„Auf einen großen Schatz zurückgreifen“

Lesedauer: 6 Min
 Wunschkandidatin und Traumjob: Maja Dornier (links) freut sich, dass der „Besuchsdienst für Kranke und Sterbende“ mit Susanne B
Wunschkandidatin und Traumjob: Maja Dornier (links) freut sich, dass der „Besuchsdienst für Kranke und Sterbende“ mit Susanne Brillisauer jetzt eine Koordinatorin hat. (Foto: Isabel de Kubeth de Placido)
Isabel Kubeth de Placido

Der Tod gehört zum Leben dazu. Dass diese oft vergessene Wirklichkeit wieder mehr im Denken der Gesellschaft Platz findet, dazu trägt nun auch Susanne Brillisauer bei. Als neue Koordinatorin beim ambulanten Hospizverein „Besuchsdienst für Kranke und Sterbende“ ist sie diejenige, die dabei hilft, dass Menschen ihre letzte Lebenszeit zu Hause verbringen können. Und sie ist auch diejenige, die für die Angehörigen der Sterbenden da ist.

Seit Oktober ist Susanne Brillisauer da. Als Koordinatorin für den ambulanten Hospizverein „Besuchsdienst für Kranke und Sterbende“ berät sie Menschen, die ihre letzte Lebenszeit zu Hause verbringen möchten. Sie steht aber auch deren Angehörigen zur Seite. Und gleichzeitig koordiniert sie den Einsatz der ehrenamtlichen Hospizhelfer, die zu den Sterbenden und deren Angehörigen nach Hause gehen, um sie zu unterstützen. Darüber hinaus leistet sie Beistand in Krisensituationen, arbeitet sowohl mit den Pflegediensten als auch mit den Hausärzten zusammen und ist einfach da, wenn sie gebraucht wird. Obendrein ist sie zuständig für die Ausbildung und Fortbildung der ehrenamtlichen Hospizhelfer.

„Frau Brillisauer ist unsere Wunschkandidatin“, sagt Maja Dornier und erklärt, dass es nach den Anfangszeiten des Besuchsdienstes in Lindau die Hospizschwestern waren, die all die Aufgaben, die jetzt bei der neuen Koordinatorin liegen, zusätzlich zu ihrer Arbeit im Haus, übernommen haben. Auch später, als die Stelle schon von den Krankenkassen übernommen wurde, kam die Koordinatorin aus den eigenen Reihen. Somit ist Susanne Brillisauer quasi die erste, die nun von außerhalb kommt. Von außerhalb zwar, aber trotzdem nicht aus der Ferne. Denn Lindau und die Lindauer Hospizbewegung sind der 60-Jährigen aus Vogt schon lange ein Begriff. Acht Jahre lang hat die gelernte Altenpflegerin mit Weiterbildungen in Palliative Care und Koordination im Haus Domenicus, in der Holdereggenstrasse, gearbeitet. „Bis die Leiterin verstorben war und es geschlossen wurde“, erzählt sie. Und abgesehen davon, dass Susanne Brillisauer irgendwann einmal zwischen ihrer Arbeit in dem Nonnenhaus und ihrer Stelle als Podologin in der Fußambulanz in Tettnang schon ein Praktikum im Lindauer Hospiz gemacht hat, „kennt man das Lindauer Hospiz“. Von daher ist die Stelle auch für sie ein Traumjob. „Das Hospiz hat einen guten Ruf und es gibt viele Ehrenamtliche hier“, betont sie und weiß: „Da kann man auf einen großen Schatz zurückgreifen.“

„Seit wir die Personalkosten bekommen, haben wir den Eindruck, dass wir mehr Anfragen aus dem häuslichen Bereich, den Pflegeheimen und dem Krankenhaus haben“, erzählt Maja Dornier, und erklärt, dass hier vor allem die Ehrenamtlichen als Sitzwachen und damit zur Entlastung der Angehörigen oder des Personals gefragt seien. Die Koordinatorin verfügt zudem über spezielle Kenntnisse. Im häuslichen Bereich erkennt sie etwa, wenn eine Schmerztherapie zu niedrig angesetzt ist und der Hausarzt dementsprechend handeln muss. Und andersherum könne der Hausarzt Schmerzmittel ganz anders geben, wenn er wisse, dass dies kontrolliert werde. Außerdem berät Susanne Brillisauer die Menschen auch in einer verlorengegangenen Tradition: Dem Aufbahren. Also das offene Aufstellen eines Verstorbenen in der heimischen Umgebung. „Da können dann noch Nachbarn kommen, und Kinder“, sagt Maja Dornier und erklärt, dass dies den Angehörigen bei ihrer Trauerarbeit sehr helfe. „Wir beraten die Leute und sagen ihnen dass das geht und sie sind dann glücklich. Sie lernen, dass man einen Tod gestalten kann, dass man Abschied nehmen kann. Das ist ein sehr feierliches Erlebnis“, berichtet sie und findet, „das sind wichtige Dinge für die Gesellschaft“. „Sterben und Tod darf nicht an den Rand gedrängt werden. Der Tod gehört zum Leben“, ist auch Susanne Brillisauer überzeugt. Und auch sie betont, dass ein würdiges Sterben in der Familie möglich sei. „Heutzutage sterben die Leute gern zu Hause. Aber sie brauchen Unterstützung und auch die Angehörigen brauchen Unterstützung. So kann das dann funktionieren.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen