Auf Hundertwassers Spuren

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Christian Flemming

Die Schülerworkshops, die als museumspädagogische Ergänzung der Sonderausstellungen seit Jahren große Erfolge feiern, haben nun auch zur Hundertwasser-Ausstellung begonnen. Da der Cavazzen zu ist, kommt nun erstmals ein so genannter „Art Cube“ zum Einsatz.

Wie Kulturamtsleiter Alexander Warmbrunn bereits festgestellt hatte, waren auch jene Rahmenveranstaltungen eine Entscheidungshilfe oder ein Entscheidungsgrund, die Sonderausstellungen nach Schließung des Stadtmuseums weiterzuführen. Räumlichkeiten für die Ausstellung waren bereits gefunden, allein fehlten die Räume für die Workshops.

Da zeigte sich die Stadtbücherei sehr entgegenkommend. Hinten im Erdgeschoss wurde ein Raum freigeräumt, in dem Workshops stattfinden können, das aber genügte nicht. Angesichts der Tatsache, dass bei den vergangenen Ausstellungen von August Macke und Paul Klee weit mehr als 200 derartige Veranstaltungen und Schülerführungen gebucht waren, mussten die Verantwortlichen eine weitere Lösung finden. So fiel schließlich der Gedanke, einen Container in den Hof zur Stadtbücherei zu stellen. Mit der Firma Rhomberg wurde auch bald ein Sponsor gefunden, Walter Heinz Rhomberg und sein deutscher Geschäftsführer Joachim Nägele ließen einem Bürocontainer eine Verjüngungs- und Verschönerungskur zukommen, der nun bis zu 25 Workshopteilnehmern Platz bietet. Zugegeben: Bei dieser Anzahl ist der Doppelcontainer dann auch richtig voll.

Lösung für Sommer muss her

Der Container bietet eine Heizung, Stromanschlüsse und viel Licht, das das Ambiente eines Künstlerateliers verbreitet und das Arbeiten erleichtern soll. „Für den Sommer, wenn es richtig heiß werden sollte, müssen wir noch eine Lösung finden“, räumt Elisabeth Olberz, die wissenschaftliche Volontärin des Kulturamtes, die ihre ganze Energie seit September in die Ausstellung gesteckt hat, ein. Was auch noch fehle, sei ein direkter Wasseranschluss, aber dieses Problem kennen die Kunstvermittler aus dem Cavazzen noch bestens. So behelfen sie sich im „Art Cube“ derzeit mit Wasserkanistern.

Bis jetzt wurden bereits 95 Schülerworkshops und -führungen zu Hundertwasser gebucht, und das nach gerade mal fünf Tagen Hundertwasserausstellung, freut sich Sylvia Wölfle. Die Buchungen und Anfragen sind nicht nur auf den Lindauer Raum beschränkt, die Ruf der Workshop-Qualitäten ziehe immer weitere Kreise. So kommen die Teilnehmer neben Deutschland aus Österreich, der Schweiz, selbst aus Frankreich kamen bereits konkrete Anfragen.

Besondere Formen

Eine der ersten Klassen sind die Siebt-, Acht- und Neuntklässler der Freien Schule, die sich von Kunstvermittlerin Mireille Baumberger in der Ausstellung zunächst in die Farben- und Formenwelt Friedensreich Hundertwassers führen lassen, ebenso in die Gedankenwelt, was das Bauen von Häusern und Straßen betrifft. Ausgerüstet mit Stift und Papier, nehmen die über 20 Jugendlichen Formen auf, die sie besonders beeindrucken oder inspirieren und übertragen sie auf ihr Blatt. Denn damit werden sie im „Art Cube“ anschließend selbst arbeiten und malerisch auf Hundertwassers Spuren wandeln.

Im „Art Cube“ angekommen, zeigt Mireille Baumberger, wie die Monotypie funktioniert. Dazu trägt sie mit einer kleinen Walze eine ölhaltige schwarze Farbe auf eine Glasplatte, darauf wird ein weißes Blatt Papier gelegt. Nun dürfen die Nachwuchskünstler vorsichtig mit Bleistift ihre Formen oder reine Auswahl davon auszeichnen. Vorsichtig deshalb, weil die zeichnende Hand nicht auf das Papier gelegt werden sollte, da dies sonst auf dem schwarzen Untergrund durchschlägt. Denn die Bleistiftzeichnung ist nur die Vorlage zu dem, was anschließend auf der bisherigen Rückseite, die auf dem Schwarz liegt. Wer es schafft, zeichnet auch gleich seinen Namen spiegelverkehrt auf das Blatt, damit ist es dann richtig signiert.

Nun geht es ans Kolorieren der Formen, seien es Gartenzäune, Spiralen, Hüte oder Lippen. Baumberger erinnert immer wieder daran, dass Hundertwasser gerne Komplementärfarben nebeneinander platzierte, also gelb neben blau, rot neben grün, das erzeuge eine intensive Spannung, erklärt sie den Jugendlichen, die die Tipps gerne aufnehmen und konzentriert bei der Sache sind, Mädchen wie Jungen. Es kann also durchaus cool sein, zu malen. Fast logische Konsequent Baumbergers: „Ich werde die Zeit überziehen“, kündigt sie an und erntet keinerlei Protest.

„Wir müssen uns hier noch etwas einleben, am Anfang ist da noch einiges an Improvisationstalent gefragt, aber das ist normal“, sagt Mireille Baumberger über das Leben im "Art Cube". Sie freut sich schon darauf, wenn Kindergartenkinder in kleineren Gruppen den Würfel bevölkern, da ist dann richtig Platz. Jetzt aber geht es für sie erst einmal daran, die Glasplatten in der richtigen Reihenfolge einzusammeln und zu stapeln, damit sie nicht von beiden Seiten eingeschwärzt sind.

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