Angeklagter merkt: Ohne Drogen geht es doch

Lesedauer: 5 Min
 Jeden Abend raucht der Mann einen Joint – bis er erwischt wird.
Jeden Abend raucht der Mann einen Joint – bis er erwischt wird. (Foto: dpa)

Jahrelang ist das die Routine des Angeklagten gewesen: Nach Feierabend rollte sich der Koch auf dem Sofa einen Joint und rauchte ihn. Wenn die Wirkung einsetzte, spielte er Computer oder sah fern – für ihn die totale Entspannung. „Ich bin davon ausgegangen, dass ich komplett süchtig bin.“ Dann erwischt ihn die Polizei, als er mit gut hundert Gramm Gras im Auto von Österreich nach Lindau fährt. Von da an verändert sich sein Leben.

Die Tatsache, dass er versucht hatte, im September vergangenen Jahres gut hundert Gramm Marihuana über die Grenze zu schmuggeln, leugnete der Angeklagte nicht. Auch die rund 25 Gramm, die Polizeibeamte später in seiner Wohnung gefunden haben, seien seine gewesen. „Ich empfand es zu dem Zeitpunkt als extrem notwendiges Mittel“, sagte er vor dem Lindauer Schöffengericht aus. Doch nachdem die Polizei all sein Gras eingesammelt hatte, habe er bemerkt: „Das Leben geht auch ohne weiter.“ Seit einem halben Jahr sei er nun drogenfrei.

In den 20 Jahren zuvor hat der Koch, wie er selbst sagte, ein Doppelleben geführt. Seit seiner Scheidung im Jahr 1999 hatte er täglich Gras geraucht. „Ich habe mich im echten Leben immer korrekt verhalten. Abends bin ich dann nach Hause, habe die Tür abgesperrt und meine Tüte geraucht.“

Dass der Mann kein Gelegenheits-Kiffer war, zeigten auch die Untersuchungen. „Sie hatten relativ viel THC im Blut“, bemerkte Richter Alexander Porsche. Der Angeklagte beteuerte aber, dass er nie während der Arbeit oder beim Autofahren gekifft habe. Als die Polizei ihn erwischt hatte, hatten die Beamten seine Fahrtauglichkeit getestet. Er war kontrolliert und hatte keine Koordinationsprobleme.

Woher genau er die hundert Gramm bekommen hatte, wollte der Angeklagte nicht verraten. „Ich bin ungern bei Straßenhändlern gewesen“, sagte er. Als er dann einen jungen Mann aus Lochau getroffen und erfahren habe, dass dieser regelmäßig nach Osteuropa zum Drogen kaufen fährt, habe er diesen angefleht, ihm etwas mitzubringen. „Ich will nicht sagen, wer es war. Ich habe ihn dazu gedrängt.“

Angeklagter legt Wert auf „gutes Zeug“

Zumindest übers Ohr gehauen wurde der Angeklagte von seinem jungen Dealer nicht. „Die Untersuchungen haben ergeben, dass Sie guten Stoff bekommen haben“, sagte Richter Porsche. „Das habe ich auch immer extrem betont“, erklärte der Angeklagte. „Ich wollte gutes Zeug haben.“

Seinen Job hat der Mann mittlerweile verloren. Wann und vor allem wo er wieder zu arbeiten anfange, hänge davon ab, wie lange es dauere, bis er seinen Führerschein wieder bekomme. Das Schöffengericht verurteilte den Mann lediglich zu einem Monat Fahrverbot, einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten und einem Bußgeld von 1500 Euro ans Lindauer Tierheim.

Sein Anwalt hatte nur acht Monate auf Bewährung gefordert: „Mein Mandant ist weder ein Verbrecher, noch ist er gefährlich.“ Und auch die Staatsanwaltschaft war von einem minder schweren Fall ausgegangen und hatte ein Jahr und sechs Monate Bewährungsstrafe gefordert, weil sie dem Angeklagten eine positive Sozialprognose ausstellte. „Sie waren extrem kooperativ und haben alles eingeräumt“, sagte Porsche am Ende der Verhandlung. Der Angeklagte nutzte sein letztes Wort, um sich noch einmal zu entschuldigen. „Es tut mir leid, dass ich so einen Blödsinn gemacht habe.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen