Bärtige Wikinger gewinnen das 6. Internationale Seehafenfliegen

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Die Schweden haben vor Jahrhunderten Lindau nicht einnehmen können - die Wikinger durften jetzt jedoch beim 6. Seehafenfliegen i (Foto: Susi Donner)
Susi Donner

Das 6. Lindauer Seehafenfliegen dürfte als das bisher heißeste in die Geschichte eingehen. Bei über 35 Grad schwitzen Publikum und Fliegerteams. Gegen halb startet das erste Team – nachdem einige Male „Schiffsverkehr“ von Herbert Grönemeyer aus dem Lautsprecher erklungen ist. Denn solange die Ausflugsdampfer in den Hafen einfahren, darf nicht geflogen werden.

Dann aber geht es ohne schlimmere Verzögerungen durch die Flugshows: Das Drachenschiff bäumt sich kurz auf, der Bug schleift über die Rampe und durch den Druck fetzt es den Drachenkopf weg. Kopflos startet das Wikingerschiff der Frankonia Wikins in seinen kurzen spektakulären Flug ins Hafenbecken. Der Aufprall auf dem Wasser reißt es in zwei Stücke.

Pilot Martin, selbst im Blindflug, weil ihm sein Wikingerhelm übers Gesicht gerutscht ist, rappelt sich sofort auf, entert den Bug des Schiffes, an dem noch die Wikingerfahne weht und reißt die Arme hoch, als wüsste er es schon: Das war der Siegerflug.

Und neidlos werden die Entscheidung von Publikum und Jury auch alle anderen Teams anerkennen: Diese verrückte Truppe aus dem Frankenland, die sich seit August 2011 extra für das Seehafenfliegen die Bärte wachsen ließ, ein tolles Flugobjekt gebaut und eine klasse Show abgeliefert hat, hat den Sieg in der Gesamtwertung verdient.

Mit Sirtaki und griechischem Uso haben sich die Himmlischen Fußballgötter aus Hege-Bodolz auf den zweiten Platz getanzt. Auf die Idee muss man erst Mal kommen, eine ganze Akropolis im Hafenbecken zu versenken. Dabei ist sie nur symbolträchtiger Hingucker für die Botschaft der Himmlischen Fußballgötter: Sie steht für den Pleitegeier, der viele Länder Europas umkreist, weil, so das Team, frei nach Aristoteles „das Denkvermögen vieler politischer Entscheidungsträger“ geringer sei, als das eines Kindergartenkindes.

Also rein mit der Akropolis in den Bodensee und ran mit dem Aufschwung für Europa. Pilot PapaHeBolus thront mutig, in luftiger Höhe auf der Himmelstreppe und in starkem Sinkflug, mit wehenden Fahnen, geht es abwärts. Dieses Gesamtkunstwerk bringt die Himmlischen Fußballgötter auf Platz zwei der Wertung.

Fast spritzfrei und beinahe unversehrt sticht die Flying Dutchman vom Abenteuerpark Kressbronn in See. Bruchpilot Björn Mocsnek taucht etwas verwundert unter seinem Flugobjekt auf, um dann zum Jubel anzusetzen. Wenn auch der Schwerpunkt des fliegenden Schiffes deutlich zu weit vorn lag – das Team landet auf Platz drei in der Gesamtwertung und werden sogar Sieger in der Einzelwertung bestes Flugobjekt.

Beinahe den Traum vom Fliegen darf Fledermauspilot Jürgen Zimmerer-Meister vom Team Hüttengaudi erleben: Die Fledermaus hebt von der Rampe ab, der Pilot breitet die Arme aus, und beinahe denkt man – jetzt, jetzt fliegen sie einfach weiter. Doch da setzt sie sanft und weich auf der Wasseroberfläche auf. Jury und Zuschauer sagen: Das ist der beste Flug.

Ein verrücktes Spektakel führen die Tiefflieger aus Zuffenhausen auf: Da werden Römer verhauen, Miraculix, der Magier, rührt in einem riesigen goldenen Kessel, mit dem er dann im exakt selben Stil und der gleiche Flug- und Landeposition, wie vor zwei Jahren das fliegende Piano, im Hafenbecken und auf dem Siegertreppchen für die beste Show landet.

Das Schlusslicht der Veranstaltung macht das Quietscheentchen vom Team Seechat. Im vergangenen Jahr hat Pilot Nils Leenen einen Schwan zum Sieg geflogen. Eindeutig kann man sagen: die Shows der Flugteams werden immer aufwändiger und die Flugobjekte ausgefeilter. Schade nur, dass die originellen Bauwerke eine so kurze Halbwertszeit haben.

Aber der Spaß, den die Teams während der Vorbereitungszeit und beim Seehafenfliegen haben, der der sei „unvergänglich“, so versichert Timo Fritz vom Team Kältefritz, das sein UFO (Unternützes Flugobjekt) der Größe wegen gerade noch so starten konnte. Den tieferen Sinn des Seehafenfliegens bringt Tarkan Tekin, Juror und Geschäftsführer der Lindauer Zeitung, auf den Punkt: Im Ehrenamt wird hier ganz viel für die Jugend der beteiligten Vereine bewegt. Und das mit einem enorm hohen Spaßfaktor, der weit in die Region ausstrahlt.

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