahmenbedingungen durch Männer geprägt sind und deshalb viele Frauen abgeschreckt werden.

„Frauen sollten sich auch nicht auf den Sozialbereich reduzieren lassen, sondern andere Themen wie Haushaltausschuss und Bauausschuss besetzen und nicht davor zurückscheuen“, meint die stellvertretende Landrätin Barbara Krämer-Kubas, die früher auch im Stadtrat saß.

Wie gut sich ein Ehrenamt auf die private Situation auswirken kann, erzählte eine Teilnehmerin, der es gerade nach Umzügen geholfen hat, in den politischen Gruppierung eine geistige Heimat und Sozialkontakte zu finden.

Um Frauen den Einstieg in ein Ehrenamt zu erleichtern, sei es besonders wichtig, dass es nicht nur ausreichend Betreuungsangebote gebe, sondern auch die Politiker verbesserte Rahmenbedingungen wie beispielsweise Verkürzungen der Sitzungszeiten schafften und die Arbeitgeber mit einer flexiblen Arbeitszeitregelung auf die Arbeitnehmerinnen eingingen, waren sich die Teilnehmer an diesem Abend einig. „Nur wer in den politischen Gremien aktiv ist, hat die Chance auf schlechte Bedingungen aufmerksam zu machen und Verbesserungen anzuregen“, so das Abschlussfazit der Moderatorin der offenen Gesprächsrunde.

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